A6, 5er, E-Klasse: Diesel-Kombis im Test

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A6, 5er, E-Klasse: Diesel-Kombis im Vergleich

— 01.12.2011

Großer Kombi, kleiner Diesel

Audi A6 Avant, BMW 5er Touring und Mercedes E-Klasse T-Modell markieren die Spitze deutscher Kombi-Kultur. Wie gut aber harmonieren sie mit kleinem Dieselmotor?

Während die SPD in der K-Frage noch unentschlossen ist, haben die deutschen Oberklassekäufer längst entschieden: Jeder Zweite wählt mittlerweile Kombi statt Limousine –Tendenz steigend. Die Fünftürer sind schon lange nicht mehr nur praktisch, sondern richtig chic. Und sogar vernünftig. Denn zwischen Audi, BMW und Mercedes ist ein Wettstreit um die Krone des sparsamsten Vollformat-Kombis ausgebrochen. Mit Vierzylinderdiesel in der 180-PSKlasse versprechen alle drei Verbräuche um die fünf Liter – damit hätte man vor ein paar Jahren gerade mal einen Kleinwagen bewegen können. Doch was taugen diese Papierwerte in der Praxis? Und viel wichtiger: Wie gut passen die kleinen Vierzylinder zum erhabenen Oberklassegefühl?

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Video: Audi, BMW, Mercedes

Großer Kombi, kleiner Diesel

Wenn das wichtigste Kombi-Kaufkriterium das Kofferraumvolumen ist, führt kein Weg am Mercedes vorbei. Mit 695 bis fast 2000 Litern übertrumpft er nicht nur den 5er Touring (560/1670 Liter), sondern auch den A6 Avant (565/1680 Liter) deutlich. Mit seinem besseren Platzangebot im Fond kann der Audi kontern, der BMW verliert hier mit wenig Bein- und Kopffreiheit auf seine Konkurrenten. Dafür gefällt der 5er mit feinen konstruktiven Details. So öffnet der Bayer als Einziger die Heckscheibe separat, vor allem in engen Parklücken ist das von Vorteil. Außerdem nimmt die Sprachsteuerung des 520d Befehle für die Navigation inklusive Hausnummer in einem Rutsch entgegen und arbeitet schneller als die im Audi und Mercedes. Der Ingolstädter hat als Einziger im Testfeld einen ausklappbaren Bildschirm im Cockpit. Hört sich auf den ersten Blick nach Spielerei an, ist es aber nicht. Denn Audi kann so das Armaturenbrett angenehm flach bauen, das sorgt für ein luftiges Raumgefühl und gute Übersicht. Bei Verarbeitung und Qualität der Materialien kann hingegen vor allem der BMW punkten. Viel besser geht das nicht.

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Das Fahrwerk des 5ers bietet ein breites Spektrum zwischen Komfort und Sport.

Der A6 Avant – mit feinem Leder und Holz ausgestattet – patzt ungewohnt mit einem schief eingebauten Aschenbecherdeckel und Klappergeräuschen der Rücksitzbank auf groben Unebenheiten. Dem Mercedes hingegen merkt der Fahrer an, dass es das älteste Fahrzeug im Vergleich ist. Die E-Klasse zeigt einen leichten Grauschleier, die Materialien im Innenraum wirken eine Spur schlichter – auch wenn sich an der piekfeinen Verarbeitung wirklich nichts aussetzen lässt. Wer in einem dieser drei Kombis Platz nimmt, reist Business-Class. Beim Federungskomfort spricht alles für den A6 Avant, der mit optionaler Luftfederung (1950 Euro) angetreten ist. Er federt geschmeidig, ohne jedes Wanken, und schluckt selbst die gröbsten Gemeinheiten der Straßenbauer. Hier rückt der A6 seinem großen Bruder A8 ganz dicht ans Blech. Der BMW, in unserem Vergleich ebenfalls mit aktiven Dämpfern (1300 Euro) unterwegs, steht dem kaum nach, bietet aber ein noch breiteres Spektrum zwischen souveränem Gleiten (Comfort+) und verschärftem Dynamikprogramm (Sport+).

Die E-Klasse fällt hingegen deutlich ab – ausgerechnet bei der Mercedes-Kernkompetenz. Die Schwaben bieten kein verstellbares Fahrwerk an, das T-Modell wird stets mit konventioneller Stahlfederung an der Vorderachse und Luftfedern an der Hinterachse auf unsere Straßen geschickt. Auf schlechten Pisten reagiert die E-Klasse an der Vorderhand nervös und gibt kurze Stöße in den Innenraum weiter. Trotzdem kann der Benz bei der Fahrdynamik nicht mit Audi und BMW mithalten. Er umrundet enge Kurven mit deutlicher Seitenneigung und kommt viel früher als BMW und Audi in den Grenzbereich. Gelungen hingegen ist die Direktlenkung (321 Euro). Sie ist angenehm präzise und – typisch Heckantrieb – frei von Antriebseinflüssen.

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Am Ende angelangt: 380 Nm Drehmoment bedeuten Stress für den Frontantrieb.

