Ergebnisse: Xenonlampen im Test

Ergebnisse: Xenonlampen im Test

Xenonbrenner: Test

Vorsicht vor No-Name-Xenonbrennern

AUTO BILD hatte zwölf Xenonlampen vom derzeit meistverkauften Typ D1S im Labortest. Teilweise lieferten die Brenner erschreckende Ergebnisse!
Irgendwann fällt es auf: Das Licht wirkt dunkler, entgegenkommende Autos blinken manchmal auf. Diagnose: Lampenausfall. Das passiert auch bei Autos mit Xenonscheinwerfern, die – bis zur Ablösung durch LED-Leuchten – vor Kurzem noch das Nonplusultra in Sachen Licht darstellten. Rund 3000 Stunden sollen Xenonbrenner halten, abhängig auch von der Einschalthäufigkeit. Irgendwann wird der Lichtbogen zwischen den beiden Elektroden dunkler oder zündet überhaupt nicht mehr. Der meistverkaufte Brenner-Typ heißt D1S. Er passt für viele Pkw, die ab Mitte der 1990er-Jahre bis ca. 2010 gebaut wurden. Dann folgten die quecksilberfreien Typen D3 und D4. AUTO BILD hat zwölf Xenonlampen des Typs D1S getestet.

Test: Billig-Xenonbrenner können Schäden verursachen

Das Angebot an Xenonbrennern vom Typ D1S ist unüberschaubar, alle Hersteller versprechen hellstes Licht und längste Lebensdauer. Halten sie das ein? Wir prüfen's nach und schicken sechs preiswerte Angebote aus Onlineshops sowie etablierte Markenware zum Vergleich ins Labor. Die ersten Probleme gibt es bei den Modellen von Car Auto, RPC, Diamond und Gread schon vor dem Einschalten: Der genormte Stecker der Stromversorgung passt nicht in die unpräzise gefertigten Anschlüsse. Nur mit viel Kraft kann Messingenieur Markus Zahn ihn hineindrücken. In der Realität sind dann Schäden am Scheinwerfer programmiert, denn so droht Bruch an den empfindlichen Aufhängungen der beweglichen Reflektoren. Womit zum ersten Mal die Frage auftaucht, wie die Gread ihre ECE-Zulassung bekommen konnte. Die anderen drei genannten haben gar keine, was ihre Benutzung auf öffentlichen Straßen illegal macht, zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und damit zum Verlust des Versicherungsschutzes führt. Warum wir sie trotzdem testen? Weil sie frei verkäuflich sind und der Kunde von der notwendigen Zulassung im Zweifel nichts weiß.
# Xenonbrenner im Test Zum Angebot
1.

Osram Xenarc Cool Blue Intense NG

Preis*: 93,95 Euro

Testurteil: sehr gut

2.

Osram Xenarc Night Breaker Laser

Preis*: 107,77 Euro

Testurteil: sehr gut

3.

Philips Whitevision Gen2

Preis*: 99,99 Euro

Testurteil: sehr gut

4.

Osram Xenarc Original

Preis*: 77,98 Euro

Testurteil: sehr gut

5.

Philips X-Tremevision Gen2

Preis*: 99,00 Euro

Testurteil: sehr gut

6.

