Die eigene Strom-Tankstelle vor der Tür: Was in Zeiten der Abhängigkeit von Tankstellen noch wie ein Märchen klang, ist im Zeitalter der Elektromobilität real. Denn mit einer Wallbox lädt man sein E-Auto schnell, bequem und sicher direkt vor der Haustür auf.

Diese Wallboxen schnitten im Test mit "gut" ab:

Test 2022: Wallboxen

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
go-eCharger HOMEfix 11 kW
1,8
1.
Wallbox Chargers Commander 2
1,8
3.
ABB Terra
1,9
3.
Easee Home
1,9
5.
ABL Wallbox eMH2
2,0
5.
Innogy eBox Smart
2,0
5.
LRT Home Essential Plus
2,0
8.
Heidelberg Wallbox Energy Controll
2,2
9.
KEBA KeContact P30
2,3
10.
Mennekes AMTRON Charge Controll
2,4
11.
Alfen Eve Single S-Line
5,0
11.
PC Electric Wallbox GLB
5,0
So ein Wandanschlusskasten kann – je nach Bauart – den Akku vom Elektroauto mit bis zu 22 kW Ladeleistung auffüllen. Das geht fünf- bis zehnmal so schnell wie mit einfachem Haushaltsstrom. Eine Wallbox ist auch deshalb besser, weil das Laden am Schukostecker Gefahren birgt; aufgrund hoher Ladeverluste ist das Stromtanken an der Haushaltssteckdose mit so geringer Ladeleistung auch reine Geldverschwendung.
Die Wallbox ist also viel mehr als eine Außensteckdose – aber es erfordert auch mehr Aufwand, sie zu installieren. Dennoch lohnt sich eine Wallbox immer, aus Gründen der Sicherheit und des Komforts!
Doch bevor der eigene Stromkasten an der Wand hängt, kann viel schiefgehen. AUTO BILD verrät die sechs größten Fehler beim Wallbox-Kauf!

1. Zu dünne Kabel installiert

Axel Nieber ist fassungslos: Der Hamburger wollte eine Wallbox in seiner Garage installieren lassen – doch die alten Leitungen schaffen die Ladeleistung der Box nicht.
"Ein normales Haushaltsstromkabel ist zu dünn", sagt sein Elektriker Christian Schakulat. Gefahr durch Überhitzung! Viele machen das falsch: Wallbox bestellt, Handwerker geholt – und dann droht eine dicke Rechnung! Rund 120 Euro pro Meter kostet es, passende Erdkabel zu verlegen, so Schakulat. Bei Niebers Eigenheim wären es rund 3600 Euro!
Der Hamburger würde jetzt gern die Wallbox vergessen und wieder Benziner fahren. Problem: Sein Mini Electric ist schon bestellt! "Beim Autohaus hieß es, ich könne den Wagen doch auch an einer normalen Steckdose aufladen", so Nieber. Doch abgesehen davon, dass sich der Ladevorgang dort zwölf Stunden dahinschleppt, besteht erneut die Gefahr der Überhitzung: "Haushaltssteckdosen sind nicht für solche Dauerbelastung ausgelegt", so Elektriker Schakulat.
Wallboxen - KFW Prämien
Der Elektriker sollte sich die Installation im Haus vor Kauf des Autos und der dazugehörigen Wallbox ansehen.

2. Die Mehrkosten für die Elektrik vernachlässigen

Wallbox, Elektriker, Termin – fertig? Leider nein: Eine Wallbox ist mehr als nur ein Hochleistungs-Bauteil wie der E-Herd, das ein Fachmann mal so eben mit der Haus-Elektrik verbindet.
Denn auch im Haushalt müssen Vorbereitungen getroffen werden, das verlangt zusätzliche Hardware und Arbeitszeit. Ist die Starkstrom-Vorbereitung nicht vorhanden, benötigen Sie einen Verteilerschrank und einen FI-Schutzschalter. Für Teile und Einbau sind zwischen 600 und 1000 Euro fällig. Der Schalter ist allerdings bei den meisten Wallboxen bereits eingebaut. Vor dem Kauf prüfen!

