Die Spritpreise in Deutschland entfernen sich weiter von der berüchtigten 2-Euro-Marke. Laut ADAC-Wochenauswertung vom 23. November 2022 kostet ein Liter Super E10 an den Tankstellen im Lande durchschnittlich 1,785 Euro, also 6,4 Cent weniger als in der Vorwoche. Diesel verbilligt sich in ähnlicher Größenordnung, nämlich um 6,5 Cent. Der Liter kostet jetzt weniger als 1,90 Euro: 1,899 Euro.
Lässt man den zwischenzeitlichen Tankrabatt außer Acht, war Super E10 zuletzt am 23. Februar, einen Tag vor Beginn des Ukraine-Kriegs, günstiger, Diesel am 3. März. (Tipp: Kraftstoff sparen mit dem richtigen Fahrverhalten und dem richtigen Zeitpunkt fürs Tanken!)
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Minutengenauer Spritpreis-Check

So steht der Spritpreis an Tankstellen in der Umgebung!

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Der erfreuliche Trend liegt vor allem im niedrigen Rohölpreis begründet, ein Barrel der so wichtigen Sorte Brent kostete 89 Dollar statt wie eine Woche zuvor 94 Dollar. Außerdem herrscht laut ADAC wieder stärkerer Wettbewerb auf dem Markt. Beim Dieselkraftstoff hat zudem offenbar die Nachfrage nachgelassen, nachdem einige Industriezweige zuletzt Diesel als Ersatz für teures Gas verwendet und viele Privatkunden ihre Tanks frühzeitig mit dem chemisch verwandten Heizöl aufgefüllt hatten.

Sprit im Jahr 2022 so teuer wie nie

Nach Angaben des ADAC hat sich 2022 aber längst als teuerstes Tankjahr für Autofahrer aller Zeiten entpuppt – und zwar mit großem Abstand. Hauptgrund dafür ist natürlich die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste weltweite Energiekrise.

Was kosteten Super und Diesel im Jahr 2022?

So kostete Super E10 im Durchschnitt der Monate Januar bis Oktober 1,880 Euro je Liter, das sind 29,1 Cent mehr als 2012, dem bisherigen unrühmlichen Spitzenreiter bei den Spritpreisen. Bei Diesel lag der Durchschnittstarif der letzten zehn Monate bei 1,957 Euro je Liter – gegenüber 2012 sogar eine Preisdifferenz von 47,9 Cent! Ebenfalls bemerkenswert: 2022 gab es laut ADAC-Bilanz bis dato noch keinen einzigen Monat, in dem der Preis für eine Kraftstoffsorte unter dem Durchschnittswert des bisherigen Rekordjahrs 2012 lag.

Oktober: Super günstiger, Diesel teurer

Nach Auswertungen von Clever Tanken (gehört zur AUTO BILD-Gruppe) war Super E10 im Oktober 2022 mit durchschnittlich 1,9149 Euro pro Liter rund 3 Cent günstiger, Diesel dagegen mit einem Literpreis von 2,1140 Euro rund 3 Cent teurer als im September. Beim Kraftstoff für Selbstzünder war es die dritte monatliche Preissteigerung in Folge.
"Im Oktober hat vor allem die Ankündigung des Ölkartells Opec+, seine Fördermengen ab November um zwei Millionen Barrel pro Tag zu kürzen, für einen Aufwind der Rohölpreise gesorgt", erklärt Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken, die Lage an den Zapfsäulen. Bock weiter: "Ohne diese Entscheidung wäre die Talfahrt der Benzinpreise sicher rasanter ausgefallen, und der seit Monaten anhaltende Auftrieb der Dieselpreise wäre abgeschwächt oder gar unterbrochen worden."
Auch das durch den Ukraine-Krieg weiter begrenzte Ölangebot wirkte sich negativ aus, weltweite Konjunktursorgen und steigende Zinsen drücken hingegen die Nachfrage und damit die Preise für Öl.

So viel teurer wurde Sprit nach Ende des Tankrabatts

Im Nach-Tankrabatt-Monat September wurden an deutschen Tankstellen durchschnittlich rund 21 Cent für den Liter Superbenzin und etwa 12 Cent für Dieselkraftstoff mehr verlangt als noch im August. Direkt nach Auslaufen des Tankrabatts – also zur Rückerhöhung der Energiesteuer – ergab sich rein rechnerisch eine Differenz von gut 35 Cent pro Liter Superbenzin und knapp 17 Cent pro Liter Diesel.
Spritpreistafel in München nach Ende des Tankrabatts
Teilweise stiegen die Preise für Benzin und Diesel nach Ende des Tankrabatts über Nacht um mehr als 50 Cent pro Liter.

