Tivoli? Noch unbekannter als die Allradmarke SsangYong. Doch der Nobody aus Korea verblüfft in unserem ersten Test ganz ordentlich.
Joachim Staat
Noch so ein Süvchen. Und was für ein hübsches. Starke Nase, stämmige Linien. Kerniger als Skoda Yeti, geradliniger als Renault Captur. Von wem? SsangYong? Muss man erklären. Das sind Koreaner, die meist größere Allradler bauen und zu Mahindra (Indien) gehören. Der neue Tivoli fährt mit stadtfreundlichen 4,20 Meter Länge zwischen Mokka und Co. Nur dass der SsangYong seinen Fahrer eine halbe Etage tiefer setzt (62 cm hoch) und die kantige Haube gut einzusehen ist.
Beim Fahrwerk ist der Tivoli eher höhergelegter Pkw als SUV
Von wegen gemütlich schaukelnd: Der SsangYong Tivoli ist straff abgestimmt und poltert schon mal in Löcher.
Bild: Christoph Boerries
Der Innenraum erinnert in Gestaltung und Qualität an Hyundai oder Kia, Respekt auch für die gute Raumausnutzung bis in den Kofferraum – dem hohen Dach sei Dank. So knuffig der Tivoli aussieht, so straff fährt er sich. Die Sitzposition passt trotz der kurzen Polster, die dreistufig einstellbare Lenkung verlangt einen festen Griff. Auch das Fahrwerk mit seinen kurzen Wegen erinnert eher an hochgelegte Pkw als an gemütlich dahinschaukelnde SUVs, so poltert der SsangYong schon mal in tiefe Löcher. Auf Anhieb ordentlich auch der 1,6-Liter-Diesel, der in Leistung wie Laufruhe gute Mitte darstellt.
Vorteil des Tivoli-Topmodells ist seine Vollausstattung – 27.590 Euro sind aber auch eine echte Ansage.
Bild: Christoph Boerries
Kritikpunkte? Die Konkurrenz bremst schärfer, die Sechsgangschaltung hakelt böse. Und die Koreaner geben zwar fünf Jahre Garantie, aber nur sechs gegen Rost! Womit wir beim größten Vorteil des Tivoli wären: Die Vollausstattung des Topmodells Sapphire reicht bis zur Lenkradheizung und zum belüfteten Fahrersitz (gibt's sonst nur in der Oberklasse), dafür kostet das Navi 600 Euro extra. Am Ende liegen 27.590 Euro für den luxuriösen Testwagen an der Schmerzgrenze. Immerhin können die Käufer Allradantrieb und Automatik (je 2000 Euro) frei kombinieren mit drei Ausstattungen und zwei Motoren – der 128-PS-Benziner ist 2500 Euro günstiger. So freie Wahl lassen andere Marken nicht. Es geht los bei 15.490 Euro Grundpreis, die Kombination Diesel und Allradantrieb beginnt bei 19.990 Euro.
Fazit
von
Joachim Staat
Etwas Feinschliff an Bremsen und Schaltung, und der Tivoli könnte ein Europäer sein. Ein SUV, der SsangYong nach vorn bringt und schon als Geheimtipp gelten darf. Viel Auto für smarte Käufer.