Irgendwie ganz schön ungerecht: In Bayern kostet ein Liter Super E10 laut ADAC im Schnitt derzeit 1,779 Euro, während man in Berlin nur 1,621 Euro bezahlt – satte 15,8 Cent weniger. Hamburg ist mit einem Durchschnittspreis von 1,655 Euro zweitgünstigstes Bundesland, während man nur knapp 100 Kilometer entfernt in Bremen mit 1,763 Euro pro Liter Super E10 am zweittiefsten in die Tasche greifen muss.
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Noch auffälliger sind die Preisdifferenzen beim Dieselkraftstoff: Hamburg ist mit einem Literpreis von 1,819 Euro am besten dran, in Bayern ist Diesel im Mittel 17,2 Cent teurer: 1,991 Euro. Auf dem vorletzten Platz im Bundesländer-Ranking liegt Baden-Württemberg (1,973 Euro), auf Rang zwei Berlin mit 1,823 Euro.
Spritpreise in den Bundesländern
Bis zu 17 Cent Unterschied pro Liter: Die Spritpreise variieren von Bundesland zu Bundesland kräftig.
Ein Grund für das Preisgefälle ist laut ADAC das Niedrigwasser des Rheins, das wie schon 2018 den Transport auch von Kraftstoff erschwert – darunter leidet der Süden Deutschlands mehr als der Norden. Im Bundesdurchschnitt kostete der Liter Super E10 am 17. August 1,708 Euro (0,1 Cent mehr als in der Vorwoche), Diesel wurde bei 1,925 Euro 3,5 Cent teurer.

Wann läuft der Tankrabatt aus?

Eine Woche zuvor war Diesel mit 1,890 Euro so günstig wie seit März 2022 nicht mehr. Super E10 erreichte im Wochenmittel (1,707 Euro) sogar Preise auf Januar-Niveau. Aber eine Bremse für den Spritpreis entfällt schon bald: Der Tankrabatt gilt nur noch bis zum 31. August, soll auch nicht verlängert werden.

Zu welcher Tageszeit sollte man tanken?

Ob mit oder ohne Tankrabatt: Bis zu 12 Cent pro Liter können Autofahrer sparen, wenn sie zur richtigen Tageszeit an die Zapfsäule fahren. Das macht bei einer Tankfüllung von 50 Litern satte 6 Euro aus. Dies gilt für Super E10 wie für Diesel.
Die niedrigsten Tagespreise an den Tankstellen werden laut ADAC-Auswertung vom Juli 2022 zwischen 20 und 22 Uhr erreicht. Aber auch der Zeitraum zwischen 18 und 19 Uhr ist bereits relativ günstig. Teuerster Tankzeitpunkt ist morgens kurz nach 7 Uhr. Zwischen 5 und 11 Uhr schwanken die Preise recht stark und liegen fast immer über dem Niveau des restlichen Tages. Ab Mittag sinken die Durchschnittspreise für Benzin und Diesel in regelmäßigen Wellenbewegungen tendenziell bis gegen 22 Uhr. 
Kurve der Spritpreisentwicklung im Tagesverlauf
Die Grafik des ADAC vom Juli 2022 verdeutlicht die Schwankungen des Spritpreises im Tagesverlauf.

Darum ist Diesel noch immer teurer als Benzin

Dass Diesel nach wie vor teurer ist als Benzin, begründete Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken (ein Partner von AUTO BILD) so: "Normalerweise stocken die Haushalte ihre Heizölvorräte im Herbst auf. In diesem Jahr aber tun sie das bereits seit dem Frühjahr, aus Angst vor weiter steigenden Preisen aufgrund der Ukrainekrise. Das stützt den Dieselpreis und verteuert ihn gegenüber Super E10."

Was sagt der ADAC zu den Spritpreisen?

Trotz des  Rückgangs der vergangenen Wochen sieht der ADAC keinen Grund zur Entwarnung: "Wir haben nur auf den ersten Blick eine Entspannung, sondern vielmehr ein dramatisch hohes Preisniveau, wenn man den Steuerrabatt herausrechnet", sagt Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht.
Man müsse damit rechnen, dass mit Auslaufen des Tankrabatts von 35,2 Cent pro Liter Superbenzin und 16,7 Cent pro Liter Diesel die Preiserhöhung wieder eins zu eins an die Kundinnen weitergegeben werde. Ab wann im September die Verbraucher den unrabattierten Preis zahlen werden, sei spannend zu beobachten.

Wird der Tankrabatt voll weitergegeben?

Der Tankrabatt kommt fast vollständig bei den Autofahrern an, hat das RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung errechnet. Die Analysten hatten die Preise in Deutschland und Frankreich (dort gibt es keinen Tankrabatt) miteinander verglichen.
Dennoch sei die Preissenkung "weder unter Verteilungs- noch unter ökologischen Aspekten sinnvoll", so ein RWI-Forscher. Zum einen werde eher Wohlhabenden geholfen als armen Haushalten, die oft gar kein Auto hätten. Zum anderen halte er nicht dazu an, weniger Benzin und Diesel zu verbrauchen. Ähnlich hatten im Juni Wissenschaftler des renommierten Münchner Ifo-Instituts argumentiert, die ebenfalls eine nahezu komplette Weitergabe der Steuersenkung analysiert hatten.

