Auto des Jahres: Fiat Panda

Jetzt ist die tolle Kiste Kunst Jetzt ist die tolle Kiste Kunst

Auto des Jahres: Fiat Panda

— 17.12.2008

Jetzt ist die tolle Kiste Kunst

Ein Klassiker der Moderne wird wiederentdeckt: Nach 28 Jahren ist der Fiat Panda reif fürs Museum. Hochoffiziell in der Neuen Sammlung der Pinakothek der Moderne in München.

Der Kleine krümelt. Leise rieselt der Rost auf den teuren Terrazzo-Fußboden, und irgendwas leckt aus dem Motorraum. Mit einem Papiertaschentuch beseitigt Landeskonservatorin Corinna Rösner diskret das Malheur. Man sieht ihm seine Inkontinenz ebenso nach wie den matten Lack, die ausgeblichenen Stoßfänger, die zerrissenen Sitze und die gewaltigen Spaltmaße. Denn er ist ein Original, eine Ikone des guten Geschmacks. Und er hat es hierher geschafft, in die Neue Sammlung der Pinakothek der Moderne in München. Die Fachwelt verneigt sich vor dem Fiat Panda! Mit einer Sonderausstellung würdigt das Designmuseum den italienischen Kleinwagen. Für AUTO BILD Grund genug, seine Rolle in der Automobilgeschichte ins rechte Licht zu rücken. Denn die Idee der "tollen Kiste" ist zeitlos. Womöglich ist sie sogar extrem zeitgemäß in einer Zeit der großen, aber oft grausam unpraktischen Vehikel.

So einfach wie genial: Die Idee der "tollen Kiste" ist zeitlos

Paolo Tumminelli, Professor für Design in Köln, holte den Fiat Panda aus Sardinien über die Alpen.

"Der Fiat Panda ist ein Meilenstein, ein sehr unterschätztes Auto", sagt Paolo Tumminelli, Professor am Designinstitut der Fakultät für Kulturwissenschaften an der Fachhochschule Köln. Als „Dokument automobiler Kultur“ müsse der Panda gerettet werden – deshalb habe er die Ausstellung in der Pinakothek konzipiert. Tumminelli reiste auf Nebenstrecken über die Alpen gen Süden, fotografierte Dutzende Panda in Alltagssituationen, mit Obstkisten im Kofferraum oder Bauholz auf dem Dach, und landete schließlich auf Sardinien. Dort stieß er auf Nummer 20.422, ein weißes Exemplar aus der ersten Serie. 28 Jahre Sonne und Salzluft hatten ihm äußerlich arg zugesetzt, aber sein nutzwertiger Charme erstrahlte wie am ersten Tag. Tumminelli legte ein paar Hunderter auf den Tisch und überführte seinen Fang nach Deutschland.

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Das ist doch mal ein Kofferaum. Falten, schieben, drücken – da geht was. Auch rein.

Reduktion auf das Wesentliche war die Devise, als Stardesigner Giugiaro den Panda Ende der 70er-Jahre entwarf. Trotz gerade mal 700 Kilo Leergewichts und 3,38 Meter Außenlänge finden vier Erwachsene ausreichend Platz. Der Kofferraum schluckt bei Bedarf einen Kühlschrank, die Sitze lassen sich zum Bett umbauen. "Heutzutage werden selbst Zweckautos wie der Toyota iQ als Lifestyleprodukt vermarktet", sagt Tumminelli. "Das Leben ist aber kein Lifestyle, sondern Leben ist Überlebenskampf." Und zwar auch für Fahrer aktueller Kleinwagen wie Fiesta oder Corsa, deren betont dynamische Linienführung auf Kosten der Praxistauglichkeit geht, zum Beispiel bei der Sicht nach hinten. Manches moderne Modell ist zudem derart mit Marketingmüll belastet, dass es schon wehtut. Wird ein Frauenauto wie der Ford Ka cooler, wenn es im Bond-Film mitspielen darf? Der Panda hat sowas nicht nötig, der Panda ist ungezwungen. "Perfektion ist erst erreicht, wenn sich gutes Design mit hohem Nutzwert und großer Wirtschaftlichkeit vereint", hat der große Giorgetto Giugiaro einmal gesagt. "Deshalb ist mein Lieblingsauto der Fiat Panda.“ Und unseres ist es jetzt auch.

Autor: Matthias Moetsch

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