Subaru Impreza S10 WRC: Fahrbericht
So fährt sich Solbergs 315 PS starker Subaru Impreza S10 WRC
Der Subaru Impreza S10 WRC katapultiert Rallye-Fans zurück in die glorreichen Jahre. Wir durften das Auto aus dem Nationalen Automuseum fahren.
Bild: F. Hoberg
- Fabian Hoberg
Subaru Impreza S10 WRC: Ein gewöhnliches Auto ist das nicht. Die Schalensitze umschließen den Körper wie eine zweite Haut, die Gurte fest angezogen, vermittelt der Überrollkäfig Sicherheit und Härte zugleich. Das Cockpit ist spartanisch, fast militärisch: Alles ist auf Funktionalität und maximale Performance ausgelegt.
Der Griff am Lenkrad ist rau und bereit, jede Reaktion sofort zu übertragen. Zündung starten und warten, bis das Windows-95-System im Display langsam hochfährt – es wird die einzige Verzögerung bleiben.
Ein Druck auf den Zündschalter, ein Aufheulen, ein tiefes Grollen und der tief liegende 2,0-Liter-Boxermotor mit Turbo und etwa 315 PS erwacht zum Leben. Bereits im Stand vibriert das gesamte Cockpit. Die dünnen Leichtbautüren klappern, der gut 1,2 Tonnen leichte Subaru schüttelt sich, vibriert und produziert schon beim leichten Antippen des Gaspedals einen infernalischen Sound.
Jeder Meter ein Adrenalinkick
Die Kupplung kommt spät. Kurzes Hoppeln, dann voll aufs Gas. Gleich auf den ersten Metern wird klar: Dieser Subaru will nicht schlendern, der will richtig tanzen – und zwar hart und schnell. Nach jedem Gangwechsel pfeift der Turbolader, und der Impreza fühlt sich lebendig an, als würde er den Impuls des Piloten vorwegnehmen. Selbst auf der ruhigen Straße durchs Siegerland rund ums Nationale Automuseum ist das Potenzial zu spüren: Die Pferdestärken sind latent, jederzeit bereit, freigesetzt zu werden.

Mit dem Impreza WRC baute Subaru einen echten Rennwagen. Der Fahrer sitzt tief, der Heckflügel sorgt für ausreichend Grip.
Bild: F. Hoberg
Bei jedem Gasstoß greift der Subaru, zieht, schiebt, reagiert mit einer Präzision, die mit Alltagsautos nicht zu vergleichen ist. Jeden Kiesel unter den Reifen spürst du in der Wirbelsäule, jede Unebenheit der Straße überträgt sich direkt aufs Lenkrad. Du kannst den Motor lange hochdrehen, bis der Sound in den Ohren schon fast schmerzt, kannst unter Zug spät schalten, und der nächste Gang haut dir so massiv ins Kreuz, dass der Kopf nach hinten schlägt.
Brutale Bremsen und perfekter Grip
Vor der nächsten Kurve tippst du kurz die Bremse an, befreist sie schnell von Staub und Nässe, kannst dann spät voll abbremsen, denn die belüfteten Bremsscheiben verzögern brutal direkt, kraftvoll und kontrollierbar.
Auf den kleinen Anstiegen und engen Kurven des Dietzhölztals liefert der Allradantrieb mit aktiv geregelten Differenzialen das Drehmoment millimetergenau auf Vorder- und Hinterachse. Ein kleiner Ruck im Lenkrad, eine Korrektur – und der Impreza rennt exakt durch die Kurve. Die Reifen beißen sich in den Asphalt, der Staub wirbelt hinter dem Fahrzeug auf.

