Sicher, die dicken Dinger sind im Gerede. Und trotzdem bleiben große Geländewagen weiter gefragt, allen Spritpreis- und Umwelt-Diskussionen zum Trotz. Mancher Autofahrer muss eben wirklich ins Geröll abbiegen. Oder er braucht die enorme Anhängelast eines SUV. Deren Beliebtheit zeigt sich am geringen Wertverlust. Ein Ausreißer nach unten ist der Jeep Grand Cherokee. Exemplare des Jahrgangs 2000 gibt es schon ab 9000 Euro. Deutlich teurer: BMW X5, Mercedes M-Klasse, Mitsubishi Pajero oder die später erschienenen VW Touareg und Volvo XC90. Wobei es die M-Klasse schon ab rund 10.000 Euro gibt, allerdings nur als 230er-Benziner. Und der ist nicht sehr beliebt. Dabei ist der große Vier- zylinder keine schlechte Wahl, wenn Geld beim Kauf eine Rolle spielt. Das 1997 in der E-Klasse ausgemusterte und anschließend in den ML verpflanzte Aggregat zieht gut durch und verbraucht nicht uferlos viel Sprit. Nur die Laufkultur ist mittlerweile von gestern.

Beim X5 haben die Diesel den größten Marktanteil

BMW X5
Als Statussymbol ist der X5 kaum zu schlagen, als Geländewagen sehr wohl.
Bild: Stephanie Gehrt
Solche Sorgen kennen Fahrer eines BMW X5 nicht einmal vom Hörensagen. Denn ihren Favoriten gibt es selbst in der schwächsten Version nur mit sechs Zylindern. Und zu 85 Prozent als Diesel, jedenfalls auf dem deutschen Markt. Das sorgt mittlerweile für ein großes Angebot bei annehmbaren Preisen. Selbst der dicke V8 mit 4,4 Liter Hubraum ist darunter. Für Wenigfahrer eine überlegene Alternative. Technik-Faszination ist beim Mitsubishi Pajero der 2000 eingeführten Baureihe V60 dagegen kein Thema. Der 3,2-Liter-Diesel mit nur vier Zylindern könnte mit seinen ruppigen Manieren auch aus einer Baumaschine stammen. Vor allem scheint der Motor nicht vollgasfest zu sein. Die Leser von AUTO BILD ALLRAD melden einige deftige Schäden. Zudem beklagen sich Pajero-Besitzer auch über hohen Verbrauch. Und dann hat der sonst so stabil gebaute Japaner noch ein Rostproblem, das inzwischen auch dem TÜV aufgefallen ist. Fahrern des VW Touareg sind solche Sorgen fremd. Der schwere Volkswagen ist ein rundum unauffälliger Typ, problemloser als der technisch viel einfachere Golf - vielleicht liegt es an der Partnerschaft mit Porsche.

Der Jeep spielt die Rolle des Preisbrechers

Jeep Grand Cherokee
Immer mit der Ruhe: Hektik liegt dem starrachsigen Jeep nicht.
Bild: Sven Krieger
Denn der Touareg besitzt die gleiche Rohkarosse wie der Cayenne, dazu noch Gleichteile aus den Bereichen Blech, Getriebe und Fahrwerk. Ein gänzlich eigenständiges Modell ist dagegen der Volvo XC90. Mit ihm zielten die Schweden vor allem auf den amerikanischen Markt, deshalb kam er erst 2003 nach Deutschland. Mit straffer abgestimmtem Fahrwerk zwar, aber immer noch komfortabel genug für entspannte Lang-strecken. Und mit einer Besonderheit: dem serienmäßigen, an das ESP gekoppelte Anti-Überschlag-System RSC ("Roll Stability Control"). Mit solchen Sicherheits-Beigaben kann der Jeep Grand Cherokee nicht dienen. Vermutlich braucht er es auch nicht, denn seine beiden schweren Starrachsen sind besonders fest mit der Karosserie verbunden - da federt sowieso nicht viel. Unter den großen gebrauchten SUV spielt er die Rolle des Preisbrechers. Nicht nur bei der Anschaffung, auch im Unterhalt. Denn seine Versicherungskosten liegen wesentlich niedriger als beim diebstahlgefährdeten BMW - und ungefähr auf einem Level mit dem Mercedes, den er aber bei den Ersatzteilpreisen gewaltig unterbietet. Und so schlecht ist es um die Zuverlässigkeit des Amerikaners auch nicht bestellt.
Spätestens der Termin beim TÜV macht sie alle gleich. Jedenfalls beinahe. Mit der Hauptuntersuchung haben nämlich fast alle schweren Geländewagen ihre Probleme, sogar der vorbildliche X5. Häufigste Diagnose: weiche Knie. Ausgeschlagene Spurstangen sind ein typischer Standardmangel der dicken SUV. Was auch gar nicht weiter verwundert: Wenn der Fahrer bei rund 1,4 Tonnen Vorderachslast im Stand an der Lenkung zerrt, müssen die Kugelköpfe zwangsläufig kapitulieren. Oder wenn sie so kräftig dimensioniert sind wie beim Pajero, wo deshalb dieses Problem eher selten auftritt. Der Japaner hat zum Ausgleich dafür einige andere Leiden: Ölverlust an Motor und Getriebe gehören dazu - aber davon sind auch andere Helden des Schotterwegs nicht ganz frei. Da hilft vor dem Kauf nur ein gewissenhafter Check, denn die Beseitigung solcher Leckagen geht gewaltig ins Geld. Der halbe Antriebsstrang muss zerlegt werden, das verschlingt viele Arbeitsstunden. Aber auch ganz und gar gebräuchliche Verschleiß-teile wie Bremsen und Reifen sind wegen ihrer üppigeren Maße sehr viel teurer als beim normalen Pkw. Der Spaß am dicken SUV kann das Normal-Budget sprengen, das sollte jeder Interessent einkalkulieren. Und nicht auf der letzten Dispo-Rille kaufen. Außerdem sprü-hen manche Volksvertreter vor Ideen, wenn es um das künstliche Verteuern bestimmter Fahrzeuggattungen geht. Und die großen Sport Utility Vehicles stehen ganz oben auf der Liste der davon bedrohten Arten.