Wurde der Tankrabatt voll weitergegeben?

Der Tankrabatt kam in den drei Monaten Dauer fast vollständig bei den Autofahrern an. Das hat das RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung errechnet. Die Analysten hatten die Preise in Deutschland und Frankreich (dort gibt es keinen Tankrabatt) miteinander verglichen.
Sinnvoll gewesen sei die Preissenkung aber "weder unter Verteilungs- noch unter ökologischen Aspekten", so ein RWI-Forscher Anfang August. Zum einen sei eher Wohlhabenden geholfen worden als armen Haushalten, die oft gar kein Auto hätten. Zum anderen habe der Tankrabatt nicht dazu angehalten, weniger Benzin und Diesel zu verbrauchen. Ähnlich hatten im Juni Wissenschaftler des renommierten Münchner Ifo-Instituts argumentiert, die ebenfalls eine nahezu komplette Weitergabe der Steuersenkung analysiert hatten.

Mussten Tankstellen den Tankrabatt weitergeben?

Die Tankstellenbetreiber hatten bei der Preisgestaltung Spielraum, denn wie viel der Sprit an der Zapfsäule kostet, darüber bestimmen sie und die Mineralölkonzerne selber. Sie waren nicht zur Weitergabe der Steuersenkung verpflichtet.

Darum ist Diesel teurer als Benzin

Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre war Diesel wegen der niedrigeren Besteuerung im Schnitt gut 15 Cent günstiger als E10. Erst wegen der Verwerfungen im Ukraine-Krieg hatte Diesel Superbenzin beim Preis überholt.
Im Oktober 2022 ging die Preisschere zwischen Super E10 und Diesel um weitere rund 6 Cent auf nunmehr fast 20 Cent zuungunsten von Diesel auseinander. Zudem ist sie bereits den fünften Monat in Folge umgekehrt. Das heißt: Diesel ist teurer als Benzin. Verantwortlich dafür ist unter anderem die seit Monaten andauernde hohe Nachfrage nach Heizöl. Darüber hinaus greift die Industrie verstärkt auf Diesel als Gasersatz zurück.  
Dass Diesel nach wie vor teurer ist als Benzin, begründet Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken, so: "Normalerweise stocken die Haushalte ihre Heizölvorräte im Herbst auf. In diesem Jahr aber tun sie das bereits seit dem Frühjahr, aus Angst vor weiter steigenden Preisen aufgrund der Ukraine-Krise. Das stützt den Dieselpreis und verteuert ihn gegenüber Super E10." Zudem wird in der Industrie vermehrt Erdgas durch Diesel ersetzt. Allerdings sei nach Ansicht des ADAC das Ausmaß des Aufschlags nicht annähernd zu rechtfertigen. 

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?

Ein großer Teil des Spritpreises in Deutschland sind Steuern und Abgaben. Die Energie- bzw. Mineralölsteuer macht bei Superbenzin 65,5 Cent pro Liter aus, bei Diesel sind es 47 Cent. Theoretisch müsste Diesel also stets knapp 19 Cent günstiger sein. Durch schwankende Preise im Großhandel und Sonderfälle wie den Ukraine-Krieg sieht es in der Realität an der Tankstelle aber oft anders aus.

Wie sich der steigende CO2-Preis auf den Spritpreis auswirkt

Jahr
CO2-Preis/Tonne
Preisaufschlag/Liter Benzin
Preisaufschlag/Liter Diesel
Abzweigung
2021
Abzweigung
Abzweigung
2022
Abzweigung
Abzweigung
2023
Abzweigung
Abzweigung
2024
Abzweigung
Abzweigung
2025
Abzweigung
Abzweigung
2026
Abzweigung
25 Euro
30 Euro
bleibt bei 30 Euro
35 Euro
45 Euro
55 Euro
ca. 7 Cent
ca. 8,4 Cent
-
ca. 9,8 Cent
ca. 12,6 Cent
ca. 15 Cent
ca. 8 Cent
ca. 9,5 Cent
-
ca. 11 Cent
ca. 15 Cent
ca. 17 Cent
Hinzu kommt seit Jahresbeginn 2021 der CO2-Preis – 5 Cent bei Super E10 und gut 6 Cent bei Diesel. Der Rest teilt sich auf in den Preis für Rohöl und Kosten für die Weiterverarbeitung, Transport, Tankstellen sowie den Gewinn der Mineralölwirtschaft. Und obendrauf kommt dann noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.

