Ja, sind wir Redakteure denn noch zu retten? Fünf derart unterschiedliche Autos in einen Vergleich zu packen — das sieht nach grobem Unfug aus. Und das ist es eigentlich auch. Aber wir wollten zeigen, welche höchst unterschiedliche Charaktere man sich einfangen kann, wenn man einfach nur den Preis von rund 30.000 Euro als Kriterium nimmt — und selbstverständlich den Allradantrieb. Der deutsche VW Tiguan 2.0 TDI steht dabei für den modernen Geländegänger: sparsam, sicher, flott, praktisch und unterhaltsgünstig. Der Dodge Nitro macht vor allem durch seine Optik auf sich aufmerksam: viel Ami-Blech fürs Geld, gezähmt von einem wirtschaftlichen Dieselmotor. Noch mehr Auto zum gleichen Preis plus rustikale Ladepritsche versprechen die Dritte-Welt-Pick-ups, hier vertreten durch den technisch modernsten Kleinlaster auf dem deutschen Markt, den Mitsubishi L200. Ein Japaner aus Thailand. Viel Tempo bietet der Octavia Scout der tschechischen VW-Tochter Skoda. Ein 160 PS starker Turbobenziner treibt den höhergelegten Kombi an.

Land Rover und Dodge setzen auf kantige Formen

Land Rover Defender
Gelände-Urgestein: Den rustikalen Land Rover Defender kennt fast jeder.
Alles, nur kein Tempo, ist dagegen die Devise des ehrwürdigen Land Rover Defender. In unserem 30.000-Euro-Vergleich tritt ein kurzer 90 an, um die Fahne der klassischen Geländewagen hochzuhalten. Mit klassischen Formen spielt auch der Nitro der Chrysler-Tochter Dodge. Gebaut wird er in der traditionellen Willys-Overland-Jeep-Fabrik in Toledo im US-Bundesstaat Ohio. Verkauft wird der Dodge erst seit 2007. Er teilt sich die technische Basis mit dem aktuellen Jeep Cherokee der dritten Generation — ganz modern also. Dass der Amerikaner dennoch reichlich rustikal wirkt, liegt an seinem wuchtigen Auftritt, aber vor allem an seinem Motor: Es gibt ihn in Deutschland ausschließlich mit einem Turbodiesel, der 2,8 Liter Hubraum auf nur vier Zylinder aufteilt. Der Motor stammt vom italienischen Dieselmotorenwerk VM Motori in Cento. Er läuft rau und laut. Zudem verärgert er mit seinem trägen Ansprechen auf Gaspedalbewegungen. Seine 177 PS sind spürbar, aber man muss vor allem beim Anfahren auf sie warten. Wenig zeitgemäß ist das Konsumverhalten des Diesels. Trotz der drehzahlschonenden Auslegung der aufpreisprichtigen Getriebeautomatik verbrauchte der Dodge im Test 10,7 Liter Diesel/100 km – und damit 3,5 Liter mehr als der in Fahrleistungen und Platzangebot sehr ähnliche VW Tiguan 2.0 TDI.

Im Alltag verbreitet der Dodge gute Laune

Dodge Nitro
Der wuchtige Frontspoiler und die geringe Bodenfreigheit begrenzen die Geländetauglichkeit des Nitro.
So rustikal wie der Motor wirkt auch der Allradantrieb des Dodge Nitro. Wohl aus Preisgründen muss er mit einem simplen, starren Zuschaltallrad auskommen. Schon weil dieser stark negative Auswirkungen auf Bremswege und Lenkverhalten hat, sollte man ihn lediglich als Anfahrhilfe auf glatter Fahrbahn oder im Gelände nutzen. Zum Glück lässt er sich elektrisch per Drehknopf ebenso schnell wieder abschalten, wie man ihn eingerückt hat. Im Gelände fühlt sich der Nitro aber auch nicht richtig wohl. Die für ein Auto seiner Abstammung knappe Bodenfreiheit von 180 mm unter dem Vorderwagen und der extrem tief gezogene Frontspoiler bergen eine ständige Sorge vor Beschädigungen. Im Alltag indes verbreitet der Dodge gute Laune. Man lümmelt sich lässig auf den komfortabel wattierten Sitzen, betrachtet die Welt durch die Sehschlitz-Scheiben. Die Polster dämpfen die Stöße, die das Fahrwerk vor allem auf kurzen Unebenheiten zuweilen austeilt. Etwas Extrovertiertheit sollte man als Dodge-Fahrer mitbringen. Denn die auffällige Form ermuntert Passanten zu spontanen Reaktionen.

Welcher Allradler für 30.000 Euro am Ende das Rennen macht, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es hier als Download.

Fazit

von

Martin Braun
Der VW gewinnt, weil er den guten Kompromiss verkörpert. Er verliert bei Anhängelast und Geländetauglichkeit nicht zu viele Punkte gegenüber Land Rover und Mitsubishi Pick-up. Und er fährt sich ähnlich flott wie der schnelle Skoda. Schön, dass man auch für 30.000 Euro derart unterschiedliche Allradler bekommt: den altertümlichen Land Rover, den rustikalen Dodge, den rasanten Skoda, den belastbaren Mitsubishi-Pick-up.

Von

Martin Braun