Egal ob bei Klamotten, Küchengeräten oder Tiefkühl-Kost: Marken helfen uns durch den Dschungel des Warenangebotes. Großen, bekannten Marken vertrauen wir. Boss, Miele oder Iglo kennt jedes Kind. Für Autos gilt das natürlich auch. Zwar betonen die Käufer in Umfragen gern, dass für sie vor allem Umwelt, Sicherheit und Zuverlässigkeit eine Rolle spielen. Schon klar. Aber Hand aufs Herz, wem ist die Marke wirklich egal? Genauso klar ist auch, dass sich Porsche, Audi, BMW und Co ihre guten Namen saftig bezahlen lassen. Prestige kostet. So wie bei Mercedes. Der C 180 Kompressor mit 156 PS ist der Einstieg in die C-Klasse, der Basis-Benziner. Und dafür berechnen die Stuttgarter beim Classic 29.988 Euro, beim hier getesteten Avantgarde 32.106 Euro. Stolze Preise für eine Mittelklasse-Limousine mit Vierzylinder. Vielleicht hilft da der Skoda Octavia weiter?
Der Skoda kostet satte 9646 Euro weniger als der Mercedes. Da kommt man leicht ins Grübeln.
Der ist genauso groß wie der Mercedes und mit dem 160-PS-TFSI auch passend motorisiert. Als Ambiente kostet er hier 22.460 Euro – 9646 Euro weniger als der C 180 K. Und dürfte damit auf alle Fälle eine Überlegung wert sein – trotz des niedrigeren Prestigewerts. Mit einer Länge von 4,84 und einer Breite von 1,89 Metern ist der Ford Mondeo dann fast eine ganze Nummer größer als die beiden anderen. Mit Zweiliter und 145 PS gibt es ihn als Ghia für 25.775 Euro – trotz seiner schieren Größe also immer noch für 6331 Euro weniger als die C-Klasse. Der Mondeo ist eine stattliche Erscheinung geworden mit scharf geschnittenen, angriffslustigen Zügen. Im direkten Vergleich wirkt er regelrecht wuchtig und massig. Das Platzangebot fällt dementspechend hervorragend aus: Vorn ist es etwa so gut wie im Mercedes. Im Fond glaubt man eine Klasse höher zu sitzen, so viel Raum gibt es hier. Hinzu kommen bequeme, weich gepolsterte Sitze. Mit seiner Verarbeitungsqualität und Materialauswahl erreicht der Ford nicht ganz das Mercedes-Niveau, ein Klassenunterschied zu Premium ist das jedoch ganz bestimmt nicht. Aber über Dinge wie das billig wirkende Holz-Imitat an der Mittelkonsole des Ghia sollte Ford noch mal nachdenken.

Der Mondeo fährt entspannt, aber nicht so agil wie der Mercedes

Die Abstimmung des Fahrwerks ist gut gelungen: Der Mondeo rollt angenehm weich ab.
Nicht zu Ende gedacht ist auch die Bedienung. Es gibt jede Menge Knöpfe, Tasten und Schalter und dazu noch (gegen Aufpreis) den Touchscreen-Bildschirm mit Berührungs-Oberfläche – das verwirrt. Gut gelungen ist den Ford-Technikern dafür die Abstimmung des Fahrwerks. Der Mondeo rollt weich ab und ist auch auf schlechten Straßen kaum aus der Ruhe zu bringen. Im direkten Vergleich fährt er sich entspannt und handlich, aber bei weitem nicht so agil und leichtfüßig wie der Mercedes. Am behäbigen Gesamteindruck hat der Motor entscheidenden Anteil. Der Zweiliter-Vierzylinder mit 145 PS arbeitet mit einer traditionellen Saugrohreinspritzung. Im Vergleich zu den modernen Triebwerken von Mercedes (mit Kompressor) und Skoda (mit Direkteinspritzung und Turbo) sieht er buchstäblich alt aus. Er tritt träge an und braucht Drehzahlen, um einigermaßen zügig vorwärts zu kommen, wirkt dabei aber überfordert und gequält. Und mit 9,0 Litern gönnt er sich auch noch den höchsten Verbrauch ...
Der Mercedes begnügt sich zwar mit 8,6 Litern, aber auch das ist noch kein Sparsamkeitsrekord. Ansonsten macht der 1,8-Liter-Kompressor seine Sache deutlich besser als der Ford und empfiehlt sich als gelungener Basis-Benziner. Mit dem lebhaften, aufgeladenen Aggregat und den 156 PS kann man flott unterwegs sein. Er schiebt kräftig an und entwickelt seine Kraft gleichmäßig und unaufgeregt. Die Gänge fünf und sechs sind allerdings lang und eher fürs Sparen ausgelegt. Sehr passend das Fahrwerk, beim Avantgarde mit 17-Zöllern. Die machen den Mercedes noch einmal fahraktiver. Wie präzise und agil er um die Ecken geht, ist schon erstaunlich. Die großen Räder schränken den Komfort natürlich etwas ein – der Mercedes federt trotzdem stets souverän. Bei Fahrverhalten und Motor zeigt der C 180 dem Mondeo also deutlich seine Grenzen, beim Platz muss er dem Ford den Vortritt lassen. Vorn ist er zwar ähnlich großzügig geschnitten, im Fond aber überraschend eng – er bietet hier sogar weniger Platz als der auch nicht gerade üppige Skoda. Trost spenden die erstklassigen, gut ausgeformten Sitze.

