Drei charakterstarke Coupés — 19.01.2010
Scirocco verbläst RX-8 und Brera
Nichts für nüchterne Kofferraumausmesser: AUTO BILD SPORTSCARS war mit Mazda RX-8, Alfa Brera und VW Scirocco auf dem Sachsenring, um den renovierten Wankelsportler mit der motorisch erstarkten Konkurrenz zu vergleichen.
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Die Konkurrenten kontern mit frisch gestärkter Turbokraft. VW liefert den Scirocco nun mit dem 211-PS-Motor des Golf GTI aus, während Alfa den überforderten Saugbenziner 2.2 JTS im Brera zugunsten eines 1,7 Liter großen, zwangsbeatmeten Vierzylinders mit 200 PS in Rente schickt. Eine gelungene Herztransplantation, verliert der Italiener damit doch ein ordentliches Stück Schwerfälligkeit. Von 80 auf 120 km/h zieht der Brera 1.8 TBi im sechsten Gang dank 320 stramm voranziehender Newtonmeter knappe drei Sekunden schneller durch als sein 15 PS schwächerer Vorgänger. Der kratzte bei 4500 Touren vergleichsweise bescheidene 230 Newtonmeter zusammen – beim neuen Motor genügen 1400 Umdrehungen für vollen Dampf. Überhaupt mimt das neu konstruierte Cuore Sportivo eher den Diesel. Im Drehzahlkeller noch bullig antretend, schlafft der Drehwille über 5000 Touren spürbar ab und findet je nach Gang bei 5700 bis 6200 Umdrehungen im Begrenzer ein jähes Ende. Dabei klingt der Alfa brav, verhalten, gewöhnlich.Der Scirocco gefällt mit Drehfreude und spontaner Gasannahme
Trotz der wenig sportlichen Arbeitsweise überzeugt das neue Triebwerk in den Messdisziplinen. Beim Beschleunigen hängt der 1.8 TBi den 2.2 JTS bis 160 km/h um 1,7 Sekunden ab, verbraucht dazu im Schnitt auf 100 Kilometer satte 1,8 Liter Superbenzin weniger. Spürbare Fortschritte also, wäre da nicht das hohe Leergewicht. Nach wie vor tritt der Einstiegs-Brera mit gemessenen 1605 Kilo Kampfmasse an – und hat so gegen den über 200 Kilo leichteren Scirocco keine Chance. Nur 6,7 Sekunden vergehen – dann huscht der traktionsstarke Wolfsburger bereits an der 100-km/h-Marke vorbei. In Sachen Elastizität enteilt dem 2.0 TSI selbst ein Porsche 911 Carrera S nicht. Der neue Motor zieht wie schon die 200-PS-Version mit 280 Newtonmetern voran, die jetzt von 1700 bis 5200 Umdrehungen plateauartig Gewehr bei Fuß stehen. Dazu gefällt das Aggregat mit unmittelbarer Gasannahme und lebhafter Drehfreude, die von dezentsonorem Klang untermalt erst im Begrenzer bei etwas über 7000 Touren verflacht.Hier legt sich der Kreiskolbenmotor des RX-8 erst so richtig ins Zeug. Klingt er im Leerlauf noch stark nach Pürierstab, kreischt der Wankel bei bis zu 9500 Umdrehungen einen heiseren Hochdrehzahlsong, dreht dabei völlig linear und äußerst vibrationsarm hoch. RX-8 Fahren kommt einer Turbodiesel-Entwöhnung gleich. Häufige Griffe zum kurzen, stummelartigen Schalthebel des seit dem Facelift kürzer übersetzten Getriebes sind nötig, um den Mazda bei Laune zu halten. Wer dies tut, erntet im Gegenzug Fahrleistungen noch über dem hohen Scirocco-Niveau. Beim Durchzug zieht er gegen beide Turbo-Widersacher indes klar den Kürzeren. Vergleichsweise schmächtige 211 Newtonmeter, die sich erst bei wenig praxistauglichen 5500 Touren sammeln, sprechen für sich. Hat man sich aber erstmal auf sein fahrerforderndes Naturell eingeschossen, begeistert der RX-8 mit einem feinnervigen Purismus, der heutzutage nur noch selten zu finden ist.
Den größten Fahrspaß findet man im Wankelsportler RX-8
Jeder Zentimeter Landstraße setzt das agile Wankelcoupé unter Spannung. Dank gut austarierter Gewichtsverteilung und straff abgestimmtem Fahrwerk folgt die Vorderachse eifrig allen Lenkimpulsen, die extrem direkte Lenkung bietet dabei ein Höchstmaß an Rückmeldung – ist sie doch von einer Servoüberdosis verschont geblieben. Ebenso mitteilsam: Das mit feinem Druckpunkt gesegnete Bremspedal. Dazu die Schaltung. Im VW flutscht sie flockig auf angenehm kurzen Wegen – durchaus vergnüglich. Im Mazda aber rasten die Gänge staubtrocken in drei überaus eng beieinander liegenden Gassen ein. Auch wenn der Sechste im Testwagen beim schnellen Schalten kratzte: Besser geht es kaum. Auch nicht im Scirocco. Er reagiert ebenfalls entschlossen auf Lenkbefehle, lässt durch seine leichtgängigere Lenkung aber mehr vom Fahrbahnzustand im Ungefähren. Übereifer in Kurven quittiert er mit geringem Untersteuern, das fein und unmerklich regelnde ESP bleibt jederzeit Herr der Lage.
