BMW 125i Coupé/Toyota GT 86: Vergleich

— 27.07.2012

Toyota schlägt BMW

Toyota GT86 und BMW 125i Coupé sind die Zeitmaschinen der Moderne. Sie beamen uns zurück in eine Ära, in der nicht alles besser, aber der Spaß am Autofahren unverfälschter war



Zukunft – das klingt spannend. Doch wollen wir als Autofans dort wirklich hin? Sparkonzepte, Spritpreis-Wucher, Tempolimit... ganz schön unvergnüglich! Dann lieber zurück in die Vergangenheit, als "Fahrspaß pur" noch keine Werbefloskel war und man die Männer von den Jungs anhand der Anzahl von Mücken unterscheiden konnte, die an ihrer Seitenscheibe klebten. Kinoheld Marty McFly brauchte 1985 für seinen Trip durch die Jahrzehnte einen DeLorean mit Flux-Kompensator. Die Zeitmaschinen von heute heißen Toyota GT 86 und BMW 125i Coupé. Letzterer beamt uns zurück in die glorreichen Tage des Saugmotors. Das waren noch Zeiten! Turbolader, die Hubraum-Winzlinge zu Kraftzwergen aufbliesen, galten als Teufelswerk. Power kam aus großen Hubräumen und hohen Drehzahlen.

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Einer der letzten seiner Art: Der BMW 125i setzt beim Antrieb auf einen frei saugenden Reihensechszylinder.

Und wenn die Kolben dann noch in sechs hintereinander angeordneten Zylindern auf- und niedersausten, war das Glück perfekt. BMW gönnt uns diesen Spaß noch, aber nicht mehr lange. Der frei saugende Reihensechszylinder ist bei den Münchenern auf dem Rückzug, der Klimawandel fordert Opfer. Schade drum. Im 125i Coupé darf der weiß-blaue Klassiker das Lied der Laufkultur mit zartem Schmelz noch einmal singen. Wenn dieser Bilderbuchmotor mit jeder Kurbelwellenrotation ein weiteres seiner 218 Pferde traben lässt, dann schäumt die Begeisterung der Kenner über wie ein Glas zu hastig eingeschenkten Weißbiers. Verbrauch? Ach ja. Hier wirkt der "Old school"-Antrieb überraschend zeitgemäß. Downsizing? Wozu eigentlich? Ein Testschnitt von 8,7 Litern pro 100 km geht in dieser Leistungs-Liga voll in Ordnung. Auch wenn es der Toyota mit 8,1 Litern besser kann. Beim GT 86 ist es weniger der Motor, der nostalgische Erinnerungen wachruft, als das Cockpit.

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Zeitreisekapsel: Am Arbeitsplatz erinnert der Toyota GT 86 in vielen Details an die 1990er-Jahre.

"Willkommen in den 90ern", scheint sie zu rufen, die zerklüftete Armaturenlandschaft mit der rot glimmenden Digitaluhr und dem Pseudo-Carbon, das beim Klopftest hohl klingt wie eine leergefutterte Sushi-Box. Sobald die Sitzschalen den Körper wie ein Schraubstock in die Zange nehmen, ist er aber vergessen, der Zwang, in jedem neuen Auto weich geschäumte Oberflächen tätscheln zu müssen. Es geht auch ohne Premium-Entertainment für die Fingerkuppen. Es ist ganz einfach, Schlichtheit zu schätzen, gerade bei einem Sportwagen. Der BMW ist der gefühlte Gegenpol zum rustikalen Retro-Charme des Nippon-Racers. Ein Feingeist, der trotz des dickwulstigen Lederlenkrads, das einem förmlich aus den Händen platzt, und trotz des fahrerfokussierten Cockpits im Vergleich zum GT 86 beinahe wie ein Frauenauto wirkt: weichgezeichnet, mild, komfortbetont. Womit man ihm natürlich Unrecht tut. Auch echte Kerle haben ihren Spaß im 1er, wenn sie mit der sorgsam austarierten Lenkung in die Kurve stechen, sich am Scheitelpunkt von der gripstarken Hinterhand wieder herausdrücken lassen und mit eifriger Bedienung des präzise schaltbaren Sechsganggetriebes am Rand der roten Skala das Lasso nach den letzten Pferdestärken auswerfen.

Freude am Fahren? Zweifellos, und nicht zu knapp. Aber gezähmt und narrensicher. Hausfrau oder Heizer – im BMW kommt jeder klar. Der Toyota wirkt direkter, wilder, männlicher. Und härter. Mit seinen 4,24 Meter Länge und 1,78 Meter Breite hält er – so wie es ähnlich auch der 1er zelebriert – eine Kerntugend echter Sportwagen hoch: das kompakte Format. Während mancher, der sich dafür hält, inzwischen schwer am Wohlstandsspeck zu tragen hat und sich mit seiner aus dem Leim gegangenen Figur auf engen Landstraßen selbst im Wege steht, fegt der GT 86 um die Ecken, wie man es in dieser Klasse lang nicht mehr erlebt hat. Was Autotester-Legende Fritz B. Busch einst über den Jaguar E-Type gedichtet hat, darf hier aus gegebenem Anlass wiederholt werden: "Ich fahre nicht Auto, sondern mein Hintern hat Räder."

Weitere Details zu den beiden Sportlern gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen lesen Sie in AUTO BILD 30/2012 – ab sofort im Handel.

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Verdammt lang quer

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BMW 125i Coupé (Typ E82), Toyota GT86 (Typ AS1)

Veröffentlicht:

25.07.2012

Preis:

1,00 €


Martin G. Puthz

Martin G. Puthz

Fazit

Es mag überraschend klingen, doch betrachtet man die beiden Kontrahenten durch die Sport-Brille, kann es hier nur einen Sieger geben: den Toyota GT 86. BMW schnürt mit dem 125i Coupé zwar das zivilisiertere Paket für den Alltag und setzt sich selbst ein Denkmal im Motorenbau. Der bessere Sportwagen kommt jedoch aus Japan. Der GT 86 ist konsequent auf Dynamik getrimmt, zeigt mit ultra-agilem Temperament und feinfühligem Handling, dass Fahrspaß weder 50.000 Euro kosten muss noch mindestens 300 PS erfordert. Es geht auch ohne Turbo, Adaptivdämpfer und Hightech-Overkill. Leichtbau, Hinterradantrieb und drehfreudiger Saugmotor: Das alte Konzept rockt immer noch.  

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