Ein wirklicher Klassenunterschied ist bei den Dreien nicht spürbar

Der Mercedes ist in vielen Details raffinierter und aufwendiger gebaut – aber ein Klassenunterschied ist nicht mehr spürbar.
Das Mercedes-Cockpit ist gediegen und ansehnlich gebaut, auch problemlos zu bedienen. Doch manch grobe Kunststoffe und unregelmäßige Fugen erwarten wir nicht unbedingt bei einer Premium-Marke. Den Takt bei Verarbeitung und Qualität gibt in dieser Klasse unzweifelhaft Audi an. Der Skoda Octavia kommt ja aus demselben Konzern, und auch er ist tadellos verarbeitet, reicht insgesamt aber an den Mercedes nicht heran. Aber, mal ehrlich, wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass wir einen Skoda in einem solchen Vergleich überhaupt in die Wertung nehmen? Also, der Mercedes ist im Vergleich zum Skoda in vielen Details raffinierter und aufwendiger gebaut – aber ein wirklicher Klassenunterschied ist genau wie beim Ford nicht mehr spürbar.
Der Octavia passt schon mal mit seiner Größe ideal zum Mercedes, ist praktisch auf den Zentimeter genauso groß. Vorn gibt es spürbar weniger Platz als bei den beiden anderen, im Fond bietet er immerhin einen Hauch mehr Bewegungsfreiheit als die C-Klasse. Die Sitze sind straffer gepolstert als in Ford und Mercedes und bieten vorn viel Seitenhalt, im Fond ist jedoch die Lehne zu niedrig. Dafür punktet der Oktavia mit dem größten Kofferraum dieses Vergleichs – und hat als einziger eine große, praktische Heckklappe.
Das beste Stück am Auto ist zweifellos der neue 1,8-Liter-Direkteinspritzer mit Turbo und 160 PS, direkt aus dem Audi/VW-Regal. Genau damit fährt der Skoda plötzlich in einer anderen Liga. Das heißblütige, quicklebendige Triebwerk befeuert den Tschechen derart, dass sich mancher A4-/3er-Fahrer demnächst vor schnellen Octavia in der linken Spur fürchten sollte. Die Fahrleistungen sind ebenso erstklassig wie der Verbrauch: nur 7,5 Liter. Mit seinem Fahrverhalten erreicht der Skoda nicht ganz die Ausgewogenheit des Ford oder die Präzision des Mercedes. Er liegt straff und unauffällig und federt anständig. So, wie man das von einem Auto seiner Art erwartet. Nicht erwartet haben wir, dass er am Ende vorn liegt: Aber den gewaltigen Preisunterschied kann der Mercedes nicht mehr wettmachen. Trotz herausragender Fahreigenschaften und des gelungenen Motors. Einen Stern hat sich der Skoda aber auch verdient.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke

Der Preis macht es: Redakteur Dirk Branke sieht den Octavia vorn.
Ganz ohne Standesdünkel und ohne Premium-Brille: Der Mercedes C 180 K ist klar das ausgewogenste Auto. Knackig, komfortabel, souverän. Auch der Basis-Benziner passt bestens. Kommt der Preis ins Spiel, gewinnt genauso klar der fast 10.000 Euro günstigere Skoda. Den Octavia bringt vor allem der famose 1,8-Liter auf ein ganz neues Niveau, Glückwunsch. Genau andersrum geht es dem Ford Mondeo, der von seinem müden Zweiliter geplagt wird.