Vielen Autofahrern dürfte der August 2022 positiv in Erinnerung bleiben: Die Spritpreise in Deutschland sind vergangene Woche dank des Tankrabatts deutlich gesunken, was erfreuliche Auswirkungen auf die Tankfüllung für die große Urlaubsreise hat. Auswertungen des ADAC zeigen: In Kalenderwoche 32 kostete Super E10 pro Liter 1,707 Euro und damit 2,5 Cent weniger als in der Vorwoche. Diesel vergünstigte sich im Mittel um 2 Prozent auf 1,89 Euro. (Günstig tanken in Ihrer Umgebung? Clever Tanken (gehört zur AUTO BILD-Gruppe) weiß, wo das geht!)

Was kostete Sprit vergangene Woche?

So günstig wie diese Woche war Diesel seit März 2022 nicht mehr. Super E10 erreichte im Wochenmittel sogar Preise auf Januar-Niveau. Aber eine Bremse für den Spritpreis entfällt schon bald: Der Tankrabatt gilt nur noch bis zum 31. August, soll auch nicht verlängert werden.
Der ADAC ermittelte in seiner Wochenauswertung am 10. August einen Durchschnittspreis von 1,707 Euro für einen Liter Super E10. Im Vergleich zum Vormonat sind das 8,8 Cent weniger. Diesel, diese Woche bei 1,890 Euro je Liter, vergünstigte sich im selben Zeitraum um 6,6 Cent. Gute Nachrichten gibts für alle Nachtschwärmer: 12 Cent pro Liter können sie an der Zapfsäule zwischen 20 und 22 Uhr sparen. Allgemein fallen ab Mittag die Durchschnittspreise an der Tankstelle. Am teuersten ist Sprit früh um 7 Uhr.
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Darum ist Diesel noch immer teurer als Benzin

Dass Diesel nach wie vor teurer ist als Benzin, begründete Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken (ein Partner von AUTO BILD) so: "Normalerweise stocken die Haushalte ihre Heizölvorräte im Herbst auf. In diesem Jahr aber tun sie das bereits seit dem Frühjahr, aus Angst vor weiter steigenden Preisen aufgrund der Ukrainekrise. Das stützt den Dieselpreis und verteuert ihn gegenüber Super E10."

Was sagt der ADAC zu den Spritpreisen?

Trotz des aktuellen  Rückgangs sieht der ADAC keinen Grund zur Entwarnung: "Wir haben nur auf den ersten Blick eine Entspannung, sondern vielmehr ein dramatisch hohes Preisniveau, wenn man den Steuerrabatt herausrechnet", sagt Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht.
Man müsse damit rechnen, dass mit Auslaufen des Tankrabatts von 35,2 Cent pro Liter Superbenzin und 16,7 Cent pro Liter Diesel die Preiserhöhung wieder eins zu eins an die Kunden weitergegeben werde. Ab wann im September die Verbraucher den unrabattierten Preis zahlen werden, sei spannend zu beobachten.

Wann läuft der Tankrabatt aus?

Der Tankrabatt endet nach dann dreimonatiger Dauer am 31. August 2022. Auch wenn manche Stimmen aus Politik und Wirtschaft zuletzt eine Verlängerung forderten, ist diese nach jetzigem Stand (12. August) nicht geplant. Unter anderem hatte sich Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) gegen eine Weiterführung ausgesprochen.

Wird der Tankrabatt voll weitergegeben?

Der Tankrabatt kommt fast vollständig bei den Autofahrern an, hat das RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung errechnet. Die Forscher hatten die Preise in Deutschland und Frankreich (dort gibt es keinen Tankrabatt) miteinander verglichen.
Dennoch sei die Preissenkung "weder unter Verteilungs- noch unter ökologischen Aspekten sinnvoll", so ein RWI-Forscher. Zum einen werde eher Wohlhabenden geholfen als armen Haushalten, die oft gar kein Auto hätten. Zum anderen halte er nicht dazu an, weniger Benzin und Diesel zu verbrauchen. Ähnlich hatten im Juni Wissenschaftler des renommierten Münchner Ifo-Instituts argumentiert, die ebenfalls eine nahezu komplette Weitergabe der Steuersenkung analysiert hatten.

Müssen Tankstellen den Tankrabatt eigentlich weitergeben?

Die Tankstellenbetreiber haben bei der Preisgestaltung Spielraum, denn wie viel der Sprit an der Zapfsäule kostet, darüber bestimmen sie und die Mineralölkonzerne selber. Sie sind nicht zur Weitergabe der Steuersenkung verpflichtet.