Philips Vision

Preis*: 91,30 Euro

Testurteil: gut

*Einkaufspreis des Testprodukts

Viele No-Name-Lampen ohne Zulassung

Auch die Lampensockel lassen die Experten staunen: Diese sind eigentlich für den Typ genormt, sodass jedes Leuchtmittel nur in Scheinwerfer eingebaut werden kann, die damit auch homologiert wurden. Car Auto, RPC, Gread und auch Kiwitecc besitzen jedoch Sockel mit einer Vielzahl von Aussparungen und Nasen, lassen sich so auch in Scheinwerfer für D2-, D3-, oder D4-Lampen setzen. Sinn ergibt das nicht. Und so taucht die Frage auf, wie die Kiwitecc zu ihrem Prüfzeichen kam? Und zu welchem? Denn online wird die Kiwitecc mit einer E1-, also deutschen Zulassung beworben. Auf der Lampe findet sich jedoch ein E4-Stempel aus Holland. Dann die nächste Überraschung: Vor der lichttechnischen Untersuchung wird jede Lampe zwölf Stunden in einem definierten Zyklus von Ein- und Ausschaltvorgängen "eingebrannt". Die Kiwitecc beginnt beim ersten Anknipsen zu stinken. Ursache können Produktionsrückstände sein oder ausgasende Beschichtungen. Das Problem: Diese können sich im Scheinwerfer niederschlagen, ihn von innen erblinden lassen und so die Helligkeit erheblich mindern.

Was sind das für Schatten? Der Scheinwerfer leuchtet auf eine weiße Wand, dabei fallen Fehler sofort auf.

©Ralf Timm / AUTO BILD

Wobei man bei einigen Kandidaten das Wort "Helligkeit" ohnehin in Anführungsstriche setzen sollte. Fürst der Finsternis ist die Gread, die nur etwa halb so hell ist wie die guten Markenlampen. Damit nicht genug: Zwischen der ersten Messung frisch aus dem Karton und der zweiten nach zwölf Stunden büßt sie weitere 2,2 Prozent Helligkeit ein. Die Philips X-treme dagegen legt während des Einbrennens um 18,4 Prozent zu! Und liefert so auch die größte Reichweite im Test. Die Ein-Lux-Linie (Lux: Maßeinheit für Beleuchtungsstärke) liegt bei ihr 123 Meter vor dem Fahrzeug. Bedeutet: In dieser Entfernung lässt sich noch Zeitung lesen. Oder ein Hindernis auf der Fahrbahn erkennen. Mit der Gread im Scheinwerfer wird es erst 38 Meter, oder (bei Tempo 100) 1,4 Sekunden später sichtbar. Doch die billigen Lampen haben auch ihr Gutes: Wo kein Licht ist, kann auch nichts blenden – immerhin. Aber auch die strahlenden Sieger halten dabei ausreichend Abstand von den zulässigen Grenzwerten.
Bleibt die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis. 5,99 Euro sind jedenfalls zu viel für ein Paar Lampen, das keine Zulassung hat und zu wenig Licht gibt. Fast schon skandalös: 50 Euro für die Diamond, die nichts besser kann. Dagegen wirken dann 28 Euro mehr für die ausgezeichnete Standardlampe von Osram wie ein Sonderangebot. Damit holt sich die "sehr gute" Osram Xenarc Original den Titel Preis-Leistungs-Sieger.

Die Reichweite macht den Unterschied

Die guten Lampen im Test schaffen eine Reichweite von bis zu 123 Metern, die schlechteste gerade mal 85 Meter. Letzteres ist weniger als bei Halogenlampen, selbst die angejahrte H4-Technik erreicht über 100 Meter. Bedeutet: Hindernisse werden mit solchen Murkslampen deutlich später erkannt, der Vorteil der Xenonscheinwerfer – hohe Reichweite, homogene und helle Ausleuchtung – kommt gar nicht zum Tragen.
Fazit zum Xenonbrenner-Test: Scheinwerfer sind optische Präzisionsgeräte, entsprechend sorgfältig sollte man damit umgehen. Auch bei der Auswahl der richtigen Lampe. Gerade beim Xenonlicht zeigt sich wieder, dass nur die großen Marken diese Technik beherrschen.

Testsieger: die beste Xenonlampe im Test

Das insgesamt beste Ergebnis schafft die Osram Xenarc Cool Blue Intense NG mit 53 von 55 möglichen Punkten. Sie erzielt sowohl bei den Messungen von Lichtstrom, Geometrie und Helligkeit Bestwerte. Lediglich in der Reichweite und bei der Blendung muss sie jeweils einen Punkt lassen. Das reicht aber immer noch für die Note "sehr gut" und den Sieg. Wenn auch ein knapper Sieg, denn die anderen Marken-Brenner sind mit 52 bzw. 51 Punkten ebenfalls der Bestnote dicht auf den Fersen. Mit einem Preis von 93,95 Euro pro Paar ist sie im Vergleich zu anderen Markenprodukten fast schon günstig – für den Preis-Leistungs-Sieg reicht das aber nicht.

