E-Auto-Laden mit 230 Volt
Das müssen Sie zum E-Auto-Laden an der Schukosteckdose wissen!

Kann man ein E-Auto an der 230-Volt-Schukosteckdose laden? Ist eine besondere Absicherung nötig, welche Gefahren drohen? Hier erfahren Sie alles Wichtige zum Laden an der Steckdose.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
- E-Auto an der Schukosteckdose – geht das?
- Welchen Vorteil hat das Laden an der Haushaltssteckdose?
- Wie lange dauert das Laden an der Schukosteckdose?
- Wie stehen die Versicherer zum Laden an der Schukosteckdose?
- Warum sprechen sich die Elektriker gegen das Schuko-Laden aus?
- Wie wichtig ist das richtige Verlängerungskabel?
- Warum das Haushaltsnetz gecheckt werden muss
- Wie viel Strom geht beim Schuko-Laden verloren?
- Was sollte man beim Schuko-Laden beachten, um potenzielle Risiken zu minimieren?
- Was spricht für die Installation einer Wallbox?
Elektroautos an der Haushaltssteckdose laden – macht das überhaupt jemand? Wo es doch in Deutschland über 200.000 öffentliche Ladepunkte und sicher rund 1,5 Millionen private Wallboxen gibt? Tatsächlich dürfte das Aufladen an einer 230-Volt-Steckdose eher ein Sonderfall sein. Zum Thema E-Auto und Schukosteckdose gibt es unterschiedliche Ansichten. AUTO BILD fasst den aktuellen Wissensstand zusammen.
Schon die Bezeichnung alarmiert: Notladen – so nennen es Stromversorger und Autohersteller, wenn man sein Elektroauto an einer Schukosteckdose anstöpselt. Der Begriff signalisiert: Das sollte man wirklich nur im Notfall tun, eventuell ist es sogar gefährlich. Stimmt das?
Der Anwendungsfall ist dieser: Man parkt das Elektroauto auf einem Grundstück ohne Wallbox, aber mit normaler 230-Volt-Haushaltssteckdose. Wie steht es da um das Laden?

Auch mit einer normalen Schukosteckdose kann man ein E-Auto aufladen – wenn die Leitung richtig abgesichert ist.
Bild: DPA
Im Grunde genommen funktioniert das Laden eines E-Autos an der Haushaltssteckdose genauso wie beim Smartphone, einstöpseln und fertig. Doch ganz so einfach wie beim mobilen Telefon gestaltet sich der Ladevorgang nicht.
Zunächst einmal: Meist haben Einfamilienhäuser mit einer Einfahrt von Haus aus schon eine Außensteckdose, es ist keine extra Installation nötig. Wichtig ist nur, dass man mit dem Auto direkt an die Steckdose heranfahren kann, ohne dass eine Verlängerungsschnur nötig ist. Das ist ein echtes Ausschlusskriterium: Das 230-Volt-Ladegerät fürs Auto muss direkt und ohne Extrakabel mit dem Hausstrom verbunden werden. Den nötigen Adapter liefern die Hersteller bei den allermeisten Autos mit aus.
Das Laden an einer normalen Haushaltssteckdose dauert sechs bis 24 Stunden, und es kann die Steckdose und die Leitung in der Wand aufgrund der kontinuierlichen Belastung erhitzen. Die Ladezeit hängt von der geringen Durchflussmenge von 2,3 kWh in der Stunde ab und kann sich je nach Batteriekapazität des Fahrzeugs bis zu einem Tag lang hinziehen (bei einem 100-kWh-Akku).
Folgende Rechnung illustriert das Thema mit der Ladezeit: Ein E-Auto-Akku mit 38 kWh Kapazität braucht mit 2,3 kW mehr als 15 Stunden für die Vollladung! Mit elf kW sind es dagegen nur 3,5 Stunden. Am Schnellader zieht sich dieser Akku 80 Prozent seiner Energie in nur 40 Minuten.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rät davon ab, Elektroautos ohne Vorsichtsmaßnahmen an Schutzkontakt-Steckdosen zu laden. Gegenüber AUTO BILD teilte der GDV mit: "E-Autos sollten nur in Ausnahmefällen an normalen Steckdosen geladen werden. Das Laden an üblichen Schutzkontaktsteckdosen ist zwar grundsätzlich möglich, diese sind jedoch nicht für eine höhere Dauerbelastung ausgelegt."
Es folgt der Hinweis, dass die jeweilige Steckdose "von einer Elektrofachkraft geprüft und bescheinigt werden" sollte. Der Grund: Steckdose und Hausleitung würden wegen der großen Strommengen einem Belastungstest unterzogen. Diese Belastung kann das Hausstromnetz stark erwärmen. Im schlimmsten Fall droht ein Kabelbrand. Wichtig: Solche Elektrobrandschäden werden nicht automatisch vom Gebäudeversicherer abgedeckt. Meist sind 230-V-Schukosteckdosen, die im und am Haus installiert sind, auf den Transport einer viel kleineren Strommenge ausgelegt, als Elektroautos sie zum Laden brauchen.
Wer an einer Haushaltssteckdose laden muss, sollte das also unbedingt an einer fest im Haus installierten Dose tun, die eigens abgesichert ist. Achtung: Der Ladevorgang kann die Steckdose und die Leitung in der Wand erhitzen. Bei einer ungeeigneten Schukosteckdose kann es im schlimmsten Fall sogar zum Brand kommen!
Wann sollte man mit der Versicherung sprechen?
Wer sein Elektroauto öfter an einer normalen Steckdose laden will, sollte unbedingt mit dem zuständigen Gebäudeversicherer Kontakt aufnehmen und sich informieren. Möglicherweise muss eine Ergänzung zum bestehenden Versicherungsvertrag her. Darüber hinaus empfiehlt es sich, einen Elektriker das Stromnetz prüfen und gegebenenfalls ertüchtigen zu lassen.
Nur Steckdosen in bestem Zustand sollten genutzt werden. Schon verkratzte Kontakte der Steckdose oder mit den Jahren ermüdete Halteklammern können die Übergangswiderstände während des Stromflusses erhöhen und unerwünschte Hitze produzieren.
Auch Staub in der Dose erhöht das Risiko. Er erhöht den Widerstand, verursacht Erwärmung und kann bei einer Entzündung regelrecht als Brandbeschleuniger wirken. Das Gleiche gilt für unsachgemäße, möglicherweise nicht vom Profi durchgeführte Elektroinstallationen.
Auch der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) hält nichts davon, E-Autos an Haushaltssteckdosen zu laden. Die Gründe: Schukosteckdosen können nur für begrenzte Zeiträume mit 16 Ampere belastet werden. Das Laden von E-Autos überschreitet diese Zeiträume.
Dazu kommt, dass dauerhaft hoher Strombezug über eine Schukosteckdose zu Verlusten im Stromnetz führen kann, weil der Betreiber mit dem Strombedarf nicht rechnet. Außerdem kann durch die Alterung der Kontakte, an Klemmstellen in der Leitung oder durch eine möglicherweise unsachgemäße Installation Widerstand entstehen, der im schlimmsten Fall – wie erwähnt – einen Brand verursacht.
Nur speziell fürs E-Auto-Laden geeignete Schuko-Verlängerungskabel können den passenden Ladestrom liefern, ohne zu überhitzen. Wer mit einem Verlängerungskabel laden will, muss sicherstellen, dass das Kabel einen ausreichenden Querschnitt für die gewünschte Strommenge von 16 Ampere (16 A) hat. Es sollte komplett ausgerollt sein und nicht mit Feuchtigkeit in Kontakt kommen.
Ein nicht komplett ausgerolltes Kabel erhöht das Risiko von Schmorbränden, weil sich die aufgewickelten Stränge gegenseitig erwärmen. Das Verlängerungskabel, das eh seit vielen Jahren im Schuppen liegt, ist fürs Auto-Laden tabu!
Wer sein E-Auto an einer normalen Steckdose aufladen muss, muss darauf achten, dass die Dose mit einem 16-Ampere-Sicherungsautomaten abgesichert ist. Das ist im Haushalt normalerweise so, aber sicher ist sicher! Ein 16-Ampere-Sicherungsautomat bedeutet, dass an diesem Stromkreis Verbraucher mit einer maximalen Leistung von 16 Ampere mal 230 Volt (entspricht 3680 Watt) betrieben werden können.
Jede weniger leistungsfähige Steckdose ist mit einem Elektroauto überfordert und kann beim Laden überhitzen. Gerade in Außengebäuden wie Schuppen oder Garagen ist die Elektrik oft alt, verschlissen und wenig belastbar!