Milliardengewinne für Energiekonzerne

Unterdessen wurde bekannt, dass die durch den Ukraine-Krieg und das Ende der Corona-Maßnahmen gestiegenen Öl- und Gaspreise den großen Energiekonzernen Milliardengewinne beschert haben. Der britische Ölmulti Shell verfünffachte seinen Gewinn im zweiten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahr auf umgerechnet 17,6 Milliarden Euro. Der französische Konzern TotalEnergies konnte trotz einer Abschreibung auf einen Anteil an einem russischen Gasproduzenten seinen Gewinn auf fast 5,6 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Viel Kritik an hohen Gewinnen der Ölkonzerne

Viele Stimmen – darunter die des ADAC und sogar des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV) – werfen den Mineralölkonzernen vor, die Situation sehr wohl für höhere Gewinne auszunutzen. Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte, die "Mitnahmeeffekte durch die Mineralölkonzerne" seien "zweifellos vorhanden" und ein "moralischer Skandal". Das ursprüngliche Konzept für den Tankrabatt sei "quasi eine Einladung zum Beutezug gegen den Staat".
Robert Habeck
Wirtschaftsminister Habeck will im Kampf gegen hohe Spritpreise ein "Kartellrecht mit Klauen und Zähnen".

Habeck will schärferes Kartellrecht

Der Grünen-Politiker kündigte in diesem Zusammenhang ein "Kartellrecht mit Klauen und Zähnen" an. Wettbewerbshüter sollen neben schlagkräftigeren Sektoruntersuchungen auch Gewinne abschöpfen können, wenn Unternehmen ihre Marktmacht missbrauchen. Als letztes Mittel sollen Entflechtungen von Konzernen möglich sein.

Beweislast bei Missbrauch soll umgekehrt werden

Auch eine vereinfachte Abschöpfung von Übergewinnen könne ein Weg sein. Diese setzt jedoch den Beweis eines Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht voraus.
Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, begrüßte in der "Rheinischen Post" Habecks Plan einer Beweislastumkehr: "Sollten sich im Rahmen der Marktbeobachtung konkrete Hinweise darauf ergeben, dass die Durchsetzung der Wettbewerbsregeln dauerhaft unzureichend ist, könnte eine Beweislastumkehr in Betracht gezogen werden." Er verteidigte aber auch die Ölkonzerne gegen die bestehenden Vorwürfe. Die Preisbildung bei Treibstoff sei nicht so simpel, "es fließen viele Faktoren ein", so Wambach in der "Augsburger Allgemeinen".

Energiesteuer fällt vor dem Tanken an

Die Energiesteuer fällt nicht erst beim Tanken an, sondern bereits früher, und zwar an Raffinerien und Tanklagern. Dadurch war der Kraftstoff, der sich am 1. Juni im Lager der Tankstelle befand, in der Regel noch nach den alten Sätzen versteuert und damit teurer eingekauft.

Ukraine-Krieg: größter Spritpreis-Sprung in Deutschland

Nirgendwo in der EU sind seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine die Spritpreise stärker gestiegen als in Deutschland. Das geht aus Daten der EU-Kommission hervor, die das Statistische Bundesamt auf Anfrage der Linken im Bundestag übermittelte und aus denen Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichteten.
Spritpeistafel an Tankstelle
Lange Zeit war der Liter Diesel teurer als Superbenzin, nach der Steuersenkung ist das nun erneut der Fall.
Demnach verteuerte sich der Liter Diesel zwischen dem 21. Februar 2022 (drei Tage vor Kriegsbeginn) bis zum 25. April um 38 Cent auf 1,66 Euro. Nur in Schweden und Lettland gab es die gleiche Steigerung. In Frankreich hingegen betrug der Anstieg lediglich 17 Cent, in Italien nur fünf Cent.
Der Liter Super 95 wurde in Deutschland seit Kriegsbeginn 23 Cent teurer, nur in Österreich fiel der Preisanstieg mit 24 Cent noch etwas höher aus. In Ungarn dagegen sank der Preis um sechs Cent, in Italien sogar um acht Cent pro Liter.

Was beeinflusst die Spritpreise?

Zwar schürten Corona-Lockdowns in China und die erwarteten US-Zinserhöhungen Spekulationen auf eine Konjunkturabkühlung – wodurch die Rohölpreise ebenso unter Druck gerieten wie durch die Freigabe strategischer Ölreserven durch die Internationale Energieagentur (IEA). Zugleich gab es aber die Sorge vor Lieferengpässen durch Sanktionen des Westens gegen Russland.
"Russland ist weltweit der drittgrößte Ölproduzent. Der Krieg in der Ukraine ist seit seinem Beginn daher eng verbunden mit der Angst vor russischen Lieferausfällen", so Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken. Diese Furcht spiegle sich an der Börse und damit auch an den Zapfsäulen wider.

Nie da gewesener Preisschock im März

Immerhin ist der Preisschock aus dem März 2022 überwunden. Clever Tanken ermittelte für den Horrormonat für den Liter Super E10 einen Monatsschnitt von rund 2,0697 Euro – etwa 32 Cent mehr als noch im Februar. Für den Liter Diesel zahlten Autofahrerinnen im Mittel rund 2,1441 Euro und damit etwa 47 Cent mehr als im Vormonat.
Spritpreisentwicklung Aufmacher
Im März 2022 verzeichneten die Preise für Benzin und vor allem für Diesel einen vorher nie da gewesenen Anstieg.

"Für beide Kraftstoffsorten wurden die höchsten Durchschnittspreise aufgerufen, die Clever Tanken je ermittelt hat", sagte Bock. Gestartet wurden die Aufzeichnungen im Juni 2012.

