Wasserstoffauto Hyundai ix35 FCEV: Streit um Defekt beigelegt
Streit um 104.000-Euro-Rechnung für H2-Auto findet gutes Ende

Um ein defektes Wasserstoffauto, dessen Reparatur 104.000 Euro kosten sollte, gab es einen Riesen-Streit. Würde der Besitzer auf den Kosten sitzen bleiben? Nun fand der Streit mit Hyundai ein gütliches Ende.
Bild: Hersteller
Das Drama um den Wasserstoff-Hyundai, dessen defekte Brennstoffzelle im Austausch knapp 104.000 Euro kosten sollte, ist beigelegt: Hyundai hat dem Eigentümer sein defektes Auto abgekauft. Zuvor war über Monate korrespondiert worden. Anfangs hatte der Hersteller die Rücknahme verweigert, weil das H2-SUV Hyundai ix35 schon weit außerhalb der Garantie war.
Wie kam es zu dem Wasserstoff-Streit? Till Westberg, IT-Unternehmer aus Hessen, hatte den Hyundai ix35 als jungen Gebrauchtwagen gekauft. Nach sieben problemlosen Jahren und gerade mal 84.000 km Laufleistung streikte die Brennstoffzelle. Ein Defekt wie aus heiterem Himmel. Westberg ließ seinen Kompakt-SUV zur Vertragswerkstatt schleppen und bekam einen Kostenvoranschlag für die Reparatur: 103.764,17 Euro!
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Wie war diese unglaubliche Summe möglich? Der IT-Berater fuhr eben ein besonderes Auto: Der Hyundai ix35 FCEV ist einer der ersten Serien-Pkw mit Wasserstoffantrieb, und dessen wichtigstes Bauteil ist die Brennstoffzelle. Darin wird Wasserstoff aus einem Tank an Bord mit Sauerstoff aus der Luft zusammengebracht. So entsteht Wasser – und elektrischer Strom, der einen Elektromotor antreibt.
Brennstoffzellenantrieb: hohe Reichweite, keine schweren Batterien
Viele halten den Brennstoffzellenantrieb für die Technik der Zukunft, weil sie ohne zentnerschwere Traktionsbatterien auskommt. Auch Westberg war von Anfang an begeistert: "Der Wagen beschleunigte zügig, fuhr fast geräuschlos und kam 450 bis 500 Kilometer weit – super alltagstauglich."

Der Preis des Fortschritts: Allein für die neue Brennstoffzelle des ix35 berechnet Hyundai 84.875 Euro (netto).
Bild: privat
Der Unternehmer aus dem hessischen Bad Homburg begeistert sich für technische Innovation, und hat den Umweltschutz im Sinn. "Es gibt bessere Lösungen als den Verbrennungsmotor", so seine Einschätzung. Daher liebäugelte der Hesse schon lange mit alternativen Autoantrieben, bevor er zum Jahreswechsel 2015/2016 seinen Hyundai ix35 FCEV für 50.200 Euro als Tageszulassung erstand.