Öffentliches Laden ist auf die Dauer teuer – und nicht jeder hat eine Ladesäule in der Nachbarschaft.
Bild: DPA
Schuko-Laden verschwendet Energie und damit Geld. Warum? Weil die Ladeverluste mit der Ladedauer steigen. Im September 2022 hat der ADAC in einem umfangreichen Test gemessen, wie ineffizient das Laden an einer Haushaltssteckdose ist. Bis zu einem Viertel der Energie, so zeigten die Messungen, kann beim Schuko-Laden verloren gehen.

Wer per Wallbox lädt, kann bei vielen Produkten die Prozedur per App aus der Ferne beobachten und steuern.
Bild: Holger Karkheck
Man sollte absolut sicher sein, dass die Haushaltssteckdose der Wahl geerdet ist. Das ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Aber eine zusätzliche Prüfung durch einen Elektriker oder wenigstens mit einem Steckdosentester aus dem Baumarkt schadet nicht. Denn wenn die Dose nicht geerdet ist, man z. B. im Sommer nach dem Rasensprengen barfuß auf nassem Untergrund steht und dann ein nicht isoliertes Teil der Karosserie vom E-Auto wie den Schließbügel der Heckklappe berührt, kann es zu einem Stromschlag kommen.
Die Sicherheitsbedenken der Experten (s. o.) sollte man generell nicht auf die leichte Schulter nehmen.
AUTO BILD hat beim testweisen Laden an der Schukosteckdose schon mal folgende Erfahrungen gemacht:
- Das angestöpselte E-Auto wollte rund 21 Stunden lang laden, obwohl es noch 52 Prozent Akkukapazität hatte.
- Der Ladevorgang wurde vom Auto nach 30 Minuten abgebrochen, die Steckdose in der Wand hatte sich erschreckend stark aufgeheizt. Ja, es handelte sich um eine relativ betagte Installation. Genau davor warnen Elektriker.
Der beste Kompromiss zwischen Ladedauer, -komfort und Akkuschonung ist die Wallbox. Wer sein Elektroauto sicher und sorgenfrei zu Hause aufladen möchte, lässt am besten so einen "Wandanschlusskasten" im Carport oder in der Garage installieren.
Diese kompakten Ladestationen werden in der Regel an der Wand angebracht und laden das Auto beinahe fünfmal schneller auf als die Haushaltssteckdose. Sie sind speziell auf den hohen Strombedarf der Elektroautos ausgelegt.
Die kleine Stromtankstelle für daheim ist mit 11 und 22 kW Ladeleistung erhältlich. Beide Varianten laden einen mittelgroßen Akku in wenigen Stunden auf. Die Installation muss ein Profi übernehmen. Ansonsten gibt es Wallboxen in vielen Variationen und Preiskategorien.
Service-Links

