Ist Autofahren im Ausland günstiger?

Deutschland ächzt unter den hohen Spritpreisen, aber anderen Ländern geht es keinen Deut besser, eher schlechter. Ein britisches Verbraucherportal hat im Oktober 2022 die Kosten fürs Autofahren in Europa verglichen. Zugrunde gelegt wurden statistische Daten wie eine durchschnittliche Jahresfahrleistung von 14.000 Kilometern. Heraus kam: Setzt man jeweils durchschnittliches Einkommen und Spritpreis ins Verhältnis, liegt Deutschland erst an neunter Stelle in Europa.
Jährlichen Kraftstoffkosten von im Schnitt 1564,10 Euro steht ein Einkommen von 26.000 Euro gegenüber. Somit geben wir im Schnitt rund sechs Prozent unseres Einkommens für Sprit aus. Anders die Situation in Griechenland: Hier müssen die Menschen im Schnitt mehr als 13 Prozent ihres Einkommens für die Mobilität hinblättern.
Besonders gut dagegen steht Luxemburg da: Hier landen nur 3,76 Prozent des Einkommens im Tank. Das leuchtet jedem ein, der schon einmal in Luxemburg getankt hat: Dort sind die Spritpreise mit Abstand am günstigsten in Europa. Aktuell kostet ein Liter Superbenzin 1,71 Euro. Grund: Die Mineralölsteuer ist viel niedriger als in Deutschland, die Mehrwertsteuer beträgt 17 Prozent.

Zu welcher Tageszeit sollte man tanken?

Ob mit oder ohne Tankrabatt: Bis zu 12 Cent pro Liter können Autofahrer sparen, wenn sie zur richtigen Tageszeit an die Zapfsäule fahren. Das macht bei einer Tankfüllung von 50 Litern satte 6 Euro aus. Dies gilt für Super E10 wie für Diesel.
Kurve der Spritpreisentwicklung im Tagesverlauf
Die Grafik des ADAC vom Juli 2022 verdeutlicht die Schwankungen des Spritpreises im Tagesverlauf.
Die niedrigsten Tagespreise an den Tankstellen werden laut ADAC-Auswertung vom Juli 2022 zwischen 20 und 22 Uhr erreicht. Aber auch der Zeitraum zwischen 18 und 19 Uhr ist bereits relativ günstig. Teuerster Tankzeitpunkt ist morgens kurz nach 7 Uhr. Zwischen 5 und 11 Uhr schwanken die Preise recht stark und liegen fast immer über dem Niveau des restlichen Tages. Ab Mittag sinken die Durchschnittspreise für Benzin und Diesel in regelmäßigen Wellenbewegungen tendenziell bis gegen 22 Uhr (So viel Sprit darf man bunkern.). 

Milliardengewinne für Energiekonzerne

Die durch den Ukraine-Krieg und das Ende der Corona-Maßnahmen gestiegenen Öl- und Gaspreise haben den großen Energiekonzernen Milliardengewinne beschert. Der britische Ölmulti Shell verfünffachte seinen Gewinn im zweiten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahr auf umgerechnet 17,6 Milliarden Euro. Der französische Konzern TotalEnergies konnte trotz einer Abschreibung auf einen Anteil an einem russischen Gasproduzenten seinen Gewinn auf fast 5,6 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Viel Kritik an hohen Gewinnen der Ölkonzerne

Viele Stimmen – darunter die des ADAC und sogar des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV) – werfen den Mineralölkonzernen vor, die Situation für höhere Gewinne ausgenutzt zu haben. Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte, die "Mitnahmeeffekte durch die Mineralölkonzerne" seien "zweifellos vorhanden" und ein "moralischer Skandal". 
Robert Habeck
Wirtschaftsminister Habeck will im Kampf gegen hohe Spritpreise ein "Kartellrecht mit Klauen und Zähnen".

Habeck will schärferes Kartellrecht

Der Grünen-Politiker kündigte in diesem Zusammenhang ein "Kartellrecht mit Klauen und Zähnen" an. Wettbewerbshüter sollen neben schlagkräftigeren Sektoruntersuchungen auch Gewinne abschöpfen können, wenn Unternehmen ihre Marktmacht missbrauchen. Als letztes Mittel sollen Entflechtungen von Konzernen möglich sein.

