Suzuki Swift 1.2 Hybrid MT: Test
Charmanter Typ mit einer Macke: neuer Swift patzt beim Bremsen
Suzuki Swift (2024) im ersten Test
Bild: Suzuki
Unseren Autos täte Zurückhaltung durchaus gut. Statt immer größer, schneller und teurer, wäre angesichts der unübersehbaren Überlastung von Infrastruktur und Umwelt das Gegenteil wünschenswert.
Wie das aussehen kann, zeigt der neue Suzuki Swift. Der bleibt bescheiden, gefällt als kompetenter Kleinwagen für die breite Masse.
Ordentlich Platz bei kleinen Abmessungen
Mit einer Außenlänge von 3,86 Metern gehört der Swift zu den Kleinen in der Kleinwagenklasse, bietet innen aber dennoch ordentliche Platzverhältnisse. Die großen Fensterflächen vermitteln dabei eine gewisse Luftigkeit und erleichtern die Rundumsicht – beim Rückwärtsfahren wendet der Fahrer schon mal den Blick vom Bildschirm ab, um die gute analoge Sicht nach hinten zu genießen.

Überraschend: Trotz nur 3,86 Metern Länge bietet der Swift ordentlich Platz. Die großen Fenster machen ihn zudem sehr übersichtlich.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Bei den Sitzen fehlt es nur großen Gästen an Oberschenkelauflage, wirken die weichen Polster etwas zierlich. Für den Durchschnittseuropäer reicht das Gestühl vollkommen aus, der Seitenhalt der Wangen erweist sich aber nur als angedeutet – wie die Sitzflächen an sich, dürften sie ruhig straffer sein.
Fahrzeugdaten
Modell | Suzuki Swift 1.2 Hybrid MT |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizylinder, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 1197 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 61 (82)/5700 |
Nm bei 1/min | 112/4500 |
Vmax | 165 km/h |
Getriebe | Fünfgang manuell |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Trommel |
Testwagenbereifung | 185/55 R 16 V |
Reifentyp | Yokohama Blue Earth ES32 |
Radgröße | 6 x 16” |
Abgas CO2 | 99 g/km |
Verbrauch* | 4,4 l |
Tankinhalt | 37 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Ottopartikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1000/400 kg |
Stützlast | 60 kg |
Kofferraumvolumen | 265–980 l |
Länge/Breite/Höhe | 3860/1735–1865**/1485 mm |
Radstand | 2450 mm |
Grundpreis | 18.900 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 21.100 Euro |
Der Kofferraum taugt mit 265 bis 980 Liter Volumen nicht für die ganz großen Transportaufgaben, zumal die Variabilität sich auf eine geteilt klappbare Fondlehne beschränkt. Wer sie nutzt, muss außerdem mit einem Absatz am Kofferraumboden leben. Zusammen mit der 235 Millimeter hohen inneren Ladekante am Heckabschluss sorgt das dafür, dass bei sperrigem und schwerem Transportgut keine Freude aufkommt. Ein doppelter Ladeboden brächte hier Linderung.
Und wenn wir schon im Wünsch-dir-was-Modus sind: Die Heckklappe verdient einen echten Griff statt der Mulde im Stoßfänger, um ihr beim Öffnen an die Blechkante zu fassen. Und sie dürfte auch gern über 1,88 Meter hoch aufschwingen – das vermeidet Blessuren.
Cockpit ist einfach und lenkt kaum ab
Einfach präsentiert sich auch das Cockpit – aber das muss kein Makel sein. Ja, kratzempfindliches Hartplastik, eine auf Basis-Befehle beschränkte Sprachassistenz und die nur wenig intuitiven Menüs mit stark verzögerter Touch-Reaktion kann manch anderer Mini besser. Da wirkt der Swift nicht ganz auf der Höhe der Zeit, einfach mal die Navi-Führung beenden, wird da schon zu einer kleinen Herausforderung. Überhaupt liefert das Aufpreis-freie Navi bestenfalls eine Lotsen-Grundversorgung – die Zielführung über das eigene Handy läuft zumeist besser.

Ordentlich gemachtes Cockpit ohne zu viel Ablenkung, die recht klassischen Instrumente und der Handbremshebel freuen Nostalgiker.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das im fröhlichen Zwei-Farben-Look gestaltete Cockpit wirkt aber durchaus charmant. Hier merkt man, dass der Swift Jahrgang 2024 smart gereift ist. Diesen Eindruck unterstreichen die klare Tachoanzeige, genug USB-Anschlüsse (ab Comfort) und eine aufgeräumte Klimabedienung mit Kippschaltern.
Auch an der Positionierung des inzwischen auf neun Zoll gewachsenen Berühr-Bildschirms gibt es wenig zu meckern, die Rückfahrkamera (Serie) liefert ausreichend scharfe und aussagekräftige Bilder, die Spiegelung von Smartphones läuft via Apple CarPlay und Android Auto jetzt auch ohne Kabel – alle genannten Goodies gehören übrigens zur Grundausstattung.
Dreizylinder mit viel Sparpotenzial
Für den 955 Kilogramm leichten Swift reicht der 82 PS starke 1,2-Liter gut aus, unangenehme Behäbigkeit kommt nicht auf. Zugegeben, Hektiker werden angesichts der 11,7 Sekunden auf Tempo 100, des etwas brummigen Anspringens und mäßiger Laufkultur (Klima-Kompressor springt spürbar an) murren.

