Die große Ladestrom-Verteuerung ist im Gange: Nachdem große Ladenetz-Anbieter wie Shell Recharge, Allego und EnBW kürzlich mehrfach die Preise erhöht hatten, zieht Tesla jetzt nach. Doch anders als die Netzbetreiber teilt der US-Hersteller die exakten Tarife nicht mit.
"Aufgrund steigender Energiepreise passen wir Superchargerpreise in Europa für alle Nutzer an", beantwortet Tesla die Anfrage von AUTO BILD. Aber wie viel genau müssen Nutzer zukünftig zahlen? Tesla: "Die Preise variieren von Markt zu Markt und Standort zu Standort und sind primär von den lokalen Strompreisen abhängig. Kunden können die Preise der einzelnen Standorte in ihren Routenplanern in den Fahrzeugen direkt einsehen."
Doch konkrete Zahlen zu der Preiserhöhung kursieren inzwischen im Netz: Nach Angaben von Teslafahrern kostet das Laden an einem Supercharger in Deutschland pro Kilowattstunde zwischen 0,69 und 0,71 Euro (je nach abgenommener Strommenge). Das entspricht einer Preiserhöhung von etwa 23 Prozent. Den Vorteil der eigenen Infrastruktur der US-Marke macht das zwar nicht zunichte. Aber es zeigt, dass auch für Teslafahrer die Zeiten sorgloser Mobilität nicht ewig dauern.
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Der Elektroauto-Pionier Tesla errichtete ab 2012 ein ausgedehntes Netz an Schnellladestationen. Damit unterstützte der Hersteller sehr effektvoll den Verkauf seiner innovativen E-Autos wie dem Model S, dem Model 3 oder dem neuen Model Y. Die Supercharger der Kalifornier laden schnell, ermöglichen genug Reichweite bis zum nächsten Ladestandort – und die Bezahlung erfolgt für Tesla-Eigner automatisch. Kein Wunder, dass diese Schnelllader ein wichtiger Grund für Teslas Erfolg sind.
Bisher waren diese superschnellen Ladesäulen nur für Tesla-Modelle zugänglich – schon allein wegen des eigenen Ladeadapters, auf den die CCS-Stecker von VW, Audi & Co. nicht passen. Bereits Anfang 2021 plante Tesla, auch den Autos anderer Marken Strom zu spenden. Das wird jetzt seit Juni 2022 in einem groß angelegten Test umgesetzt: An 25 von 138 Standorten in Deutschland kann nun jeder laden.
Die Nutzer von Fremdmarken trifft die Preiserhöhung natürlich auch: An den 25 Standorten in Deutschland stiegen die Preise für sie von 0,70 auf 0,80 Cent / kWh.
Schild Ladeparkplatz nur für Teslafahrer
Inzwischen sind 25 Ladestationen von Tesla in Deutschland für Fremdmarken geöffnet. Bald sollen es noch mehr werden.

An welchen Standorten können E-Autofahrer anderer Marken laden?

Angefangen hatte Tesla Ende 2021 in den Niederlanden, ab Juni 2022 kamen 16 Stationen in Deutschland dazu. Inzwischen hat Tesla weitere Standorte für Fremdmarken geöffnet.
Aktuell können alle E-Autos mit CCS-Anschluss an diesen 25 Supercharger-Destinationen geladen werden: Böblingen (A81, Baden-Württemberg), Leonberg (Dreieck Leonberg AA8/A81, Baden-Württemberg), Ulm (A7, Baden-Württemberg), Dasing (A8 b. Augsburg, Bayern), Endsee (A7 b. Rothenburg/Tauber, Bayern), Erlangen (Kreuz Erlangen AA3/A73, Bayern), Irschenberg (A8 b. Rosenheim, Bayern), Pfaffenhofen (A9 Bayern), Sindelsdorf (A95, Bayern), Wörth/Isar (A92, Bayern), Kassel (Innenstadt, Hessen), Limburg/Lahn (A3, Hessen), Emsbüren (Kreuz Schüttorf (A31, Niedersachsen), Leer (A31 Ems Park, Niedersachsen), Posthausen (A1, Niedersachsen), Soltau Ost (A7, Niedersachsen), Oberhausen (A42, NRW), Erftstadt (A1, NRW), Hilden (Kreuz Hilden A3/A46, NRW), Troisdorf (bei Köln, NRW), Busdorf (A7, Schleswig-Holstein), Kaltenkirchen (A7, Schleswig-Holstein), Plauen (A72, Sachsen), Zella-Mehlis (bei Suhl, Thüringen). Fast alle sind verkehrsgünstig direkt an einer Autobahn oder einem Autobahnkreuz gelegen, weshalb das Tesla-Supercharger-Netz zuletzt auch die Auszeichnung "Autobahn-Champion" bekamen.

