Verbrenner zum E-Auto umbauen
UN will Standards für Umrüstung zu E-Autos schaffen

Über eine Milliarde Verbrenner fahren weltweit auf den Straßen. Eine Umrüstung auf Elektro kann Abgase vermeiden und Ressourcen schonen. Die UNECE will daher einheitliche Standards für die Umrüstung schaffen. AUTO BILD verrät, worum es geht!
Bild: F. Roschki / AUTO BILD
- Raphael Schuderer
Die Vereinten Nationen arbeiten an einem Standard für den Umbau von Verbrennern zu Elektroautos. Bis 2027 soll ein einheitliches Regelwerk stehen, berichtet das Technikportal "heise.de". Das Ziel: Mindestanforderungen festlegen, Leistungsstandards definieren und den Einsatz einheitlicher Umrüstkits ermöglichen, die in allen teilnehmenden Ländern anerkannt werden.
Die UNECE, die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa, hat dafür eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie soll den E-Umbau von Verbrennerautos vereinheitlichen. Der aktuelle Entwurf sieht vor, dass nur autorisierte Installateure Umbauten durchführen dürfen. Wer in der eigenen Garage werkelt, bliebe damit weiterhin auf die teure Einzelabnahme angewiesen.
Umbau bislang nur mit Einzelabnahme möglich
Zahlreiche Wirtschaftsnationen erkennen die Regelungen der UNECE an – auch solche außerhalb der EU wie etwa Großbritannien, Japan und Südkorea. Wenn die Arbeitsgruppe eine UN-Regulation für die Elektro-Umrüstung von Verbrennern verabschiedet, könnten EU-Mitgliedstaaten sie direkt in nationales Recht übernehmen. Die bisherige kostspielige Einzelabnahme in jedem Land würde durch eine standardisierte Zulassung wegfallen.
In Deutschland baut eine Handvoll kleinerer Betriebe Verbrenner auf Elektroantrieb um. Marco Lorey von der Lorey Elektroauto Manufaktur in Offenbach hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben über 300 Umbauten durchgeführt.
Der Umbau-Pionier erklärte gegenüber AUTO BILD: "Wir sind vermutlich die Firma, die weltweit am meisten Fahrzeuge umgerüstet hat. Eine einheitliche Regelung halte ich für sehr schwierig, da wir fast jedes Auto individuell umbauen, auch wenn Modelle wie Käfer und Ente schon mehrfach dabei waren. Für Firmen, die sich auf ein Modell spezialisiert haben, wäre es natürlich eine Erleichterung. Leider gibt es in Deutschland keine Förderung für Umbauten, anders als in anderen europäischen Ländern. Deswegen erwarte ich durch die Standardisierung keine neuen Impulse, die mehr Menschen dazu bewegen, eine Umrüstung zu machen."

Wenn der Umbau zum E-Auto standardisiert wird, könnten mehr Autobesitzer ihren alten Verbrenner zum CO2-freien Fahrzeug umbauen.
Bild: F. Roschki / AUTO BILD
Weltweit rund 1,4 Milliarden Verbrenner-Pkw
Das Potenzial ist groß: Weltweit sind rund 1,4 Milliarden Pkw unterwegs, die allermeisten davon mit Verbrennungsmotor. Selbst wenn ab sofort nur noch Elektroautos verkauft würden, bliebe der bestehende Fuhrpark über Jahrzehnte auf der Straße. Die Elektro-Umrüstung könnte helfen, den Verbrennerbestand schneller sauberer zu gestalten – und das sogar mit einer besseren Klimabilanz als beim Neuwagenkauf.
Nach Angaben der französischen Umweltbehörde ADEME verursacht ein umgerüsteter Kleinwagen über seine Restlebensdauer 66 Prozent weniger CO₂ als ein weiter betriebener Diesel und 47 Prozent weniger als ein fabrikneues Elektroauto. Eine Kosten-Nutzen-Analyse des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zeigt zudem, dass sich ein Umbau auch wirtschaftlich lohnen kann: Bei Kosten von 12.000 bis 15.000 Euro und einer Jahresfahrleistung von 14.000 Kilometern soll sich die Investition nach etwa sieben Jahren amortisieren.
Fazit
Klar, das ist keine Lösung für alle Autos. Aber Liebhaberfahrzeuge werden durch die Umrüstung zum E-Auto pflegeleichter, wunderschöne Klassiker haben die Chance auf einen zweiten Frühling. Steigende Spritpreise könnten den Umbau-Interessenten in die Karten spielen. Standards würden den Umbau erleichtern und wahrscheinlich günstiger machen, die Nutzung vorhandener Fahrzeuge ist außerdem nachhaltig.
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