Der Dieselpreis steigt und steigt: Erstmals kletterte der Preis für den Liter Diesel im bundesweiten Schnitt über den Stand von 1,60 Euro. Der Liter kostet derzeit 1,601 Euro, das ist ein Anstieg um 1,6 Cent im Vergleich zur Vorwoche, teilte der ADAC am 19. Januar 2022 mit. Der Benzinpreis stieg im Vorwochenvergleich um 1,7 Cent auf durchschnittlich 1,672 Euro pro Liter, was vorerst 3,7 Cent unter dem Allzeithoch von 1,707 Euro pro Liter im September 2012 sind. Grund für den deutlichen Preisanstieg an den Tankstellen ist laut ADAC der derzeit hohe Rohölpreis. Ein Barrel notiert aktuell bei rund 88 Dollar (rund 77,55 Euro), in der vergangenen Woche waren es lediglich 84 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg am internationalen Ölmarkt ist laut ADAC die eskalierende Situation im Bürgerkriegsland Jemen. Teurer war Rohöl demnach zuletzt im Jahr 2014. Zum Anstieg trug auch die Erhöhung des CO2-Preises im Jahr 2022 bei, die Benzin um 1,4 Cent und Diesel um 1,5 Cent pro Liter teurer machte.
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Minutengenauer Spritpreis-Check

So steht der Spritpreis an Tankstellen in der Umgebung!

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Wie teuer war Sprit im Dezember 2021?

Zuvor hatte es im Dezember 2021 für Autofahrer eine Verschnaufpause in Sachen Spritpreisanstieg gegeben. Nach Auswertung des Verbraucherinformationsdienstes clever-tanken.de (gehört zur AUTO BILD-Gruppe) kostete der Liter Super E10 im Dezember-Monatsschnitt rund 1,6115 Euro und der Liter Diesel 1,5259 Euro. Das waren pro Liter rund 7 Cent bzw. 4 Cent weniger als noch im November. Vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 kosteten 386,76 Euro. Das waren rund 17,83 Euro weniger als im Vormonat, aber rund 91,54 Euro mehr als im Vorjahresmonat. Dieselbe Menge Diesel kostete im Dezember 2021 rund 366,22 Euro – und damit etwa 9,46 Euro weniger als im Vormonat, aber rund 100,46 Euro mehr als im Dezember 2020. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die wegen des Coronavirus gesunkene Nachfrage im ersten Pandemie-Jahr 2020 zu Niedrigpreisen an den Tankstellen geführt hatte.

Was kosteten Benzin und Diesel noch 2021?

Auch die Jahresbilanz 2021 beim Tanken fällt aus Autofahrersicht verheerend aus: So kostete Super E10 zum Jahresende satte 38 Cent pro Liter mehr als im Dezember 2020, bei Diesel belief sich der Anstieg auf 42 Cent. Günstigster Monat war bei beiden Kraftstoffsorten der Januar, am teuersten war Sprit jeweils im November. Die günstigste Tankstadt 2021 war Bonn (Super E10: 1,5006 Euro; Diesel: 1,3627 Euro). Am meisten zahlten Autofahrer nur knapp 60 Kilometer Luftlinie entfernt in Wuppertal (Super E10: 1,5451 Euro; Diesel: 1,4017 Euro).

Was ist der Hauptgrund für hohe Spritpreise?

Aber warum war 2021 so ein schlechtes Tankjahr? "Haupttreiber der Kraftstoffpreise war die steigende Nachfrage nach Rohöl im Zuge der wiedererstarkten Weltwirtschaft nach dem Lockdown-Jahr 2020. Zusätzlich haben sich die Einführung des nationalen CO2-Preises für Verkehr und Heizen sowie die Anhebung der Mehrwertsteuer auf den Vor-Corona-Satz von 19 Prozent spürbar auf die Preise an den Zapfsäulen ausgewirkt", erläutert Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von clever-tanken.de.