Ein Liter Diesel 83 Cent teurer als im Vorjahr

Der Vergleich mit den Vorjahreswerten macht den enormen Preissprung noch deutlicher: Rund 62 Cent mehr als im März 2021 kostete der Liter Super E10, rund 83 Cent (!) mehr der Liter Diesel.
Für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 zahlten Autofahrer im März 2022 im Schnitt 496,73 Euro. Das waren rund 76,56 Euro mehr als im Monat zuvor sowie rund 148,39 Euro mehr als im Vorjahresmonat. Die gleiche Menge Diesel kostete im März 2022 rund 514,58 Euro (+113,57 Euro gegenüber Februar; +199,75 Euro gegenüber März 2021).

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Minutengenauer Spritpreis-Check

So steht der Spritpreis an Tankstellen in der Umgebung!

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Wie die Entwicklung am Ölmarkt 2021 verlief

Besonders drastisch ist die aktuelle Entwicklung, wenn man sie mit dem Jahr 2020 vergleicht. Damals hatten Öl- und Spritpreise durch die Corona-Krise Tiefstände erreicht. Seither geht es mit Schwankungen tendenziell bergauf.
Schon die Jahresbilanz 2021 beim Tanken fiel aus Autofahrersicht verheerend aus: So kostete Super E10 zum Jahresende satte 38 Cent pro Liter mehr als im Dezember 2020, bei Diesel belief sich der Anstieg auf 42 Cent. Günstigster Monat war bei beiden Kraftstoffsorten der Januar, am teuersten war Sprit jeweils im November.
Die günstigste Tankstadt 2021 war Bonn (Super E10: 1,5006 Euro; Diesel: 1,3627 Euro). Am meisten zahlten Autofahrer nur knapp 60 Kilometer Luftlinie entfernt in Wuppertal (Super E10: 1,5451 Euro; Diesel: 1,4017 Euro).

Warum waren Benzin und Diesel schon 2021 teuer?

Aber warum war schon 2021 so ein schlechtes Tankjahr? "Haupttreiber der Kraftstoffpreise war die steigende Nachfrage nach Rohöl im Zuge der wiedererstarkten Weltwirtschaft nach dem Lockdown-Jahr 2020. Zusätzlich haben sich die Einführung des nationalen CO2-Preises für Verkehr und Heizen sowie die Anhebung der Mehrwertsteuer auf den Vor-Corona-Satz von 19 Prozent spürbar auf die Preise an den Zapfsäulen ausgewirkt", erläutert Steffen Bock.

Wie sich der steigende CO2-Preis auf den Spritpreis auswirkt

Jahr
CO2-Preis/Tonne
Preisaufschlag/Liter Benzin
Preisaufschlag/Liter Diesel
Abzweigung
2021
Abzweigung
Abzweigung
2022
Abzweigung
Abzweigung
2023
Abzweigung
Abzweigung
2024
Abzweigung
Abzweigung
2025
Abzweigung
25 Euro
30 Euro
35 Euro
45 Euro
55 Euro
ca. 7 Cent
ca. 8,4 Cent
ca. 9,8 Cent
ca. 12,6 Cent
ca. 15 Cent
ca. 8 Cent
ca. 9,5 Cent
ca. 11 Cent
ca. 15 Cent
ca. 17 Cent
Die erhöhte CO2-Abgabe machte dann am 1. Januar 2022 Benzin um 1,4 Cent und Diesel um 1,5 Cent pro Liter teurer. Im Gegenzug wurde die Pendlerpauschale von 30 auf 38 Cent pro Kilometer angehoben, allerdings erst ab dem 21. Kilometer. Geringverdiener mit einem Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags bekommen nun ebenfalls ab dem 21. Kilometer eine Mobilitätsprämie von 4,9 Cent/km, wenn mit den Fahrtkosten der Arbeitnehmer-Pauschbetrag überschritten wird.
Die Politik will den Verbrennungsmotor aus Klimaschutzgründen nach und nach unattraktiv machen. Und die Elektromobilität gleichzeitig attraktiver – unter anderem mit der Innovationsprämie, der Umweltprämie und der Wallbox-Förderung.

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?

Ein großer Teil des Spritpreises sind Steuern und Abgaben. Die Energie- bzw. Mineralölsteuer macht bei Superbenzin 65,5 Cent pro Liter aus, bei Diesel sind es 47 Cent. Theoretisch müsste Diesel also stets knapp 19 Cent günstiger sein. Durch schwankende Preise im Großhandel und Sonderfälle wie den Ukraine-Krieg sieht es in der Realität an der Tankstelle aber oft anders aus.

Hinzu kommt seit Jahresbeginn der CO2-Preis – 5 Cent bei Super E10 und gut 6 Cent bei Diesel. Der Rest teilt sich auf in den Preis für Rohöl und Kosten für die Weiterverarbeitung, Transport, Tankstellen sowie den Gewinn der Mineralölwirtschaft. Und obendrauf kommt dann noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.