Chrom ohne Ende, Big-Block-Motoren, Raketen-Design: US-Cars sind die Stars jeder Altauto-Veranstaltung. Buick Riviera, Cadillac Eldorado Biarritz und Ford Mustang wecken unsere Sehnsucht nach reueloser Verschwendungssucht und spottbilligem Sprit. Ihre ausufernden Karosserien und das dramatische US-Autodesign der 50er- und 60er-Jahre beeindrucken bis heute. Doch was kam danach? Mit welchen Modellen verirrten sich Chrysler, General Motors und Ford, als plötzlich kompakte, sparsame Autos gefragt waren?

Heiße Angelegenheit: Das Pinto-Desaster

Invasion der Anti-Straßenkreuzer
"Ist der Ruf erst ruiniert": Der Ford Pinto ist ab 1972 ein brandheißer Kandidat im Kompaktsegment.
Der Ford Pinto ist eines der makabersten Kapitel der Automobilgeschichte. Die Kurzversion geht ungefähr so: Die Chefetage in Dearborn forderte einen sparsamen Kompakten nach europäischem Vorbild. Heraus kam ein Kleinwagen von unamerikanischem Format – mit Vierzylinder! Seine Konkurrenten hießen AMC Gremlin und Chevrolet Vega. Anfangs verkaufte sich der Pinto wie eiskalte Cherrycoke im kalifornischen Sommer, doch dann: Feurio! Skandal! Auf einmal hieß es, Fords Billigauto ginge bei einem Heckaufprall sofort in Flammen auf. Das rief Medien und die Sicherheisbehörde auf den Plan.

Ford entschied: Lasst sie brennen!

Invasion der Anti-Straßenkreuzer
Chysler labelt den Talbot Horizon zum Dodge Omni um. Später gibt's den sogar noch von Kult-Tuner Shelby.
Untersuchungen ergaben: Tatsächlich konnte sich eine Schraube des Einfüllstutzens in den Pinto-Tank bohren. Es handelte sich um einen klassischen Konstruktionsfehler. Doch es kam noch dicker, als Schriftstücke auftauchten, in denen Ford-Anwälte hochrechneten, was den Autoriesen teurer käme: ein kompletter Umbau des Pinto-Hecks oder die Entschädigung aller Brandopfer. Es stand 121 zu 50 Millionen Dollar. Ford entschied: Lasst sie brennen! Profitgier siegte über Menschlichkeit. Den Edsel mal ausgenommen, kratzte kein anderes Modell heftiger am Ford-Image. Trotzdem setzte Ford bis 1980 über drei Millionen Pinto ab.

Schlappe Motoren, schrulliges Design

Die Amis hatten ein Problem: Sie konnten einfach nur XXL. Ab den späten 70ern trieben sie deshalb das Badge Engineering voran. Der Talbot Horizon war plötzlich ein Dodge Omni, der Mitsubishi Sapporo – tief durchatmen – ein Challenger. Jawohl, die Coupé-Version des Japan-Passat Mitsubishi Galant sollte ernsthaft eine Muscle Car-Legende beerben. Das rollende Superlativ automobiler Peinlichkeit ist bis heute der Cadillac Cimarron. Ein aufgetakelter Chevrolet Cavalier/Opel Ascona mit lahmem 89-PS-Vierzylinder, der die Traditionsmarke um ein Haar ruiniert hätte. Wir zeigen ihnen die grausigsten Amis aller Zeiten oben in unserer Bildergalerie!

Von

Lukas Hambrecht