Müssen Tankstellen den Tankrabatt eigentlich weitergeben?

Die Tankstellenbetreiber haben bei der Preisgestaltung Spielraum, denn wie viel der Sprit an der Zapfsäule kostet, darüber bestimmen sie und die Mineralölkonzerne selber. Sie sind nicht zur Weitergabe der Steuersenkung verpflichtet.

Milliardengewinne für Energiekonzerne

Unterdessen wurde bekannt, dass die durch den Ukraine-Krieg und das Ende der Corona-Maßnahmen gestiegenen Öl- und Gaspreise den großen Energiekonzernen Milliardengewinne beschert haben. Der britische Ölmulti Shell verfünffachte seinen Gewinn im zweiten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahr auf umgerechnet 17,6 Milliarden Euro. Der französische Konzern TotalEnergies konnte trotz einer Abschreibung auf einen Anteil an einem russischen Gasproduzenten seinen Gewinn auf fast 5,6 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Viel Kritik an hohen Gewinnen der Ölkonzerne

Viele Stimmen – darunter die des ADAC und sogar des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV) – werfen den Mineralölkonzernen vor, die Situation sehr wohl für höhere Gewinne auszunutzen. Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte, die "Mitnahmeeffekte durch die Mineralölkonzerne" seien "zweifellos vorhanden" und ein "moralischer Skandal". Das ursprüngliche Konzept für den Tankrabatt sei "quasi eine Einladung zum Beutezug gegen den Staat".
Robert Habeck
Wirtschaftsminister Habeck will im Kampf gegen hohe Spritpreise ein "Kartellrecht mit Klauen und Zähnen".

Habeck will schärferes Kartellrecht

Der Grünen-Politiker kündigte in diesem Zusammenhang ein "Kartellrecht mit Klauen und Zähnen" an. Wettbewerbshüter sollen neben schlagkräftigeren Sektoruntersuchungen auch Gewinne abschöpfen können, wenn Unternehmen ihre Marktmacht missbrauchen. Als letztes Mittel sollen Entflechtungen von Konzernen möglich sein.

Beweislast bei Missbrauch soll umgekehrt werden

Auch eine vereinfachte Abschöpfung von Übergewinnen könne ein Weg sein. Diese setzt jedoch den Beweis eines Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht voraus.
Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, begrüßte in der "Rheinischen Post" Habecks Plan einer Beweislastumkehr: "Sollten sich im Rahmen der Marktbeobachtung konkrete Hinweise darauf ergeben, dass die Durchsetzung der Wettbewerbsregeln dauerhaft unzureichend ist, könnte eine Beweislastumkehr in Betracht gezogen werden." Er verteidigte aber auch die Ölkonzerne gegen die bestehenden Vorwürfe. Die Preisbildung bei Treibstoff sei nicht so simpel, "es fließen viele Faktoren ein", so Wambach in der "Augsburger Allgemeinen".

Energiesteuer fällt vor dem Tanken an

Die Energiesteuer fällt nicht erst beim Tanken an, sondern bereits früher, und zwar an Raffinerien und Tanklagern. Dadurch war der Kraftstoff, der sich am 1. Juni im Lager der Tankstelle befand, in der Regel noch nach den alten Sätzen versteuert und damit teurer eingekauft.

Ukraine-Krieg: größter Spritpreis-Sprung in Deutschland

Nirgendwo in der EU sind seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine die Spritpreise stärker gestiegen als in Deutschland. Das geht aus Daten der EU-Kommission hervor, die das Statistische Bundesamt auf Anfrage der Linken im Bundestag übermittelte und aus denen Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichteten.
Spritpeistafel an Tankstelle
Auf einmal war Diesel teurer als Superbenzin. Nach der Steuersenkung ist das nun erneut der Fall.
Demnach verteuerte sich der Liter Diesel zwischen dem 21. Februar 2022 (drei Tage vor Kriegsbeginn) bis zum 25. April um 38 Cent auf 1,66 Euro. Nur in Schweden und Lettland gab es die gleiche Steigerung. In Frankreich hingegen betrug der Anstieg lediglich 17 Cent, in Italien nur fünf Cent.
Der Liter Super 95 wurde in Deutschland seit Kriegsbeginn 23 Cent teurer, nur in Österreich fiel der Preisanstieg mit 24 Cent noch etwas höher aus. In Ungarn dagegen sank der Preis um sechs Cent, in Italien sogar um acht Cent pro Liter.

Was beeinflusst die Spritpreise?