Spatzendurst: Im Testdurchschnitt schafft der Swift einen Verbrauch von 4,4 l/100 km. Auch eine Drei vor dem Komma ist möglich.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Tatsächlich kann der zusätzliche Hybridkick einen Turbo nur teilweise ersetzen, bleibt der Dreizylinder auf Drehzahl angewiesen und tourt kaum spaßig flott hoch. Aber er spart. Und wie. Im Test schafft der Swift den WLTP-Wert: 4,4 l/100 km, Reichweite 840 Kilometer! Selbst bei unüberlegter Fahrweise sind kaum über sechs Liter machbar.
Messwerte
Modell | Suzuki Swift 1.2 Hybrid MT |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,4 s |
0–100 km/h | 11,7 s |
0–130 km/h | 20,8 s |
Elastizität | |
60–100 km/h | 12,0/17,9 s (4./5. Gang) |
80–120 km/h | 21,6 s (5. Gang) |
Leergewicht/Zuladung | 955/410 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 63/37 % |
Wendekreis links/rechts | 10,5/10,5 m |
Sitzhöhe | 555 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 39,7 m |
aus 100 km/h warm | 42,7 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 60 dB(A) |
bei 100 km/h | 69 dB(A) |
bei 130 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 3,8 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 4,4 l S/100 km (+/-0 %) |
Sportverbrauch | 6,3 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 99 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 840 km |
Bremswege sind zu lang
Voll in den roten Bereich rutscht aber der Bremsweg bei warmer Anlage: 42,7 Meter aus 100 km/h sind nicht akzeptabel, selbst mit kalten Scheiben braucht der Floh (zu) lange 39,7 Meter. Da muss Suzuki noch mal ran.

Verbesserungsbedürftig: Mit warmer Bremsanlage steht der Swift aus Tempo 100 erst nach 42,7 Metern – das ist deutlich zu viel.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Fahrwerk federt ordentlich für einen Kleinwagen, begegnet selbst fiesen Strecken nicht mit übertriebener Härte. Die Lenkung zeigt wenig Direktheit, wie wir sie vom Swift Sport gewöhnt sind. Gleiches gilt für das Fünfgang-Schaltgetriebe, das sich ein wenig uncharmant, aber dennoch ordentlich schalten lässt – es fehlt die Flutschigkeit, die das Schalten zum echten Vergnügen macht (CVT ab Comfort für 1600 Euro).
Wertung
Modell | Suzuki Swift 1.2 Hybrid MT |
|---|---|
Karosserie | Für die Größe vernünftiges Raumkonzept, Variabilität aber mäßig, Materialqualität einfach. |
3/5 Punkten | |
Antrieb | Motor noch ausreichend kräftig, aber durchzugsschwach, dank Mildhybrid sehr sparsam. |
3,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Wenig agil, aber fahrsicher. Bremsen für einen modernen Kleinwagen deutlich zu schwach. |
2/5 Punkten | |
Connected Car | Schlichte Navigation, Sprachbedienung eingeschränkt. Apple Car Play/Android Auto ohne Kabel. |
2,5/5 Punkten | |
Umwelt | Klein, leicht, sparsam – bei der Umwelttechnik geht aber noch viel mehr als nur ein 12-Volt-Mildhybrid. |
2,5/5 Punkten | |
Komfort | Alles auf einem ordentlichen Niveau. Bei den Assistenzsystemen besteht aber Nachholbedarf. |
3/5 Punkten | |
Kosten | Günstig in der Anschaffung, wertstabil, sparsam im Verbrauch, aber Versicherung/Wartung teuer. |
3/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 3- |
Leasing kann sich beim Swift lohnen
Ab 18.900 Euro steht der Swift vor der Tür, das Wichtigste steckt schon bei der Basis mit drin. Mit Comfort (1500 Euro) und Comfort+ (weitere 700 Euro) wird es noch angenehmer, neben CVT, Allrad (nur Handschalter, ab Comfort 1800 Euro) und Metallic-Lack (ab 590 Euro, zweifarbig + 330 Euro) kann der Kunde aber keine Details zubuchen. Ansonsten stehen nur einem Jahr (oder 20.000 km) Wartungsintervall immerhin drei Jahre Garantie gegenüber. Und der Swift kann auch übers Leasing interessant werden. Bei zwei Jahren und 10.000 km/Jahr startet er unter 100 Euro/Monat.
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