OSRAM

Xenarc Cool Blue Intense NG

AUTO BILD-Testnote 1
  • Sehr blaue Lichtfarbe
  • Hohe Helligkeit
  • Gute Reichweite

93,95

So wurde getestet

Messstation: Die Ulbricht-Kugel ist innen weiß, dort wird der Lichtstrom ermittelt.

©Ralf Timm / AUTO BILD

Der Test erfolgte im zertifizierten Lichtlabor der Osram GmbH in Berlin, Abteilung Development Automotive HID, unter der Leitung von Dr. Peter Flesch und Dipl.-Ing. Markus Zahn. HID bedeutet High Intensity Discharge, also Gasentladungslicht. Der Test erfolgte gemäß den Richtlinien der ECE-Regel R99, was den Teil der einzelnen Lampen betraf; und gemäß der ECE-Regel R98, welche die lichttechnischen Daten in Verbindung mit dem Scheinwerfer beschreibt. Dieser stammt aus einem BMW 3er der Baureihe F30 (Bj. 2011-2019) und arbeitet mit einem Projektionsmodul. Das Licht wird also ähnlich wie bei einem Diaprojektor durch eine Linse geschickt, unerwünschte Ausleuchtung wird mit einer entsprechend geformten Blende verhindert. Vor dem Test wurde jede Lampe in definierten Ein- und Ausschaltzyklen zwölf Stunden eingebrannt, um einen stabilen Zustand zu erreichen. Immerhin: Im Gegensatz zu früher hielten auch die Billiglampen durch.

Prüfzeichen: illegale Brenner erkennen

In der EU muss alles, was im Straßenverkehr sicherheitsrelevant ist, von Prüfstellen abgenommen werden und nach Bestehen ein Prüfzeichen tragen. Das sieht dann so aus wie ein Oval mit einem E und einer Zahl dahinter. In diesem Fall E1 für Deutschland. Diamond, Car Auto und RPC drucken stattdessen ein E11 aufs Gehäuse, das den Eindruck erwecken soll, die Lampe sei ECE-geprüft. Sind sie aber nicht. Diamond schreibt außerdem "e-certificated" auf die Verpackung, was sicher den Tatbestand der arglistigen Täuschung erfüllt. Denn mit einer Lichtfarbe von über 6000 Kelvin ist die Lampe nicht zulassungsfähig. Gread und Kiwitecc hingegen besitzen zwar ein Prüfsiegel, allerdings fragt man sich, wie sie das erhalten haben. Denn auch bei ihnen liegt einiges im Argen. Wie nach jedem Lampentest bisher wartet also wieder Arbeit auf das Kraftfahrt-Bundesamt. Denn zum Bestehen der Prüfung gehört auch, das Prüfzeichen korrekt aufzudrucken.

Das ist beim Tausch der Xenonlampen zu beachten

Lampentausch an den Xenon-Scheinwerfern ist nur paarweise sinnvoll, wobei dies bei Xenonscheinwerfern wegen der Hochspannung (Einschaltimpuls 25.000 Volt!) auf jeden Fall Werkstattsache ist. Ebenfalls gilt für alle Lampen: Ohne perfekte Einstellung durch den Profi erzielt kein Scheinwerfer eine optimale Ausleuchtung. Schon wenige Millimeter zu tief machen am Ende des langen Lichtkegels etliche Meter aus; eine zu hohe Einstellung hingegen blendet den Gegenverkehr. Deshalb: unbedingt im Oktober zum Licht-Test fahren.

Fotos: Ralf Timm / Auto Bild

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