Fazit von AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Experte Hendrik Dieckmann

Auch beim SUV-Kauf lohnt es sich, über den Tellerrand zu blicken: Wer zu den Marktführern wie BMW X5 oder VW Touareg greift, zahlt deutlich mehr als Käufer eines vergleichsweise unbeliebten Jeep Grand Cherokee. Wobei der in der Verarbeitungsqualität frühen M-Klassen kaum nachsteht, schließlich wird auch der Jeep in den USA gebaut. Aber auch innerhalb der Baureihen heißt es, sich richtig zu orientieren. Wer statt der heiß begehrten Diesel einen (meist gleich starken) Benziner nimmt, fährt unterm Strich billiger. Und vielleicht auch länger. Denn wer weiß schon, was in Sachen Feinstaub noch auf alte Diesel zukommt.

BMW X5: Der Sportwagen unter den SUV

X5 3.0d: Hubraum: 2926 cm³ • Leistung 135 kW/184 PS • Höchstgeschwindigkeit 200 km/h • Testverbrauch 11,1 Liter Diesel/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 288 g/km • ab 20.000 Euro bei Laufleistungen bis 100.000 Kilometer
BMW X5
Bayerisch-königlich: Auf der Straße ist der X5 der Held. Im Gelände kann der BMW aber leider nicht so auftrumpfen.
Der seit 2000 angebotene BMW X5 ist zwar nicht das geräumigste SUV, gehört aber zu den sportlichsten. Straffes Fahrwerk und präzise Lenkung verleihen dem 2,2-Tonner handliche Fahr-eigenschaften, die Motoren sind sämtlich ebenfalls nicht träge. Zu warnen ist allenfalls vor handgeschalteten X5, die Kupplung gilt als Verschleißteil. Allerdings ist problemlose Automatik fast die Norm. Schwächen zeigt gelegentlich das Fahrwerk, Stoßdämpfer und Kugelgelenke sind je nach Beanspruchung recht flott hinüber. Und dass die Bremsanlage bei dem schweren Brummer einen aufreibenden Job hat, versteht sich von selbst. Teuer: undichte Antriebswellenmanschetten.

Mercedes-Benz M-Klasse: Von total klapprig bis topsolide

ML 230: Hubraum 2295 cm³ • Leistung 110 kW/150 PS • Höchstgeschwindigkeit 177 km/h • Testverbrauch 13,9 Liter Super/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 333 g/km • ab 10.000 Euro bei Laufleistungen bis 100.000 Kilometer
Mercedes-Benz M-Klasse
Test bestanden: Motor und Antrieb der M-Klasse waren 100.000 Kilometer im Dauertest egal. Nur den Kat hatte es am Ende zerschüttelt.
Bild: Holger Schaper
Das Debüt der M-Klasse 1997 stand unter keinem guten Stern. Speziell die Verarbeitungsqualität war umstritten - und dann rostete auch noch der Rahmen. Doch Mercedes verbesserte ständig, und spätestens ab der Modell- pflege Ende 2001 hatte der talentierte Geländegänger den Stern verdient. Was nicht bedeutet, dass ihm die typischen Schwächen vieler Allradler fehlen. Auch er neigt zu Spiel in den Spurstangen und an den Achsen sowie Ölverlust am Antrieb. Ebenfalls typisch: eine einseitig oder gar nicht wirkende Feststellbremse. Die Motoren sind standfest, nur die beiden Diesel haben vereinzelt Probleme mit undichten Leitungen und defekten Turboladern.

