VW Golf 1.5 eTSI, VW ID.3 Pro 59 kWh: Kaufberatung
Benzin oder Batterie – welcher kompakte Volkswagen rockt?

Der ID.3 möchte der elektrische "Volkswagen" sein. Da passt ein Vergleich mit dem bisherigen Bestseller VW Golf doch bestens. Gibt es eine Wachablösung?
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Aus Sicht des VW ID.3 ist diese Gegenüberstellung ein ganz fieses Duell. Wie soll man dem Golf, einem Bestseller, seit 50 Jahren ein Kompakt-König, dem wahren Allrounder, DEM Volkswagen, in einem Vergleich gegenübertreten?
Zwei kompakte VW im Antriebsvergleich
Wir meinen: genau so, wie es der ID.3 auch "im Alltag" macht. Ganz ruhig, ohne Krawall, mit ausgewogenen Fähigkeiten und eher universeller Attitüde. Also: VW ID.3 Pro 59 kWh und VW Golf 1.5 eTSI im Vergleich nach Können und Kilometerkosten.
Der geringere Wertverlust spricht klar für den Golf
Bei Letzterem haben wir ganz klar errechnet: Ein Golf lohnt sich. Er fährt – auf Dauer – auch mit 150 PS starkem Benziner unter der Haube günstiger als das kompakte E-Modell der ID-Familie. Dabei ist er beim Kauf nur rund 500 Euro günstiger, man muss jährlich Steuern zahlen, auch die Kraftstoffkosten sprechen nicht für ihn.

Klare Sache: Zwar ist der Golf nur rund 500 Euro günstiger als der ID.3, das Elektroauto hat aber einen 3000 Euro höheren Wertverlust.
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Der TSI holt das letztlich über die bessere Versicherungseinstufung und über den viel geringeren Wertverlust heraus. Nach unserer Kalkulation "verliert" ein ID.3 über vier Jahre Haltedauer nämlich schmerzhafte 3000 Euro mehr – so viel Geld lässt sich auch über günstige (heimische) Stromtarife nicht einfahren.
Mehr Harmonie steckt im Elektroauto
Dafür fährt der elektrische VW eleganter als der Golf. Er rollt sanfter ab, federt im Grunde identisch komfortabel, lenkt sich sehr leichtgängig, kommt im Fahrbetrieb ausgesprochen harmonisch rüber. Stark: Das Auto hat Hinterradantrieb, überzeugt mit sicherer Traktion bei gleichzeitig unbehelligtem Lenkgefühl.