Zwar schürten Corona-Lockdowns in China und die erwarteten US-Zinserhöhungen Spekulationen auf eine Konjunkturabkühlung – wodurch die Rohölpreise ebenso unter Druck gerieten wie durch die Freigabe strategischer Ölreserven durch die Internationale Energieagentur (IEA). Zugleich gab es aber die Sorge vor Lieferengpässen durch Sanktionen des Westens gegen Russland.
"Russland ist weltweit der drittgrößte Ölproduzent. Der Krieg in der Ukraine ist seit seinem Beginn daher eng verbunden mit der Angst vor russischen Lieferausfällen", so Clever-Tanken-Geschäftsführer Steffen Bock. Diese Furcht spiegle sich an der Börse und damit auch an den Zapfsäulen wider.

Nie da gewesener Preisschock im März

Immerhin ist der Preisschock aus dem März 2022 überwunden. Clever Tanken ermittelte für den Horrormonat für den Liter Super E10 einen Monatsschnitt von rund 2,0697 Euro – etwa 32 Cent mehr als noch im Februar. Für den Liter Diesel zahlten Autofahrerinnen im Mittel rund 2,1441 Euro und damit etwa 47 Cent mehr als im Vormonat.

Clever Tanken
Tanken

Minutengenauer Spritpreis-Check

So steht der Spritpreis an Tankstellen in der Umgebung!

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"Für beide Kraftstoffsorten wurden die höchsten Durchschnittspreise aufgerufen, die Clever Tanken je ermittelt hat", sagte Bock. Gestartet wurden die Aufzeichnungen im Juni 2012.

Ein Liter Diesel 83 Cent teurer als im Vorjahr

Der Vergleich mit den Vorjahreswerten macht den enormen Preissprung noch deutlicher: Rund 62 Cent mehr als im März 2021 kostete der Liter Super E10, rund 83 Cent (!) mehr der Liter Diesel.
Für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 zahlten Autofahrer im März 2022 im Schnitt 496,73 Euro. Das waren rund 76,56 Euro mehr als im Monat zuvor sowie rund 148,39 Euro mehr als im Vorjahresmonat. Die gleiche Menge Diesel kostete im März 2022 rund 514,58 Euro (+113,57 Euro gegenüber Februar; +199,75 Euro gegenüber März 2021).

Warum waren Benzin und Diesel schon 2021 teuer?

Warum war schon 2021 so ein schlechtes Tankjahr? "Haupttreiber der Kraftstoffpreise war die steigende Nachfrage nach Rohöl im Zuge der wiedererstarkten Weltwirtschaft nach dem Lockdown-Jahr 2020. Zusätzlich haben sich die Einführung des nationalen CO2-Preises für Verkehr und Heizen sowie die Anhebung der Mehrwertsteuer auf den Vor-Corona-Satz von 19 Prozent spürbar auf die Preise an den Zapfsäulen ausgewirkt", erläutert Steffen Bock.

Wie sich der steigende CO2-Preis auf den Spritpreis auswirkt

Jahr
CO2-Preis/Tonne
Preisaufschlag/Liter Benzin
Preisaufschlag/Liter Diesel
Abzweigung
2021
Abzweigung
Abzweigung
2022
Abzweigung
Abzweigung
2023
Abzweigung
Abzweigung
2024
Abzweigung
Abzweigung
2025
Abzweigung
25 Euro
30 Euro
35 Euro
45 Euro
55 Euro
ca. 7 Cent
ca. 8,4 Cent
ca. 9,8 Cent
ca. 12,6 Cent
ca. 15 Cent
ca. 8 Cent
ca. 9,5 Cent
ca. 11 Cent
ca. 15 Cent
ca. 17 Cent
Die erhöhte CO2-Abgabe machte dann am 1. Januar 2022 Benzin um 1,4 Cent und Diesel um 1,5 Cent pro Liter teurer. Im Gegenzug wurde die Pendlerpauschale von 30 auf 38 Cent pro Kilometer angehoben, allerdings erst ab dem 21. Kilometer. Geringverdiener mit einem Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags bekommen nun ebenfalls ab dem 21. Kilometer eine Mobilitätsprämie von 4,9 Cent/km, wenn mit den Fahrtkosten der Arbeitnehmer-Pauschbetrag überschritten wird.
Die Politik will den Verbrennungsmotor aus Klimaschutzgründen nach und nach unattraktiv machen. Und die Elektromobilität gleichzeitig attraktiver – unter anderem mit der Innovationsprämie, der Umweltprämie und der Wallbox-Förderung.

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?

Ein großer Teil des Spritpreises sind Steuern und Abgaben. Die Energie- bzw. Mineralölsteuer macht bei Superbenzin 65,5 Cent pro Liter aus, bei Diesel sind es 47 Cent. Theoretisch müsste Diesel also stets knapp 19 Cent günstiger sein. Durch schwankende Preise im Großhandel und Sonderfälle wie den Ukraine-Krieg sieht es in der Realität an der Tankstelle aber oft anders aus.

Hinzu kommt seit Jahresbeginn der CO2-Preis – 5 Cent bei Super E10 und gut 6 Cent bei Diesel. Der Rest teilt sich auf in den Preis für Rohöl und Kosten für die Weiterverarbeitung, Transport, Tankstellen sowie den Gewinn der Mineralölwirtschaft. Und obendrauf kommt dann noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.