Corona-Variante Omikron hat Lenkwirkung

Und warum sanken die Spritpreise zum Jahresende wieder? Steffen Bock: "Dass sie im Dezember so deutlich gefallen sind, liegt vor allem an Omikron, der neuen, besonders ansteckenden Variante des Coronavirus. Sie hat die Ölpreise bis Ende des Monats immer wieder unter Druck gesetzt. Denn Anleger dämpften ihre Nachfrage aus Sorge über die wirtschaftlichen Auswirkungen und den damit verbundenen verschärften Gegenmaßnahmen in vielen Ländern."

Wie geht's weiter mit dem Spritpreis?

Wie geht es weiter? Die erhöhte CO2-Abgabe machte am 1. Januar 2022 Benzin um 1,4 Cent und Diesel um 1,5 Cent pro Liter teurer. Im Gegenzug wurde die Pendlerpauschale von 30 auf 35 Cent pro Kilometer angehoben, allerdings erst ab dem 21. Kilometer. Geringverdiener mit einem Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags bekommen nun ebenfalls ab dem 21. Kilometer eine Mobilitätsprämie von 4,9 Cent/km, wenn mit den Fahrtkosten der Arbeitnehmer-Pauschbetrag überschritten wird. Ansonsten gleiche eine Prognose für den Spritpreis 2022 dem berühmten Blick in die Glaskugel, so clever-tanken.de-Experte Steffen Bock: "Es hängt viel von Corona und der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Im Moment sind die Ölpreismeldungen sehr unterschiedlich. Ich erwarte beim Benzinpreis eine Seitwärts- bis leichte Aufwärtsbewegung. Große Sprünge nach oben oder unten sind nicht in Sicht", so Bock.

Welche Rolle spielt die CO2-Abgabe langfristig beim Spritpreis?

Allein durch die kletternde CO2-Abgabe könnte der Benzinpreis pro Liter laut einer Prognos-Studie bis 2030 auf bis zu 2,50 Euro klettern, der Dieseltarif gar auf 2,64 Euro, so die jüngsten Berechnungen im Auftrag der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E, Transport & Umwelt). Denn bei einer reinen CO2-Preis-basierten Marktlösung wäre es nötig, diesen auf 450 Euro pro Tonne anzuheben.

Wie sich der steigende CO2-Preis auf den Spritpreis auswirkt

Jahr
CO2-Preis/Tonne
Preisaufschlag/Liter Benzin
Preisaufschlag/Liter Diesel
Abzweigung
2021
Abzweigung
Abzweigung
2022
Abzweigung
Abzweigung
2023
Abzweigung
Abzweigung
2024
Abzweigung
Abzweigung
2025
Abzweigung
25 Euro
30 Euro
35 Euro
45 Euro
55 Euro
ca. 7 Cent
ca. 8,4 Cent
ca. 9,8 Cent
ca. 12,6 Cent
ca. 15 Cent
ca. 8 Cent
ca. 9,5 Cent
ca. 11 Cent
ca. 15 Cent
ca. 17 Cent
Alternativ würden sich andere Maßnahmen wie beispielsweise ein Preisaufschlag beim Kauf eines Autos mit Verbrennungsmotors mäßigend auf die Kraftstoffpreise auswirken. Somit könnte der Preisanstieg laut den Berechnungen auf 1,90 Euro für Benzin und 1,96 Euro für Diesel begrenzt werden. Käufer von Autos mit hohem CO2-Ausstoß könnten mit einem Aufschlag die Kaufprämien für E-Autos finanzieren, argumentiert T&E. Die Organisation bringt daher neben dem steigenden CO2-Preis auch das Abschaffen einer günstigen Dienstwagenbesteuerung für Verbrenner ins Gespräch. Daneben plädiert sie für ein Bonus-Malus-System beim Kauf von Autos. Dem Verkehrssektor wird beim Bekämpfen des Klimawandels besondere Bedeutung beigemessen. Bis 2030 muss er laut Klimagesetz seine Emissionen praktisch halbieren.

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?