Der ID.3 ist genauso komfortabel wie der Golf. Dank des Heckantriebs lenkt er sich aber besonders leicht und überzeugt mit viel Traktion.
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Die Akkupakete im Wagenboden schränken die Funktionalität kaum ein (Kofferraum etwas größer als beim Golf, Zuladung minimal geringer), funktionieren dabei wie eine dicke Isolierung – viel weniger Fahrwerks- und Reifengeräusche dringen in den Innenraum. Leise kann der Golf bei mäßiger Fahrt zwar auch, jedoch knurrt der 1.5er unter Last und Drehzahl ein typisch raues Vierzylinder-Lied. Trost: Störend laut wird so ein Turbobenziner aber nie.
Fahrzeugdaten
Modell | VW Golf 1.5 eTSI | VW ID.3 Pro 59 kWh |
|---|---|---|
Benziner | Elektro | |
Motor | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid | Elektromotor |
Leistung | 110 kW (150 PS) | 150 kW (204 PS) |
max. Drehmoment | 250 Nm | 310 Nm |
0-100 km/h | 8,4 s | 7,6 s |
Höchstgeschwindigkeit | 224 km/h | 160 km/h |
Antrieb/Getriebe | Vorderrad/Siebengang-Doppelkupplung | Hinterrad/Einganggetriebe |
Verbrauch – Reichweite WLTP | 5,1 l S/100 km – k. A. | 15,3 kWh/100 km – 434 km |
Testverbrauch – Reichweite | 5,8 l S/100 km – 862 km | 17,3 kWh/100 km – 364 km |
Tank-/Batteriekapazität | 50 Liter | 59 kWh (netto) |
Länge/Breite/Höhe | 4282/1789-2073*/1483 mm | 4264/1809-2070*/1564 mm |
Radstand | 2620 mm | 2770 mm |
Kofferraum | 381-1237 l | 385-1267 l |
Leergewicht/Zuladung | 1360/500 kg | 1832/448 kg |
Anhänge-/Stützlast | 1500/80 kg | –/– |
Typklassen (HPF/TK/VK) | 12/22/18 | 15/20/19 |
Grundpreis | 35.930 Euro | 36.425 Euro |
Kraftstoff-/Stromkosten (60.000 km)** | 6542,40 Euro | 4567,20 Euro |
Wartung (4 Jahre) | 1500 Euro | 800 Euro |
Steuer (4 Jahre) | 288 Euro | 0 Euro |
Versicherung (HPF/VK 4 Jahre) | 4162,40 Euro | 5574,36 Euro |
Wertverlust (4 Jahre; 60.000 km)*** | 18.011,71 Euro | 21.097,36 Euro |
Gesamt | 30.504,51 Euro | 32.038,92 Euro |
Kosten pro Kilometer | 0,51 Euro | 0,53 Euro |
Der ID.3 sprintet schneller als der Golf, setzt sich vor allem aus dem Stand heraus müheloser in Bewegung – doch die Drosselung auf 160 km/h wirkt subjektiv wie ein Hemmschuh. Hier hat der Golf die Autobahn-tauglicheren Reserven, rennt mit Rückenwind an die 230 km/h schnell.

Während man im ID.3 immer ein bisschen "obenauf" sitzt, integriert der Golf den Fahrer besser ins Auto. Und die Vordersitze bieten tollen Halt.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Gleichzeitig fühlen wir uns hier etwas besser aufgehoben, nochmals stärker von den Sitzen gestützt und vor allem dank tiefer Sitzposition feinfühliger ins Auto integriert. Im ID.3 sitzt man immer etwas obenauf, gelöster. Dazu kommen auf schlechten Straßenoberflächen deutlich mehr Aufbaubewegungen – in der Folge entsteht ein unruhigeres Fahrgefühl.
Die Bedienung lenkt bei beiden Kandidaten ab
Im Innenraum etwas moderner gestaltet scheint der ID. Allein das große Head-up-Display und das kleine aufgesetzte Extra-Display für den Fahrer vermitteln den aktuelleren Stand.

Mit seinem kleinen, aufgesetzten Cockpit-Display hat der ID.3 den modernen E-Auto-Look. Besser ablesbar sind aber die Uhren im Golf.
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Achtung: Besser ablesbar sind die einstellbaren digital-analogen Uhren des Golf, gleichzeitig finden wir das Bedienkonzept über echte Tasten in den Lenkradspeichen – statt haptisch unausgegorener Slider wie im ID – angenehmer. Für beide gilt: In die Steuerung der Funktionen über den großen Zentralbildschirm muss man sich einarbeiten, das System lenkt deutlich ab.
Im Golf steckt durchaus Fahrspaß
Noch ein wichtiges Argument für den Golf: Es bereitet schlicht Laune, den Kompakten über Landstraßen zu führen. Sein Motor lässt sich untertourig fahren, ohne dass er murrt, mag auch drehen, beherrscht die ausgewogene Mitte.

Auf der Landstraße ist der Golf in seinem Element. Er wirkt satt, mechanisch, authentisch – und kommt über 860 Kilometer weit.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Wagen wirkt insgesamt angenehm satt, präzise, mechanisch und authentisch. Das Ganze über 860 Kilometer Reichweite pro Tankfüllung. Hier hat auch das beste E-Modell nicht viel entgegenzusetzen.
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