Beweislast bei Missbrauch soll umgekehrt werden

Auch eine vereinfachte Abschöpfung von Übergewinnen könne ein Weg sein. Diese setzt jedoch den Beweis eines Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht voraus.
Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, begrüßte in der "Rheinischen Post" Habecks Plan einer Beweislastumkehr: "Sollten sich im Rahmen der Marktbeobachtung konkrete Hinweise darauf ergeben, dass die Durchsetzung der Wettbewerbsregeln dauerhaft unzureichend ist, könnte eine Beweislastumkehr in Betracht gezogen werden." Er verteidigte aber auch die Ölkonzerne gegen die bestehenden Vorwürfe. Die Preisbildung bei Treibstoff sei nicht so simpel, "es fließen viele Faktoren ein", so Wambach in der "Augsburger Allgemeinen".

Energiesteuer fällt vor dem Tanken an

Die Energiesteuer fällt nicht erst beim Tanken an, sondern bereits früher, und zwar an Raffinerien und Tanklagern. Dadurch war der Kraftstoff, der sich am 1. Juni im Lager der Tankstelle befand, in der Regel noch nach den alten Sätzen versteuert und damit teurer eingekauft.

Ukraine-Krieg: größter Spritpreis-Sprung in Deutschland

Nirgendwo in der EU waren nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine die Spritpreise stärker gestiegen als in Deutschland. Das geht aus Daten der EU-Kommission hervor, die das Statistische Bundesamt auf Anfrage der Linken im Bundestag übermittelte und aus denen Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichteten.
Spritpeistafel an Tankstelle
Die Spritpreise erlebten in den vergangenen Wochen ein Auf und Ab.
Demnach verteuerte sich der Liter Diesel zwischen dem 21. Februar 2022 (drei Tage vor Kriegsbeginn) bis zum 25. April um 38 Cent auf 1,66 Euro. Nur in Schweden und Lettland gab es die gleiche Steigerung. In Frankreich hingegen betrug der Anstieg lediglich 17 Cent, in Italien nur fünf Cent.
Der Liter Super 95 wurde  in Deutschland nach Kriegsbeginn 23 Cent teurer, nur in Österreich fiel der Preisanstieg mit 24 Cent noch etwas höher aus. In Ungarn dagegen sank der Preis um sechs Cent, in Italien sogar um acht Cent pro Liter.

Was beeinflusst die Spritpreise?

Zwar schürten Corona-Lockdowns in China und die erwarteten US-Zinserhöhungen Spekulationen auf eine Konjunkturabkühlung – wodurch die Rohölpreise ebenso unter Druck gerieten wie durch die Freigabe strategischer Ölreserven durch die Internationale Energieagentur (IEA). Zugleich gab es aber die Sorge vor Lieferengpässen durch Sanktionen des Westens gegen Russland.
"Russland ist weltweit der drittgrößte Ölproduzent. Der Krieg in der Ukraine ist seit seinem Beginn daher eng verbunden mit der Angst vor russischen Lieferausfällen", so Clever-Tanken-Geschäftsführer Steffen Bock. Diese Furcht spiegle sich an der Börse und damit auch an den Zapfsäulen wider.

Nie dagewesener Preisschock im März

Im März 2022 hatte es einen bis dato nie dagewesenen Preisschock gegeben. Clever Tanken ermittelte für den Horrormonat für den Liter Super E10 einen Monatsschnitt von rund 2,0697 Euro – etwa 32 Cent mehr als noch im Februar. Für den Liter Diesel zahlten Autofahrerinnen im Mittel rund 2,1441 Euro und damit etwa 47 Cent mehr als im Vormonat.

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"Für beide Kraftstoffsorten wurden die höchsten Durchschnittspreise aufgerufen, die Clever Tanken je ermittelt hat", sagte Bock. Gestartet wurden die Aufzeichnungen im Juni 2012.

Ein Liter Diesel 83 Cent teurer als im Vorjahr

Der Vergleich mit den Vorjahreswerten macht den enormen Preissprung noch deutlicher: Rund 62 Cent mehr als im März 2021 kostete der Liter Super E10, rund 83 Cent (!) mehr der Liter Diesel.
Für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 zahlten Autofahrer im März 2022 im Schnitt 496,73 Euro. Das waren rund 76,56 Euro mehr als im Monat zuvor sowie rund 148,39 Euro mehr als im Vorjahresmonat. Die gleiche Menge Diesel kostete im März 2022 rund 514,58 Euro (+113,57 Euro gegenüber Februar; +199,75 Euro gegenüber März 2021).