Volvo EX30: Fahrbericht
Klein, aber oho: Volvos kleinstes Elektro-SUV
– Er ist in der Klasse kleiner Elektro-SUV daheim, hat Kraft wie ein großer und macht es originell wie alle anderen Volvos – der EX30 bringt Schwung und Stil in die Liga. Fahrbericht.
Schwedenpanzer – so hieß es einst, wenn es um die kantigen Kisten von Volvo ging. Waren ja auch stets stattliche Schiffe, mit dickwandigem Blech, viel Knautschzone und klotzigen Motoren. Da fragen wir uns: welchen Spitznamen wird einmal der neue elektrische EX30 erhalten? Kupferwürmchen? Elch-Blitz? Es wird schwierig. Denn einen solch kompakt gehaltenen, so günstigen, so kräftig von Elektrokraft gedopten Volvo gab es bislang nicht.
Nun steht der ab 36.590 Euro teure EX30 am Start und hat es trotz nur 4,23 Meter Außenlänge (das ist Opel Mokka- oder VW T-Roc-Liga) faustdick hinter den Ohren – in der potentesten Ausbaustufe hat er 315 kW Leistung und soll dank Allradantrieb und zwei Motoren (je an einer Achse) in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 surren. Glauben wir sofort.

Der EX30 angenehm geht komfortabel ans Werk, er federt universell, liegt dank tiefem Schwerpunkt (Akkus liegend unter dem Wagenboden) satt.
Bild: Hersteller
Denn wir konnten den schnellsten der kleinen Volvos bereits fahren und sein Können auf die Probe stellen. Der EX30 Twin Motor Performance AWD geht deftig vorwärts, bietet griffige Traktion, gute Reichweite und brauchbar kurze Ladezeiten (z. B. bei 175 kW DC-Ladung unter einer halben Stunde für 10-80 Prozent Akkufüllung). Der wohl am meisten begehrte EX dürfte jedoch die Variante "darunter" werden.
Der EX30 geht angenehm komfortabel ans Werk
Im EX30 Single Motor arbeitet nur eine Maschine (200 kW Leistung, Heckmotor und Hinterradantrieb), je nach Akku-Linie soll er bis zu 476 Kilometer weit kommen. Wie sein großer Twin-Bruder kann der Single-EX mächtig Sprint-Tempo machen, sprintet in 5,3 Sekunden auf 100 Km/h. Der Spurtspaß hat Grenzen – alle Typen sind typischerweise bei 180 Km/h Höchstgeschwindigkeit elektronisch abgeregelt.
Grundsätzlich geht der EX angenehm komfortabel ans Werk, er federt universell, liegt dank tiefem Schwerpunkt (Akkus liegend unter dem Wagenboden) satt, wenig Wind- und Abrollgeräusche stören die Fahrt. Auch bei sehr zügigem Anfahren oder mit Schmackes aus Kehren heraus lässt sich der Hinterradantrieb nicht aus der Ruhe bringen, jeglichen Schlupfversuch dämmt die Traktionskontrolle souverän ein.

Das deutlich eingezogene Heck bringt eine flotte Optik, macht aber auch klar, dass der EX30 weniger als Alltagsauto für Familien, denn als Zweitwagen für hippe Elektrofans taugt.
Bild: Hersteller
Überhaupt wirkt der EX sehr fahrsicher und ausweichstabil. Die hervorragend abgestimmte elektronische Stabilitätskontrolle und das lammfromme Fahrverhalten vermitteln trotz fast zwei Tonnen Leergewicht ein handliches wie beherrschbares Fahrgefühl. Dazu tragen auch die groß dimensionierten Räder bei. Bereits in der kleinen Leistungsstufe und in der kleinen Ausstattungsvariante "core" rollt der Volvo auf 18-Zoll-Reifen, in den größeren Modellen sind es 19 Zoll mit knackig-griffigen Querschnitten.
Der kleinste Volvo-Elektriker taugt eher für 2+2
Die Lenkung arbeitet variabel, lässt sich in drei Stufen im Kraftbedarf justieren, passt im Grunde zum leichtgängigen Wesen des kleinen Volvo. Bei sehr hoher Geschwindigkeit reagiert sie jedoch arg empfindlich aus der Mitte heraus – das verleiht dem EX eine große Autobahn-Nervosität.
Noch eine weitere kleine Schrulle, die (das Testfahrzeug war ein Vorserienstand) hoffentlich bis zum Serienanlauf verschwunden ist: Der Wagen mag im Staugeschehen nicht gerne "kriechen", bewegt sich bei ganz zart betätigtem Gaspedal stuckernd vorwärts. Darüber hinaus stoppt der EX auf den letzten Zentimetern (bei aktiviertem One-Pedal-Modus) reichlich ruckartig.

Sehr aufgeräumtes und klares Cockpit, Anzeigen und Bedienelemente in der Mitte konzentriert, Sitze durchaus bequem und mit guter Passform.
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Zuvorkommender geht es im Innenraum zu. Die Sitze mit genügend ausgeprägten Wangen, straffem Bezug und angenehm nachgiebigem Unterbau stützen gut, sind hoch ins Auto gesetzt, die Lenksäule lässt sich sehr weit in Tiefe und Höhe verstellen. Der Wagen wirkt unerwartet luftig – auch, weil alle Bedienelemente in die Mitte rücken, dadurch platzsparende Türtafeln entstehen und der Beinraum in der Folge üppig ausfällt.

In der zweiten Reihe geht es deutlich beengter zu als davor, große Gäste sitzen wegen der flach im Auto montierten Bank mit stark angewinkelten Beinen eher unbequem.
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Hinten geht es deutlich enger zu, die Knie sind hier beim Sitzen stark angewinkelt, auch ist das Einsteigen bzw. das Einfädeln der Füße umständlicher.
Bei der Sicherheit lassen die Schweden nichts anbrennen
Nahezu alle Funktionen (außer Tasten für Fensterheber in der Mittelarmlehne) muss der Fahrer über den zentralen Berührbildschirm steuern. Das erfordert Gewöhnung, braucht seine Zeit und lenkt immer wieder ab. Beispielsweise steht auch die Tempoanzeige am oberen Bildschirmrand des großen Displays – nicht direkt vor dem Fahrer.
Die Außenspiegel lassen sich über Tasten in den Lenkradspeichen verstellen, aber erst nachdem das entsprechende Menü in mehreren "Touch"-Schritten angewählt wurde. Gut dagegen: Volvo lässt wichtige Elemente (Klimatisierung, Fahrdaten) dauerhaft am Bildschirmrand auftauchen, der Wortschatz der Sprachbedienung (Google Assistent) ist gelernt üppig.
Auch die Sicherheitsausstattung ist bereits in der Basislinie umfangreich aufgestellt, reagiert subjektiv zuverlässig und kaum bevormundend. Eine Umfeldüberwachung, die von hinten nahende Radfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer erfasst und beim Türöffnen warnt, setzt Volvo erstmals ein. Da fällt uns ein Spitzname ein: Schütz-Panzer.
Fazit
Der neue EX30 fährt tadellos, ist bequem, schnell und sicher, kommt als Extended Range fast 500 Kilometer weit. In dieser Liga ist der EX somit eine echte Bereicherung. Schade: Das im Aktionsradius gehemmtere Basismodell mit Single Motor und Core-Ausstattung "geizt" auch bei der Ladeleistung – sowohl bei DC als auch AC.
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