Ein großer Teil des Spritpreises sind Steuern und Abgaben. Die Energie- bzw. Mineralölsteuer macht bei Superbenzin 65,45 Cent pro Liter aus, bei Diesel sind es 47,07 Cent. Theoretisch müsste Diesel also stets knapp 19 Cent günstiger sein. Weil die Preise im Großhandel aber schwanken, sieht es in der Realität an der Tankstelle oft anders aus. Laut clever-tanken.de lag der Unterschied im September 2021 bei durchschnittlich 0,1614 Euro pro Liter. Dazu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf den Verkaufspreis, derzeit knapp 27 Cent bei Super E10 und rund 25 Cent bei Diesel.
Zapfsäule mit Super und Diesel
Die Preise für Benzin und Diesel dürften vorläufig auf hohem Niveau bleiben.
Hinzu kommt seit Jahresbeginn der CO2-Preis – ohne Mehrwertsteuer 5 Cent bei Super E10 und gut 6 Cent bei Diesel. Der Rest teilt sich auf in den Preis für Rohöl und Kosten für die Weiterverarbeitung, Transport, Tankstellen sowie den Gewinn der Mineralölwirtschaft. Diese hat zuletzt aber betont, dass ihre Margen nicht gestiegen seien.

Wie geht es langfristig weiter mit den Preisen für Benzin und Diesel?

Laut einer Untersuchung von DIW Econ (eine Tochter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW) im Auftrag von Greenpeace müsste zum Erreichen der deutschen Klimaziele neben weiteren Maßnahmen der CO2-Preis massiv steigen. Dadurch könnte der Liter Benzin oder Diesel um bis zu 35 Cent teurer werden. Das Umweltbundesamt forderte anlässlich der Uno-Klimakonferenz in Glasgow, der CO2-Preis solle ab 2022 im Vergleich zur bisherigen Planung mindestens verdoppelt werden. Der Verkehrssektor sei der einzige Bereich in Deutschland, der seine Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 nicht gemindert habe. Im Gegenzug will das Bundesamt einen sozialen Ausgleich. Der ADAC kritisierte die Vorschläge.

Kostet Benzin bald zwei Euro pro Liter?

Ohne zusätzlichen Preistreiber ist ein Benzinpreis von zwei Euro eher unwahrscheinlich. Bei einem konstanten Wechselkurs des Dollars müsste der Ölpreis dafür auf weit über 100 Dollar steigen, so ADAC-Experte Jürgen Albrecht. Die Ölproduzenten-Vereinigung Opec+ habe aber kaum Interesse an weiter steigenden Preisen. Zudem würde dies die Fördermethode Fracking attraktiver machen, was die Preise durch ein dann steigendes Angebot zusätzlich bremsen würde.
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Dass an einzelnen Tankstellen zu gewissen Zeiten zwei Euro oder mehr pro Liter Super verlangt werden, ist aber nicht ausgeschlossen. Zum einen gibt es noch einige andere, in der Regel teurere Sorten wie Super Plus oder Premiumkraftstoffe wie Aral Ultimate oder Shell V-Power. Zum anderen schwanken die Spritpreise je nach Uhrzeit, Region und Tankstelle teils deutlich. Sicher ist: Die Politik will den Verbrennungsmotor aus Klimaschutzgründen nach und nach unattraktiv machen. Und die Elektromobilität gleichzeitig attraktiver – unter anderem mit der Innovationsprämie, der Umweltprämie und der Wallbox-Förderung.

Wie können Autofahrer beim Tanken sparen?

Um beim Tanken das eigene Konto nicht zu sehr zu belasten, sollten Autofahrer zur richtigen Tageszeit an die Zapfsäule fahren. Am günstigsten tankt es sich typischerweise abends, am teuersten im morgendlichen Berufsverkehr.

Bildergalerie

Tankstelle: Zapfpistole
Tankstelle: Benzinpreistafel
Drehzahlmesser
Kamera
Sprit sparen: Die besten Tricks

Im Grenzgebiet von Polen und Tschechien lohnt sich möglicherweise die Fahrt ins Nachbarland. Und auf Reisen sollte man auf jeden Fall Autobahntankstellen meiden. (Weitere Tipps zum günstigen Tanken)