Charge Amps Halo - Vattenfall Wallbox
Clevere suchen das Wallbox-Modell der Wahl am besten als Erstes auf der Förderliste der KfW-Bank.

3. Einbau-Position nicht gründlich durchdenken

Die Wallbox sollte immer unter Dach angebracht werden. Der beste Ort für eine Wallbox ist der Carport oder die Garage.
Zwar sind hochwertige Ladestationen zumeist wetterfest oder können mit zusätzlichem Zubehör wetterfest gemacht werden, aber für spätere Wartungsarbeiten und den täglichen Umgang empfiehlt sich eine geschützte Einbauposition. Wie stabil eine Wallbox gebaut ist, sagt die IP-Schutzklasse aus, die Teil der technischen Daten sein sollte. Standard sollte IP44 sein, dann ist Ihre Wallbox nicht nur gegen Stöße und Schläge, sondern auch gegen Spritzwasser geschützt. Extrem billige Produkte von No-Name-Anbietern sollten Sie gründlich prüfen!

4. Auf öffentliche Förderung verzichten

Es kann sich lohnen, nach Zuschüssen für die eigene Elektroauto-Tankstelle zu suchen.
Zwar ist die KfW-Förderung von Wallboxen zum November 2021 ausgelaufen, weil der Fördertopf leer war. Doch es gibt auf Landes- und Kommunal-Ebene lokale Förderung für Elektroautos und Lade-Infrastruktur, die zum Teil auch für Wallboxen genutzt werden kann. Daher sollten Sie unbedingt vor dem Kauf einer Wallbox prüfen, ob Sie die Förderkriterien erfüllen.

Eine förderfähige Wallbox darf nicht öffentlich zugänglich sein und sollte nur von bestimmten Personen genutzt werden können.

5. Die falsche Ladeleistung auswählen

Wallbox ist nicht gleich Wallbox: Es gibt Ladestationen für einphasiges Laden, die mit 4,6 kW laden. Aber das dauert. Bis zu 22 kW sind möglich, allerdings kann die nicht jeder gebrauchen.
Wichtig zu wissen: Die Wallbox-Förderung der Bundesregierung, die über die KfW bis zu 900 Euro pro Wallbox-Kauf und -Einbau bereitstellte, ist am 27. Oktober 2021 ausgelaufen. Doch damit wurden nur Wallboxen bis elf kW Ladeleistung gefördert.
Wer also nicht warten will, bis es möglicherweise irgendwann eine neue Förderung gibt, hat nun die freie Auswahl: Es gibt auch diverse Ladestationen, die bis zu 22 kW Ladeleistung anbieten. Das heißt: nahezu doppeltes Ladetempo. Ein Audi e-Tron 55 etwa lädt den 95-kWh-Akku an einer "kleinen" Wallbox in etwa achteinhalb Stunden, an einer "großen" in rund fünf Stunden voll.
Allerdings kann nicht jedes E-Auto mit 22 kW laden – prüfen Sie daher vor dem Kauf der Wallbox, was möglich und sinnvoll ist. Überdies muss eine Wallbox mit 22 kW vom Netzbetreiber vor dem Einbau genehmigt werden – siehe Punkt 6.

6. Keine Genehmigung vom Netzbetreiber einholen

Egal wie groß Ihre Wallbox ist: Sie müssen den Netzbetreiber darüber informieren, dass Sie ab dem Tag x ihr Elektroauto regelmäßig laden.
Das kann meist ganz einfach online über die Kontakt-Funktion auf dessen Website erfolgen. ACHTUNG: Der Netzbetreiber ist nicht dasselbe wie der Stromlieferant – den können Sie wechseln, den Netzbetreiber nicht. So finden Sie Ihren Netzbetreiber heraus: Ein Blick auf die Jahresabrechnung oder auf den Stromzähler genügt. Zumeist sind es die lokalen Stadtwerke. Wichtig: Planen Sie eine Wallbox mit 22 kW, muss der Netzbetreiber die Nutzung genehmigen.

Von

Roland Wildberg