Was kostet das Laden für Fremdfabrikate?

Wer hier laden will, hat zwei Tarifoptionen: Der Grundpreis beträgt laut dem Teslamag aktuell 80 Cent pro Kilowattstunde. Außerdem gab es einen Vielfahrer-Tarif: Wer häufiger bei Tesla lud, konnte eine monatliche Mitgliedschaft von 12,99 Euro per App abschließen und sog dann Strom für 55 Cent pro kWh. Der Sondertarif lohnte schon ab monatlich 87 Kilowattstunden – bei den meisten Tesla-Modellen dürfte das bereits eine Akkuladung umfassen. Wie sich dieser Tarif verändert hat, ist offen – auf die entsprechende Anfrage an Tesla ging bis Redaktionsschluss keine Antwort ein.
Der Grundpreis von Tesla rückt damit näher an die anderer Netzbetreiber mit Schnellladesäulen. Bei Ionity zum Beispiel zahlen Zaungäste 79 Cent pro kWh. Das Club-Modell von Ionity ist deutlich günstiger, hier zahlt man bei monatlich 17,99 Euro Grundgebühr einen Strompreis von nur 35 Cent pro Kilowattstunde. Allerdings verlangt Ionity eine Mindest-Mitgliedschaft von zwölf Monaten.
Tesla-Fahrer können an den nun freigeschalteten Superchargern zu ihrem bisherigen Tarif laden. Auch in Finnland, Dänemark, Luxemburg und der Schweiz sind jetzt ausgewählte Stromtankstellen für andere Fabrikate geöffnet. "Wir werden an jedem Standort die Auslastung überwachen und die Erfahrungen unserer Kunden auswerten", teilt Tesla mit.
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Was kann ein Tesla Supercharger?

Die Entwicklung hauseigener, leistungsfähiger Ladestationen begann bei Tesla bereits 2012. Lader, die das Model S mit 135 kW versorgen können, gab es zur Markteinführung des elektrischen US-Cars nämlich noch nicht. Zuerst errichtete die Firma ein proprietäres Gleichstromladesystem entlang der West- und der Ostküste der USA. Dann wurden beide Küsten miteinander verbunden, parallel begann der Aufbau von Supercharger-Netzen in Asien, in Australien und in Europa. Die Ladezeit hat sich seit 2012 stark verbessert. Die ersten 90-kW-Supercharger konnten das Model S mit 60 kWh Akkukapazität in 20 Minuten zur Hälfte und in 75 Minuten vollständig laden. Seit 2019 kommen "Supercharger V3" mit 250 kW Spitzenleistung zum Einsatz, an denen ein Model 3 in fünf Minuten 120 Kilometer Reichweite nachladen kann. Model S und Model X können den V3-Charger erst nach einem Software-Update nutzen.

Was kostet der Strom an Superchargern?

Auch die Kosten fürs Laden stiegen in den vergangenen Jahren. Bis Januar 2017 kauften Eigner eines Tesla Model S oder Model X lebenslang kostenloses Laden mit. Das Angebot reduzierte Tesla Schritt für Schritt, zum Teil begleitet von heftigen Protesten der Eigner. Seit 2019 galt die kostenfreie Nutzung der Supercharger bei neu gekauften Tesla Model S und Model X wieder. Lange Zeit rechnete Tesla im Unterschied zu anderen Ländern in Deutschland ausschließlich nach Ladezeit statt nach gelieferter Strommenge ab.
Seit April 2019 rechnet Tesla an vielen Ladestellen nach Strommenge ab. Eine Kilowattstunde (kWh) kostet mittlerweile durchschnittlich rund 70 Cent (Stand: September 2022). Die Nutzungsgebühren können laut Tesla je nach Standort variieren. Bei Rechnungsstellung nach Minuten gibt es zwei Phasen (bis 60 kW/über 60 kW). Bestimmte Stationen haben unterschiedliche Tarife für Spitzen- und Nebenzeiten. Tipps zum Finden des besten Ladestrom-Tarifs gibt der E-Mobility-Excellence-Report 2022.