Digitales Cockpit, Fly-off-Bremse und ein schützender Käfig. Dieser Subaru will nicht spielen, der will gewinnen. Immer!
Bild: F. Hoberg
Das sequenzielle Sechsgang-Getriebe reagiert blitzschnell auf das Ziehen an der Wippe auf der rechten Seite des Lenkrads. Bam. Bam. Bam. Unter Last knüppelt der Subaru die Gänge richtig hart rein, das Getriebe summt derweil seinen Sound von Leistung und Vortrieb. Von 0 auf 100 km/h vergehen nur wenige Sekunden, gefühlt, denn auf eine funktionierende Geschwindigkeitsanzeige verzichtet dieser Subaru. Wenn die Straße frei wäre, würde das Rallyeauto über 225 km/h schnell fahren. Kein Auto, ein echter Rennwagen für die Straße.
Rückblick zur Akropolis-Rallye 2004
Rückblick: Die Sonne brennt gnadenlos auf die schroffen Schotterpisten der Akropolis-Rallye, und Staub wirbelt in dichten Wolken über die enge Strecke. Es ist 2004, Petter Solberg sitzt hinter dem Steuer des Subaru Impreza WRC, der in dieser Saison bereits Legendenstatus hat.
Die Akropolis-Rallye ist gnadenlos: grober Schotter, tiefe Spurrillen, lose Steine und extreme Temperaturen fordern Fahrer und Fahrzeug gleichermaßen. Doch der Impreza WRC ist für genau diese Bedingungen geschaffen. Kilometer um Kilometer, Kurve um Kurve, Drift um Drift – und am Ende triumphiert Petter Solberg. Der Sieg bei der Akropolis-Rallye festigt den Ruf des Subaru Impreza WRC als eines der legendärsten Rallyeautos aller Zeiten.
Kein Wunder. Das Fahrwerk ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst: lange Federwege, verstärkte MacPherson-Federbeine vorn, zentrale Federbeine hinten, massive Querlenker und ein robuster Unterfahrschutz lassen das Auto über jeden Stein, jede Bodenwelle und jeden Sprung gleiten. Auf Schotterpassagen zeigt der Impreza seine Agilität, auf engen Kehren seine Stabilität. Die hydraulische Fly-off-Handbremse ermöglicht Solberg das Einleiten kontrollierter Drifts in scharfen Kurven, ein entscheidender Vorteil auf den engen Strecken der Akropolis-Rallye. Solberg kann das Auto präzise durch die Kurven driften, das Heck leicht ausbrechen lassen und früh wieder Gas geben – ein Tanz aus Kontrolle, Mut und absoluter Präzision.

Der Heckspoiler bietet ausreichend Anpressdruck und bleibt selbst auf den härtesten Pisten stabil.
Bild: F. Hoberg
Dieses Auto steht für eine Ära des Rallyesports, in der Technik, Mut und fahrerisches Können perfekt ineinandergreifen. Am Ende der Saison wird Petter Solberg Vizeweltmeister.
Die ikonische Subaru-Optik
Selbst Jahrzehnte später lösen der Anblick des blauen Wagens mit den goldenen Felgen, das Aufheulen des Boxermotors und das Aufwirbeln von Staub noch immer Gänsehaut aus. Optisch wirkt der Wagen wie ein Kunstwerk des Motorsports: breiter, aerodynamischer Body, markante Kotflügel, riesiger Heckflügel und unzählige Lufteinlässe. Jede Linie, jede Kurve ist funktional, alles dient der Performance. Die ikonische Lackierung in "Subaru-Blau" mit goldfarbenen Felgen und den 555-Logos sorgt dafür, dass der Subaru sofort wiederzuerkennen ist.

Der Subaru Impreza WRC ist mehr als ein Rallyeauto – er ist eine rollende Legende.
Bild: F. Hoberg
Fest steht: Der Impreza WRC ist nicht nur ein Auto – er ist ein Erlebnis, ein Adrenalinkick, eine Maschine, die Emotionen weckt. Jeder Blick auf den goldenen Felgenblitz, jedes Aufheulen des Boxermotors erinnert daran: Rallye ist mehr als Geschwindigkeit, es ist Präzision, Kontrolle und Leidenschaft in einem. Und genau das erzählt das Nationale Automuseum derzeit in seiner Sonderausstellung "Rallye-Legenden – Zeitreise auf Asphalt, Schotter und Schnee".
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