Wohnmobil-Test: VW Caddy Maxi Tramper/Vario Perfect 1200
Camping der Extreme

Ein VW Caddy Maxi Tramper für rund 40.000 Euro oder der Luxusliner Vario Perfect 1200 für 1,2 Millionen – wer hängt hier wen ab? Ein nicht ganz ernst gemeinter Konzeptvergleich der Superlative.
Eins Komma zwei Millionen? Ich schlucke und überschlage schnell den Quadratmeterpreis: 36.000 Euro! Dafür bekomme ich ja fast ein kleines Luxus-Apartment in New York. Vor mir steht eine automobile Schrankwand. Zwölf Meter lang, 2,50 breit und mehr als doppelt so hoch wie ich. "Wenn du so ein Wohnmobil fährst, musst du schon etwas Arsch in der Hose haben", schmunzelt Heiko Hülsmann (42). Der Verkaufsleiter von Variomobil erzählt, wie er mit einem ähnlichen Modell mal am Hockenheimring vorfuhr und dort von den Campingnachbarn mit blanken Hintern begrüßt wurde: "Nachdem ich eine Runde Bier ausgegeben hatte, waren aber alle Vorurteile vom Tisch."
Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile
Omnibus-Basis: Lkw-Führerschein ist beim Perfect 1200 Pflicht

Verflixt, ist das eng: Aber der Vario ist für seine Maße erstaunlich rangierfähig. Sein Wendekreis beträgt 20,2 Meter.
Bild: Markus Heimbach
Lesen Sie auch: Wohnmobile XXL – Camping in den USA
Mit aller Kraft öffne ich die 90-Kilo-Tür auf der Beifahrerseite und steige in eine mir neue Camping-Welt. Durch meine Socken spüre ich die Warmwasser-Fußbodenheizung unter dem cremefarbenen Granitboden. Meine Finger streichen über das weiche weiße Leder der elektrisch verstellbaren extrabreiten Sessel und entlang dem glatten Edelholzfurnier aus amerikanischem Nussbaum, das alle Wände kleidet. Die Küche kann es mit meiner zu Hause allemal aufnehmen: Induktionsherd, 190-Liter-Kühlschrank, Miele-Mikrowelle mit Heißluftgrill, Nespressoautomat und dazu auch noch eine kleine Glasvitrine für hübsches Kristall samt dazugehörigen Alkoholika. "Wir bauen auf Wunsch auch eine Spülmaschine ein", sagt Hülsmann.
Ein Quadratmeter Luxusliner kostet so viel wie ein ganzer Caddy

So sieht es im VW Caddy Maxi Tramper aus: Die 1,10 Meter breite Matratze ist nur halb so dick wie die des Luxusliners, aber gemütlich.
Bild: Markus Heimbach

Das Bett im Vario Perfect misst 1,60 Meter, darüber gibt's einen Baldachin mit dimmbarem Sternenhimmel. Dazu: Mehr Fernsehprogramme als daheim und alles in HD.
Bild: Markus Heimbach
In der Garage wartet der Mini Cooper auf seinen Einsatz
Der wahre Knaller wartet aber ein Stockwerk tiefer: die Garage samt Mini Cooper. Hülsmann: "Einer unserer Kunden mischt sich dafür gern unter die Menschentraube, die so ein Wohnmobil zwangsweise auf jedem Campingplatz anzieht. Unauffällig drückt er dann auf die Fernbedienung in der Hosentasche und guckt zu, wie die elektrische Rampe samt Kleinwagen unter staunenden Blicken rausfährt. Zum Schluss löst er sich aus der Masse, steigt in den Mini und fährt davon." Tollstes Gimmick, das der Caddy entgegensetzen kann, ist ein Parklenkassistent, der das Auto eigenständig einparken lässt. "Eins! Komma! Zwo! Mio!", zuckt es wieder durch meinen Kopf. Wie viele Luxussuiten kann ich mir dafür wohl leisten? Auch in letzter Minute und mit Meerblick? Doch den Besitzern solcher Prunk-Liner geht es um mehr als nüchterne Zahlen. Sie verfolgen ein Lebensmodell. Vielleicht ist das der einzige gemeinsame Nenner dieser zwei Extreme.
Wie luxuriös das Vario-Wohnmobil im Detail ausgestattet ist, und was der kleine Caddy im Vergleich zu bieten hat, zeigen wir in der Bildergalerie.
Service-Links