Welche technischen Spezifikationen gibt es?

An einem Ladepunkt mit Superchargern stehen oft zwei Ladesäulen nah beieinander. Sie sind an die gleiche Drehstrom- zu Gleichspannungswandlereinheit angeschlossen. Die parallel geschalteten Ladegeräte geben eine Spitzenleistung von 145 kW (bei 480 Volt Spannung) ab. Der Tesla Model 3 wird dort mit maximal 125 kW versorgt, jedoch nur bei einem niedrigen Akkustand. Mit steigender Ladung reduziert das Fahrzeug automatisch die Ladeleistung.
Tesla Supercharger
Tesla-Modelle fahren die Ladegeschwindigkeit ab einem bestimmten Akkustand automatisch herunter.
So können zwei Autos zur selben Zeit geladen werden. Fährt das erste Auto seinen Strombedarf herunter, stellt die Station dem anderen Schritt für Schritt mehr Ladekapazität zur Verfügung. Die seit 2019 eingesetzten V3-Supercharger funktionieren anders. Sie versorgen beide Autos mit der vollen Leistung. Ihr zentrales Merkmal sind geänderte, flüssigkeitsgekühlte Kabel. Dazu kommt ein neuer Schaltschrank mit bis zu einem Megawatt Ladeleistung.

Gibt es auch Supercharger für zu Hause?

Supercharger sind nicht für den Gebrauch zu Hause gedacht, eine private Anschaffung ist nicht möglich. Tesla selbst unterhält das Netz und kauft den fürs Laden benötigten Strom zentral ein, in Europa nach eigenen Angaben aus umweltfreundlichen Quellen. Europäische Tesla-Modelle können problemlos am Supercharger, an einer Typ-2-Ladesäule und am Hausanschluss geladen werden. Für selbst importierte US-Modelle gilt das jedoch nicht. Für den Hausgebrauch bietet Tesla seinen Kunden 22-kW-Wandladestationen an. Wer seinen Tesla zu Hause möglichst komfortabel laden möchte, der kann auch die Anschaffung einer handelsüblichen Wallbox in Betracht ziehen.

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Wer kann einen Supercharger nutzen?

Grundsätzlich können nur Tesla-Modelle mit einem passenden Ladeanschluss und einer Freischaltung via Software die Supercharger nutzen. Wer mit einem Nicht-Tesla an einem der freigeschalteten Supercharger laden möchte, muss dies über die Tesla-App tun.

Wann sind die Supercharger für alle da?

Tesla-Firmenchef Elon Musk hatte bereits im Juli 2021 bei Twitter angekündigt, das Supercharger-Netzwerk auch für andere Marken zu öffnen. Nach dem jetzigen Schritt ist mit einer weiteren Öffnung zu rechnen. Auf einer Tesla-Quartalskonferenz fügte er hinzu, dass die Steuerung der Schnelllader über eine App laufen solle; Fremdnutzer müssten sich registrieren und ein Zahlungsmittel hinterlegen. So ist es nun auch gekommen. Im Visier sind alle Märkte, in denen Tesla auf den CCS-Standard setzt, also auch Europa. Der Lademarkt in Europa ist hart umkämpft.
Was Sie über die Supercharger von E-Auto Pionier Tesla wissen sollten
Betrieben von Tesla und Fastned: einer der größten Schnellladeparks Deutschlands am Kreuz Hilden.

Wo stehen Tesla Supercharger?

Tesla baut das Supercharger-Netz ständig aus. Die Stationen stehen meist in der Nähe von Hauptverkehrsadern oder an Autobahnraststätten. Im Herbst 2021 gab es laut dem offiziellen Verzeichnis weltweit 2500 Ladeparks mit insgesamt 25.000 Ladesäulen. Andere Quellen sprechen sogar von mehr als 30.000 Superchargern. In Deutschland wurde im Juni 2021 die 1000er-Marke überschritten. Der deutschen Ladesäulenverordnung aus dem März 2016 hat Tesla insofern entsprochen, als dass ältere Supercharger-Standorte nach und nach mit einem zweiten Kabel mit CCS-Stecker ausgestattet wurden. Der Supercharger V3 hat von vornherein einen CCS-Stecker.