VW T3 syncro: Test
Kultiges Reisemobil: Der VW-Alleskönner T3 syncro

Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Nicht nur aufgrund seiner Abmessungen ist der syncro-T3 in den 80ern die große Ausnahme. Als originale 16-Zoll-Ausführung mit optionalem Sechszylinder-Boxer des VW-Tuners Oettinger besitzt er Exotenstatus. Sogar feine Accessoires wie elektrische Fensterheber und Außenspiegel, Tempomat, eine praktische Standheizung und zuschaltbare Differenzialsperren hat er. Mehr Geld ließ sich 1989 bei Volkswagen nicht ausgeben.
Während der Delta HF 4WD die nächste Rallye und der Audi 90 quattro den Alltag gewinnen will, empfiehlt sich der Allrad-Bulli als Expeditionsmobil und Mehrzweckauto. Er bietet mindestens fünf Sitzplätze, genug Raum für Gepäck oder zum Übernachten, zieht Boote zum Wasser oder Baumstämme aus dem Wald und stellt bei der Parkplatzsuche in der City keine besonderen Ansprüche.
Wenn es irgendwas zu mäkeln gäbe, dann dass es eine halbe Ewigkeit dauert, bis das XXL-Schiebedach vollständig aufgekurbelt ist und das Vollplastikarmaturenbrett aussieht wie bei jeder normalen Handwerker-Pritsche. Glamour ist das nicht. Trotzdem: Brauchte es nur ein Auto zum Leben, käme der T3 syncro dem Ideal wohl am nächsten.
4x4-Nachzügler VW
Serienmäßigen Allradantrieb gibt es bei Volkswagen, lässt man die Vorkriegsproduktion außen vor, erst seit 1984. Der Passat B32 war der erste VW mit dem Beinamen syncro. Beim T3 holten die Entwickler Steyr-Puch ins Boot. Ab 1985 liefen in Graz Allrad-Bullis vom Band, 1990 kam noch der ähnlich konzipierte Golf Country dazu. Vom Antrieb mit Motor und 4+G-Getriebe im Heck führt eine Kardanwelle nach vorne. Wichtigstes Bauteil: die Viscokupplung im vorderen Differenzial. Bei Schlupf lässt das System den Vorderrädern bis zu 100 Prozent Antriebskraft zufließen. Und wenn das nicht reicht, wartet – als wäre es ein traditionelles Sportgetriebe – unten links noch der Geländegang "G", der mit 6,03 über die gleiche Übersetzung wie der Rückwärtsgang verfügt. Damit fährt der eckige T3 auch Hauswände hoch.

Gerade Linien, jede Menge Plastik, ein halbmeterlanger Schalthebel – alles typisch T3.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Weil tiefer, lockerer Sand und normale Hänge den Bulli nicht ausreichend fordern, gehen wir im Gelände steil. Wo der Toyota am Ende des Anstiegs passen muss, schiebt sich der T3 mit seinem verstärkten 16-Zoll-Fahrwerk gleichmütig noch weiter hinaus über Geröll und Felsbrocken ganz nach oben. Er hüpft und bockt dabei nicht, sondern spielt souverän die Vorteile von Einzelradaufhängung und langen Federwegen aus. Dafür braucht es so gut wie nie G-Gang oder Sperren. Viscokupplung und Sechszylinder, der in jeder Lebenslage viel Kraft auf die Hinterräder bringt, reichen aus. Der Bus als Geländewagen, als ernst zu nehmender Offroader – da ist es wieder, das Mehrzweckmobil T3 syncro.
Exkurs Oettinger
Zeitgleich mit dem Golf syncro präsentierte der Tuner auf der IAA 1985 den Sechszylinder-Wasserboxer wbx 6. Volkswagen hatte das auf dem 2,1-Liter-Vierzylinder basierende Projekt angeschoben und kurz vor Schluss, als die zu erwartenden Stückzahlen zu gering erschienen, an den Okrasa-Gründer Gerhard Oettinger weitergereicht. Der brachte die Entwicklung in Eigenverantwortung zu Ende und brachte den wbx 6 in Kleinserie. Bei einem Hubraum von 3,2 Litern leistete die auf Normalbenzin ausgelegte N-Version 140 PS, die schärfere S-Variante 165 PS. Zwei Jahre später erschien die letzte Ausbaustufe mit 3,7 Liter Hubraum und 180 PS. Spitze: 181 km/h. Mit optimierter Bremsanlage und optionaler Dreistufenautomatik standen bei Kauf eines 3,7-Liter-Motors 48.000 Mark auf der Rechnung – eine handelsübliche T3-syncro-Doka kostete 1989 knapp 37.000 Mark. Kein Wunder, dass Oettinger bis 1990 nur rund 700 Sechszylinder verkaufte.