Genau die stören beim A6. Leichtes Zerren zeigt, dass der Audi mit 380 Newtonmetern an den Grenzen des Vorderradantriebs angekommen ist. BMW hingegen hat mit der Integral-Aktivlenkung (1750 Euro) zu viel des Guten getan. Er lenkt sich viel zu spitz, die ersten Kurven nimmt der Fahrer immer leicht eckig. Zu der Dynamik passt der Motor des BMW bestens. Etwas stärker als die der Konkurrenz, beschleunigt er auch besser. Zusammen mit der blitzschnell und ruckfrei schaltenden Achtstufenautomatik baut BMW ein kongeniales Antriebsduo, das kaum zu schlagen ist – auch wenn der BMW-Diesel ein wenig rauer läuft als der geschmeidige Audi-Zweiliter. Der klingt beim Beschleunigen angenehm metallisch und kaum nach Diesel. In diesem Punkt haben Audis Sound-Designer ganze Arbeit geleistet. Der Ingolstädter verliert trotzdem Boden im Antriebskapitel. Er ist zurzeit nur mit Schaltgetriebe lieferbar. Die Sechsgangbox ist mit langen Wegen und knorpeligem Schaltgefühl nicht der Weisheit letzter Schluss. Zudem fallen im Vergleich zu den Sieben- und Achtstufenautomaten von Mercedes und BMW große Drehzahlsprünge auf.

Weitere Details zu den drei Oberklasse-Kombis finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt es in AUTO BILD 47/2011 oder als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Audi BMW Mercedes
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Biturbo, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Kette Kette
Hubraum 1968 cm³ 1995 cm³ 2143 cm³
kW (PS) bei 1/min 130 (177)/4200 135 (184)/4000 125 (170)/3000
Nm bei 1/min 380/1750 380/1750 400/1400
Vmax 222 km/h 220 km/h 216 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Achtstufen-Automatik Siebenstufen-Automatik
Antrieb Vorderradantrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/55 R 17 Y 225/55 R 17 Y 225/55 R 16 W
Radgröße 8 x 17" 8 x 17" 7,5 x 16"
Abgas CO2 132 g/km 129 g/km 139 g/km
Verbrauch* 6,1/4,5/5,0 l 5,9/4,3/4,9 l 6,4/4,6/5,3 l
Tankinhalt 65 l/Diesel 70 l/Diesel 59 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 70 dB (A) 73 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1600/750 kg 2000/750 kg 2100/750 kg
Kofferraumvolumen 565–1680 l 560–1670 l 695–1950 l
Preis (wird bewertet) 45.870 Euro** 48.590 Euro*** 48.784 Euro****
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inkl. 17-Zoll-Bereifung für 700 €, Xenonscheinwerfer für 1180 €, Dämm-/Akustikverglasung für 1190 € und adaptive Air Suspension für 1950 €; ***inkl. Sport-Automatik für 2350 €, dynamische Dämpfer-Control für 1300 €, Integral-Aktivlenkung für 1750 und Sport-Lederlenkrad für 140 €; ****inkl. 7G-Tronic-Automatik für 2559 € und Direktlenkung für 321 €
Messwerte Audi BMW Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 3,3 s 2,7 s 2,8 s
0–100 km/h 9,1 s 8,7 s 8,8 s
0–130 km/h 15,1 s 14,5 s 15,0 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 5,0 s 4,8 s 5,1 s
80–120 km/h 6,3 s 6,6 s 6,6 s
Leergewicht/Zuladung 1719/551 kg 1882/483 kg 1872/573 kg
Gewichtsverteilung v./h. 54/46 % 46/54 % 52/48 %
Wendekreis links/rechts 12,2/12,1 m 11,8/11,6 m 11,3/11,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,0 m 35,8 m 37,5 m
aus 100 km/h warm 36,9 m 34,8 m 36,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB (A) 58 dB (A) 56 dB (A)
bei 100 km/h 62 dB (A) 63 dB (A) 63 dB (A)
bei 130 km/h 67 dB (A) 68 dB (A) 68 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,4 l D – 169 g/km 6,1 l D – 162 g/km 6,5 l D –171 g/km
Reichweite 1010 km 1140 km 910 km

Hintergrund: So testet AUTO BILD



Das Mercedes-Benz E-Klasse-Dossier enthält viele Versionen, Ausstattungen, Motoren und alle Erfahrungen und Testergebnisse, die wir mit dem Benz in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Jetzt als PDF downloaden.

Das BMW 5er-Dossier enthält viele Versionen, Ausstattungen, Motoren und alle Erfahrungen und Testergebnisse, die wir mit der Münchener mittleren Oberklasse in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Jetzt als PDF downloaden.


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Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Großer Kombi und kleiner Dieselmotor gehen eine überraschend harmonische Beziehung ein. Die Fahrleistungen passen, die geringen Verbräuche sind eine Sensation. Ungewohnt ist nur die Kombination aus edlem Ambiente und Taxi-Klang unter der Haube. Und obwohl der 5er den Vergleich nach Punkten vor A6 und E-Klasse gewinnen kann: Ein schlechtes Auto gibt es in diesem hochkarätigen Testfeld nicht – auch wenn die Mercedes E-Klasse nicht mehr so ganz taufrisch ist.

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