Hohe Reparaturkosten sowie die ungewisse Lebensdauer der Brennstoffzelle bergen ein hohes Risiko für Wasserstoff-Fans wie Till Westberg.
Bild: privat
Den anfänglichen Mangel an Wasserstoff-Tankstellen überbrückte Westberg geduldig und fuhr anfangs sogar ins 114 Kilometer entfernte Würzburg, nur um die Drucktanks aufzufüllen.
Die Reichweite spielt im Mobilitätsprofil des Unternehmers eine wichtige Rolle: Für seine Kundenbesuche benötigt er einen großen Aktionsradius. "Vorher hatte ich einen Toyota Prius Plug-in, aber dessen elektrische Reichweite ist zu gering."
So funktioniert eine Brennstoffzelle
In einer Brennstoffzelle reagiert ein Brennstoff – in diesem Fall Wasserstoff – mit Sauerstoff. Durch eine katalytische, chemische Reaktion wird elektrische Energie frei. Der entstehende Strom, der beim Wechsel durch eine gasdurchlässige Membran entsteht, ist für Elektromotoren nutzbar, und speist meist auch einen kleinen Pufferakku. Ein Brennstoffzellen-Auto ist also ein E-Auto – nur hat es als Energiespeicher keinen Akku, sondern einen Drucktank, in dem Wasserstoff mit 700 bar gespeichert wird. Vorteil: große Gewichtsersparnis und schnelles Tanken. Nachteil: Derzeit gibt es in Deutschland nur 91 Wasserstoff-Tankstellen.
Aber auf einmal hatte sein Hyundai gar keine Reichweite mehr: Das Auto war von einem Tag auf den anderen mausetot, beim Starten erschien eine Störungsmeldung. Westbergs Argument, dass Hyundai das in seinen Augen nicht serienreife Auto zurücknehmen müsse, wollte der Hersteller nicht gelten lassen. Er verwies darauf, dass die 5-Jahres-Herstellergarantie längst abgelaufen war.
Reparatur des Hyundai ix35 FCEV wirtschaftlich sinnlos
Auf Anfrage von AUTO BILD räumte Hyundai schließlich ein, dass "eine derartige Reparatur wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist". Als Erklärung schob der Hersteller die Seltenheit des Modells vor. Der ix35 sei "ein Pionier der Brennstoffzellentechnologie", so Hyundai. Die Baureihe entstand zwischen 2013 und 2018 in einer Manufaktur. "Bei den Stückzahlen war man weit von denen klassischer Antriebe entfernt, was den Preis in die Höhe trieb." Zur Markteinführung 2013 erwähnte ein Manager, dass man vorläufig nicht ans Geldverdienen denke. Insgesamt wurden um die 1000 Exemplare zugelassen.
Toyota Mirai: Kunden werden in Watte gepackt
Prof. Dr. Birgit Scheppat, Expertin für Brennstoffzellen an der Hochschule Rhein-Main, beschäftigt sich auch mit Wasserstoffautos wie dem Hyundai ix35 FCEV: "Die Technologie ist nicht kritisch, aber es gibt natürlich Montagsautos", meinte sie gegenüber AUTO BILD. Zugleich verlaufe die Entwicklung so rasant, dass Produkte sehr schnell veralteten.

Autos mit Brennstoffzelle – hier der Toyota Mirai aus dem AUTO BILD-Dauertestfuhrpark – tanken Wasserstoff gasförmig an speziellen Tankstellen.
Bild: Michael Gebhardt
Für Brennstoffzellen wie diejenige im ix35 gebe es kaum Bauteile, weil die Technik so gewaltig fortgeschritten sei. "Für die Kunden ist das hart." Scheppats Empfehlung: Hersteller sollten sehr kulant sein und die Fahrzeuge bei Schäden im Antriebsstrang zurückkaufen. Ein positives Beispiel sei Toyota mit dem Brennstoffzellen-Modell Mirai: "Die packen ihre Kunden in Watte."
Im Fall von Till Westberg hat Hyundai schließlich "eine kulante Alternative" gefunden. Zudem betonen die Koreaner, dass der
Nexo als Nachfolger des ix35 FCEV nicht mehr in Handarbeit gebaut werde, sondern "seit 2018 in einer eigenen Fertigungsstraße in Serie produziert wird". Mit dem Rückkauf ist die Sache erledigt. Details zum Rückkaufpreis wurden leider nicht publik.
Nexo als Nachfolger des ix35 FCEV nicht mehr in Handarbeit gebaut werde, sondern "seit 2018 in einer eigenen Fertigungsstraße in Serie produziert wird". Mit dem Rückkauf ist die Sache erledigt. Details zum Rückkaufpreis wurden leider nicht publik.
Mittlerweile gibt es auch für das Nachfolgermodell Nexo die Brennstoffzelle als Ersatzteil – für netto 41.650 Euro. Sie ist laut Hyundai auf eine Haltbarkeit von zehn Jahren oder 5000 Betriebsstunden ausgelegt. Das ist der Preis des Fortschritts. Käufer sollten ihn kennen.
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