Cadillac XT5 (2016) im Test: Fahrbericht

Cadillac XT5 (2016) im Test: Fahrbericht

— 06.07.2016

So fährt das neue Cadillac-SUV

Der Cadillac XT5 wirkt nicht nur groß und schwer, er ist es auch. 314 PS bekommen es hier mit zwei Tonnen Gewicht zu tun. Fahrbericht!

Wuchtiges Heck: Mit seinen bulligen Formen kommt der XT5 auch nach Deutschland.

Ok, der neue Cadillac XT5 wirkt nicht gerade wie ein Weltverbesserer mit seinem auf zehn Liter normierten Wunsch-Verbrauch. Wer jedoch über eine große Garage (der Ami ist 4,82 Meter lang) und ein noch größeres Ego verfügt, der dürfte nur noch wenige Gründe finden, die gegen den ab 48.800 Euro teuren Amerikaner sprechen. Werden nun noch 8000 oder gleich 18.000 Euro draufgelegt, stehen zudem die mittlere oder die höchste Ausstattungsvariante zur Verfügung. Fehlen wird einem spätestens dann nahezu nichts mehr.
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Lediglich der mit 314 PS hart arbeitende, 3,6 Liter große V6-Benzinmotor (368 Newtonmeter) könnte einem sportlich ambitionierten Ami-Schlitten-Fan etwas zu mau daherkommen. Zwei Tonnen lassen sich nicht mal eben auf Tempo 100 und sogar bis 210 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Dass der Cadillac XT5 es dennoch schafft und mit 7,5 Sekunden eine ordentliche Sprintzeit auf den Asphalt brennt, ist daher umso positiver zu bewerten. Ampel-Poser, die gern mit dem lockeren Gasfuß ihre Brautschau sonor untermalen wollen, werden jedoch keine Freude an ihm haben. Zu moderat und defensiv klingt er im Stadtverkehr, selbst bei hartem Pedaleinsatz.

Beim XT5 ist vieles amerikanisch-gigantisch – auch der Tank

Die 4,82 Meter Länge könnten für einige deutsche Garagen den Overkill bedeuten.

Das ändert sich ab Landstraßentempo. Wie auch die Lenkung wirkt die Klangkulisse direkter und aggressiver. Die Federung kommt in diesem Umfeld ebenfalls komfortabler daher als noch in der Innenstadt. Gullideckel werden zwar auch da nicht direkt in Form von harten Stößen an die Wirbelsäule geleitet, doch scheppert es ganz schön im Fahrwerk. Den komfortablen Habitus der ersten Sitzreihe runden für Europäer nahezu unbekannte Ausmaße der ausfahrbaren Beinauflage des Fahrersitzes ab. Auch fast unbekannt geworden ist ein Treibstofftankvolumen jenseits von 70 Litern. Der Cadillac XT5 packt dort sogar noch 13 Liter mehr hinein. Na gut, vergleichbare Konkurrenten werden mit ihrem kleineren Tank bei gleichzeitig geringerem Verbrauch ungefähr zum selben Zeitpunkt an die Tankstelle rollen müssen, doch ist es schon beruhigend, nicht ständig die Restreichweitenanzeige im Augen haben zu müssen.

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Damit die Augen auch in puncto Verkehrsbeobachtung nicht zu schnell müde werden, sorgen auch im Cadillac XT5 einige Assistenzsysteme für Entlastung. Hervorzuheben sind an dieser Stelle die neuen, aktiven Sicherheitsfunktionen für das Driver Assist-Paket: Automatisches Bremsen bei Vorwärtsfahrt inklusive Fußgänger- und Radfahrererkennung und automatisches Bremsen bei Rückwärtsfahrt schützt Fahrzeug und Passagiere. Dass es durch derlei Helferlein nicht gerade ruhiger an Bord zugeht, muss jedoch klar sein. Mal piepst hier was, mal leuchtet dort ein Fußgänger-Symbol im sehr einfach und vielfach konfigurierbaren Head-Up-Display auf. Die Beachtung des Straßenverkehrs wird zwar unterstützt, dafür muss ein Fahrzeugbesitzer heute erst einmal einen Kurs in "Was piept denn da jetzt schon wieder?" belegen.

Geräumigkeit und Technik überzeugen

Artgerecht belegen lässt sich natürlich auch die Rückbank. Bis zu drei Personen finden dort laut Fahrzeugschein Platz. Solange von ihnen niemand über 1,90 Meter misst und auch tatsächlich zu dritt dort hinten fahren möchte, wird er wenig zu meckern haben. Richtig viel Platz gibt es hinter der Rückbank. 850 Liter warten hier aufs Gepäck. Sind vom Einkauf kommend beide Hände voll, hilft eine kleine Fußbewegung, und die elektrische Heckklappe öffnet sich. Wird mehr Platz benötigt und niemand im Fond transportiert, ergeben sich bis zu 1784 Liter Gepäckraum.

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Der Innenraum wirkt hochwertig, das Infotainmentsystem wurde überarbeitet und bietet hohe Konnektivität.

Neben dem großzügigen Platzangebot in der ersten Reihe und für das Gepäck, überzeugt der neue Cadillac auch in Sachen Infotainmentpaket. Der acht Zoll große CUE-Touchscreen mit HD-Auflösung ist reaktionsschnell und intuitiv zu bedienen. Vor allem, wenn das eigene Smartphone per USB-Kabel in Kontakt mit dem Fahrzeug tritt, wird aus dem Dickschiff ein Büro auf Rädern. Nicht nur die einfache Steuerung per Apple CarPlay und Android Auto – aus dem USB-Port kommt zudem so viel Strom, dass der Batteriestand des Smartphones nicht nur gehalten, sondern zügig angehoben wird. Mehr als nur erfreulich. Der aus Opelfahrzeugen bekannte OnStar 4G W-Lan Hotspot rundet das Kommunikationszentrum in Innenraum des Cadillac ab.

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Gewöhnungsbedürftig: Rückspiegel mit riesigem Sichtfenster

Fast schon zu viel des Guten ist der branchenweit erste Rückspiegel mit Display-Technologie. Soll heißen, der Fahrer kann sich auf Wunsch ein um 300 Prozent verbessertes Sichtfenster auf den Rückspiegel projizieren lassen. Was sich nach einer super Sache anhört, wird sensiblen Fahrern nicht ganz so gut gefallen. Das Problem: Bei einem normalen Rückspiegel müssen sich die Augen nicht auf ein nahes Objekt fixieren, sondern blicken gefühlt durch ihn hindurch. Bei einem in weniger als einem halben Meter fixierten Bildschirm ist das anders. Das Auge muss die Schärfe nachjustieren, was nach einigen, völlig automatisierten Abläufen während der Fahrt nerven und gegebenenfalls auch zu Kopfschmerzen führen kann – natürlich immer abhängig vom Fahrer. Einen Versuch ist es aber auf jeden Fall wert.

Autor: Marcel Sommer

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