Das serienmäßige Plus an Bodenfreiheit und eine optionale Seil-winde machen diesen T3 zum ernst gemeinten Gelände-Bulli.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Ein Hochdrehzahl-Triebwerk ist der wbx 6, der zwar tiefer und bassiger, aber doch eindeutig nach T3 klingt, nicht: Die Höchstleistung liegt bei 5000/min an. Die große Stärke des High-End-Boxers ist das satte Drehmoment von 230 Nm bei 3600/min. So sanft und cremig serviert der Sechszylinder seine 140 PS, dass sich der kantige Bus auf der Landstraße nach oberer Mittelklasse anfühlt. Vom Allradantrieb profitiert auch der Geradeauslauf. Dass sich der Oettinger-syncro im Schnitt um die 16 Liter Super einschenkt, ist Teil des Erlebnisses – ein Range Rover säuft ja auch nicht weniger. Aber es braucht keinen Offroader, um auf jedem Untergrund souverän und sicher unterwegs zu sein. Zum Glück gibt's ja längst Allrad für alle!
Plus/Minus
Der T3 syncro ist die logische Weiterentwicklung einer Idee, die beim Vorgänger T2 nie in Serie ging. Aus dem offiziellen Allrad-Entwicklungsauftrag der späten Siebzigerjahre wurde 1985 der bei Steyr-Puch in Graz gebaute T3 syncro, den es in den Ausführungen 14 Zoll und 16 Zoll gab – und die unterschieden sich durch mehr als nur durch die Größe der Räder.
Die entscheidenden Differenzen stecken im Blech und im Fahrwerk. Im Gegensatz zum normalen syncro besitzt die 2138-mal gebaute 16-Zoll-Version geänderte Radausschnitte, eine an vielen Stellen verstärkte Karosserie (B-Säule, Stoßdämpferaufnahmen et cetera) und Unterfahrschutz. Viele Verstärkungen gehörten beim optionalen T3-Schlechtwegepaket zum Lieferumfang, andere gab es nur beim 16-Zoll-syncro.

Ein syncro mit 16-Zoll-Rädern gilt als maximale T3-Ausbaustufe. Kommt noch ein Sechszylinder des VW-Tuners Oettinger dazu, haben Fans Tränen in den Augen.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Auffälligste, auch für Laien sofort erkennbare Änderung: der vom Vorderrad- zum Hinterradkasten verlegte Tankeinfüllstutzen. Längere Hinterachsschwingen, massivere Antriebswellen, größere Bremse, eine hintere Differenzialsperre und geänderte Getriebeuntersetzung sind beim 16-Zoll-syncro Standard. In der Summe seiner Teile ist der "große" syncro also viel mehr als nur ein höhergelegter T3 – das macht ihn begehrenswert, teuer und komplizierter in der Ersatzteilversorgung. Vorsicht: Aufgrund der tadellosen Geländeeigenschaften wurden viele syncro gnadenlos rangenommen.
Rosten tut der syncro wie jeder andere T3 vor allem in den Falzen der Karosserie, am Scheibenrahmen und rund um die Schiebetür, auch die Hinterachsschwingen sind bei verstopften Ablauflöchern häufig betroffen. Als erste Motorwahl gilt der wassergekühlte 2,1-Liter-Boxer, der an rostenden Wassermanteldichtungen und Zylinderköpfen leidet. Saug- und Turbodiesel sind überlastet, Oettinger-Sechszylinder spielen in einer eigenen Liga. Einen syncro sollte nur kaufen, wer wirklich einen gebrauchen kann.
Marktlage
Ein syncro ist T3-Ober-, ein 16-Zoll-syncro Königsklasse. Liegen schon die Preise von syncro-Modellen rund 25 Prozent über denen vergleichbarer T3 ohne Allradantrieb, kommt beim 16-Zoll-Bus noch ein Zuschlag obendrauf. Wegen der kleinen Stückzahl ist das Angebot an syncro 16" deutlich geringer. Gute echte 16-Zoll-Fahrzeuge kosten ab 30 000 Euro aufwärts – ist noch ein Oettinger-Motor verbaut, geht es um Liebhaberpreise. Viel leichter und günstiger ist der allradgetriebene Nachfolger T4 zu finden. Wie wär’s damit?
Ersatzteile
16-Zoll-Räder gebe es zwar gerade keine, sagt T3-syncro-Besitzer Jan Petersen, aber wenigstens wieder passende Bremsscheiben (195 Euro). Radlaufverbreiterungen (699 Euro) werden in den USA und der "Südafrika"-Kühlergrill bei VW Classic reproduziert. Ein Schräglenker hinten kostet 735 Euro, ein Gleichlaufgelenk 70 und ein syncro-Aufkleber 10 Euro. Auspuffhalter und Abgaskrümmer für Wasserboxer gibt es für 45 beziehungsweise 125 Euro.
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