Mitsubishi Pajero: Raue Schale, rostiger Kern

Hubraum 3200 cm³ • Leistung 118 kW/160 PS • Drehmoment 373 Nm bei 2000/min • Höchstgeschwindigkeit 170 km/h • Testverbrauch 11,3 Liter Diesel/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 294 g/km • ab 14.500 Euro bei Laufleistungen bis 100.000 Kilometer
Mitsubishi Pajero III
Oben hui, unten pfui: Viele Pajero gammeln frühzeitig vor sich hin.
Bild: Christian Bittmann
Die im Frühjahr 2000 eingeführte Generation mit selbsttragender Karosserie des Mitsubishi Pajero hat ein großes Manko: Sie rostet, und zwar nicht zu knapp. Das ist sehr schade, denn sonst ist der geräumige Japaner ein wirklich solider Typ. Nur der Anlasser macht gelegentlich Probleme, und der Diesel verkraftet Vollgasfahrten auf der Autobahn nicht immer problemlos.
Den TÜV hingegen stören in erster Linie häufiger Ölverlust an Motor und Getriebe sowie häufig rostige Bremsleitungen.

Jeep Grand Cherokee: Deutlich besser als sein Ruf

Grand Cherokee 4.7: Hubraum 4701 cm³ • Leistung 162 kW/220 PS • Höchstgeschwindigkeit 196 km/h • Testverbrauch 18,1 Liter Benzin/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 434 g/km • ab 9000 Euro bei Laufleistungen bis 100.000 Kilometer
Jeep Grand Cherokee
Deutlich besser als sein Ruf: Der Oberindianer ist recht robust – und im Gelände wirklich souverän unterwegs.
Bild: Sven Krieger
Der große Irokese (Cherokee) fällt vor allem als preiswerte Alternative zu den etablierten SUV auf. Erstaunlich günstige Anschaffung und noch erträgliche Unterhaltskosten wiegen den Durst der Achtzylinder fast auf, und zur Not gibt es ja noch einen Diesel. Allerdings bemängelt der TÜV auch Rost sowie allerlei Leckagen am Antrieb. Er verliert nicht nur Öl, sondern gern auch Kühlwasser - brenzlig für den Motor. Davon abgesehen ist die Technik nahezu unzerstörbar. Fürs Fahrwerk gilt dies nicht, hier schlagen die Spurstangen sowie die Gummilager der hinteren Starrachse schnell aus. Solche Wehwehchen plagen allerdings auch die wesentlich teurere Konkurrenz.

VW Touareg: Der Volks-Gelände-Wagen

Hubraum 4921 cm³ • Leistung 230 kW/313 PS • Drehmoment 750 Nm bei 2000/min • Höchstgeschwindigkeit 225 km/h • Testverbrauch 13,0 Liter Diesel/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 338 g/km • ab 23.000 Euro bei Laufleistungen bis 80.000 Kilometer
Volkswagen VW Touareg
Volle Wucht: Der Touareg mit Fünfliter-V10-TDI ist sehr gesucht.
Bild: Sven Krieger
Das VW-Prinzip ging auch hier in der Gelände-Sektion auf: spät kommen und dann den Markt abräumen. Der solide und geräumige Touareg avancierte schnell zum Marktführer, auch dank seiner Tüchtigkeit im weichen Geläuf.
Probleme sind beim großen Wolfsburger selten und wenn es doch welche gibt, handelt es sich häufig um Anwenderfehler – wie mit Gewalt überdrehte Öldeckel, die oft kapitale Motorschäden zur Folge haben. Rückrufe betrafen die Feststellbremse und Gurtschlösser.

Volvo XC90: Stabiles Wikinger-Schiff

Hubraum 2401 cm³ • Leistung 120 kW/163 PS • Drehmoment 340 Nm bei 1750/min • Höchstgeschwindigkeit 185 km/h • Testverbrauch 10,5 Liter Diesel/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 273 g/km • ab 23.000 Euro bei Laufleistungen bis 100.000 Kilometer
Volvo XC90
Feucht-Biotop: Die Xenon-Augen des Volvo beschlagen recht häufig.
Bild: Hajo Mau
Der Quermotor macht's möglich: Der Volvo XC90 bietet innen mehr Platz als die Konkurrenten. Probleme bleiben hier meistens draußen, im AUTO BILD-Kummerkasten ist der robuste Schwede nahezu unbekannt. Nur manchmal klappert er, vorzugsweise in den Türen; oder der Diesel raucht, weil sein Luftmassenmesser defekt ist.
Die 18-Zoll-Räder laufen oft einseitig ab, was aber mit einer Einstellung des Fahrwerks zu beheben ist - wenn die Buchsen noch intakt sind, was nicht immer der Fall ist.