Elektroautos sind teuer! Zumindest sieht so die Realität in Deutschland aus. Wirft man einen Blick rüber nach China, dann scheint dort alles anders zu sein. Doch wie können E-Autos hierzulande bis zu 162 Prozent teurer sein als in der Elektroauto-Metropole China? Wie so häufig gibt es nicht den einen Grund, der zu diesem Zustand führt. AUTO BILD fasst die wichtigsten Faktoren zusammen!

Die besten E-Autos bis 48.000 Euro im AUTO BILD-Test

1,8
gut
Preis
43.240 EUR
02 LYNK & CO
6.
Lynk & Co
1,9
gut
Preis
35.995 EUR
Carwow LogoGebrauchtwagen ab 31.950 EUR
Auto Bild Logo
LeasingSparneuwagen Logo
Mazda 6e
7.
Mazda
6e EV 68,8 kWh
Besonders wichtig zum Verständnis: In China herrscht aktuell ein Preiskampf zwischen sämtlichen Herstellern von Elektroautos. Es geht zurzeit weniger darum, große Gewinne einzufahren, als vielmehr darum, sich langfristig auf dem riesigen, chinesischen Markt etablieren zu können und möglichst viele Autos unter die Menschen zu bringen.

Porsches Verkaufszahlen in China sinken

Was passiert, wenn ein Hersteller die Preise nicht anpasst, zeigt sich an Porsche. So kostet der Taycan in China sogar 10.750 Euro mehr als in Deutschland, was den Basispreis von 86.218 Euro auf 96.968 Euro erhöht. Zum Vergleich: Der VW ID.3 kostet hierzulande mindestens 28.008 Euro und wird in China bereits ab 15.301 Euro angeboten (alle Preise exklusive Mehrwertsteuer). Das Resultat: Laut einer Auswertung von Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) in Bochum, verliert Porsche stetig an Verkäufen in China.
Einige weitere Beispiele für beliebte Modelle, die in China laut Dudenhöffer deutlich günstiger sind als in Deutschland:
  • BYD Atto 3 (in Deutschland 147 Prozent teurer)
  • BYD Dolphin (in Deutschland 162 Prozent teurer)
  • MG 4 (in Deutschland 103 Prozent teurer)
  • VW ID.4 (in Deutschland 101 Prozent teurer)
  • Tesla Model 3 (in Deutschland 38 Prozent teurer)

EU-Zölle steigern E-Auto-Preise künstlich

Dass chinesische Elektroautos in Deutschland nicht signifikant oder überhaupt nicht günstiger sind als andere Modelle, wird wesentlich durch Zölle der EU herbeigeführt. Darüber hinaus passen viele chinesische Hersteller ihre Preise dem Niveau des europäischen Markts an.
Sollte dieses Konzept jedoch irgendwann kippen, dann könnte zwar die Wende zu den E-Autos schneller herbeigeführt werden, doch der enorme Preiskampf würde dann auch hierzulande Einzug halten. Der ist für Kunden zwar erfreulich, für Hersteller wirtschaftlich aber gefährlich. Ein echter Preisrutsch könnte die Margen weiter unter Druck setzen und damit vor allem die hiesigen Hersteller treffen, die ohnehin schon mit hohen Kosten und schwacher Nachfrage kämpfen.

Produktionskosten in China wesentlich günstiger

Doch die Preise werden in China nicht bloß künstlich gedrosselt, es gibt auch einige praktische Gründe. So ist die Herstellung der Batterien, die bis zu 40 Prozent der Fahrzeugkosten ausmachen können, vor Ort wesentlich günstiger, denn China ist Vorreiter und hat weltweit die größten Werke für Lithium-Ionen-Batterien.
Und nicht nur die Herstellung der Batterien, auch die gesamte Fahrzeugproduktion ist in China wesentlich günstiger. Zudem profitieren chinesische Hersteller teilweise von Subventionen der chinesischen Regierung für die Elektroauto-Produktion. Erst wenige Elektrofahrzeuge deutscher Marken werden in China produziert. Ein Beispiel dafür ist der BMW iX3.
Aktuell findet der starke Preiskampf noch in China statt. Doch sollte sich beispielsweise bei den Regelungen zu Zöllen der EU etwas ändern, so könnten die Elektroautos aus China auch hierzulande wesentlich günstiger werden – was deutsche Hersteller in die Bredouille bringen könnte.