Der Alfa Brera wirkt im Vergleich undynamisch und schwerfällig
Auch die ausgesprochen gute Traktion des Fronttrieblers steigert das Fahrvergnügen. Im Testwagen tasten optionale adaptive Dämpfer die Straße ab, doch selbst in der straffenden Sport-Stellung stellen sie nicht die intime Nähe zum Asphalt her wie die konventionellen Pendants des RX-8. Auf flott angegangenen Überlandtouren kämpft der Alfa Brera unterdessen auf verlorenem Posten. Ein teigiger Schleier liegt über seiner ausreichend direkten Lenkung, schluckt so jegliche Straßeninformationen. In forsch durchpreschten Biegungen kippt die Karosserie auffällig stark zur Seite, die optionalen 19-Zöller stolpern unbeholfen über Unebenheiten. Und auch das teigig-knochige Getriebe sowie die vergleichsweise gemütliche Gasannahme lassen Raum für Verbesserungen.Wie sich die drei Coupé-Konkurrenten auf dem Sachsenring geschlagen haben, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
| Fahrzeugdaten | Alfa Brera 1.8 TBi | Mazda RX-8 | VW Scirocco 2.0 TSI |
|---|---|---|---|
| Motor | R4, Turbo | Zwei-Kammer-Wankel | R4, Turbo |
| Einbaulage | vorn quer | vorn längs | vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder / 2 | – | 4 pro Zylinder / 2 |
| Hubraum | 1742 cm³ | 2 x 654 cm³ Kammervolumen | 1984 cm³ |
| Bohrung x Hub | 83,0 x 80,5 mm | – | 82,5 x 92,8 mm |
| Verdichtung | 9,5:1 | 10,0:1 | 9,6:1 |
| kW (PS) bei 1/min | 147 (200)/5000 | 170 (231)/8200 | 155 (210)/5300 |
| Literleistung | 115 PS/Liter | 177 PS/Liter Kammervolumen | 106 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 320/1400 | 211/5500 | 280/1700–5200 |
| Antriebsart | Vorderrad | Hinterrad | Vorderrad |
| Getriebe | 6-Gang manuell | 6-Gang manuell | 6-Gang manuell |
| Bremsen vorn | 320 mm/innenbel. | 323 mm/innenbel. | 312 mm/innenbel. |
| Bremsen hinten | 292 mm/innenbel. | 302 mm/innenbel. | 272 mm |
| Radgröße vorn/hinten | 8 x 19 | 8 x 19 | 8 x 18 |
| Reifen vorn/hinten | 235/40 R 19 | 225/40 R 19 | 235/40 R 18 |
| Reifentyp | Pirelli P Zero Nero | Bridgestone Potenza RE 050 A | Dunlop SP Sport 01 A |
| Länge/Breite/Höhe | 4410/1830/1341 mm | 4470/1770/1340 mm | 4256/1810/1404 mm |
| Radstand | 2528 mm | 2700 mm | 2578 mm |
| Leistungsgewicht | 8,0 kg/PS | 6,0 kg/PS | 6,6 kg/PS |
| Zuladung | 285 kg | 424 kg | 364 kg |
| Tankvolumen | 70 Liter | 65 Liter | 55 Liter |
| Messwerte | Alfa Brera 1.8 TBi | Mazda RX-8 | VW Scirocco 2.0 TSI |
|---|---|---|---|
| Beschleunigung | |||
| 0– 50 km/h | 2,8 s | 2,3 s | 2,4 s |
| 0–100 km/h | 8,5 s | 6,5 s | 6,7 s |
| 0–130 km/h | 14,0 s | 10,4 s | 10,8 s |
| 0–160 km/h | 20,9 s | 15,5 s | 16,4 s |
| 0–180 km/h | 29,3 s | 20,2 s | 21,1 s |
| 0–200 km/h | 40,3 s | 27,4 s | 28,6 s |
| Viertelmeile | |||
| 0–402,34 m | 16,20 s | 14,74 s | 15,02 s |
| Höchstgeschwindigkeit | |||
| Herstellerangabe | 235 km/h | 234 km/h | 240 km/h |
| Elastizität | |||
| 60–100 km/h im 4. Gang | 5,8 s | 6,6 s | 5,2 s |
| 80–120 km/h im 5. Gang | 7,7 s | 8,8 s | 7,2 s |
| 80–120 km/h im 6. Gang | 9,8 s | 13,7 s | 8,9 s |
| Bremsweg (Verzögerung) | |||
| 100–0 km/h kalt | 35,3 m (–10,9 m/s²) | 35,5 m (–10,9 m/s²) | 37,0 m (–10,4 m/s²) |
| 100–0 km/h warm | 36,8 m (–10,5 m/s²) | 34,9 m (–11,1 m/s²) | 35,5 m (–10,9 m/s²) |
| Testverbrauch | |||
| Ø auf 100 km | 11,2 l Super | 13,2 l Super | 9,5 l Super Plus |
| Reichweite | 620 km | 490 km | 580 km |
| Leergewicht | 1605 kg | 1391 kg | 1376 kg |
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Kommentare zum Artikel (78)
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Ich bin mir sicher, dass VW für diese Artikel bezahlt.
Die Alfa-Daten stimmen tatsächlich nicht, aber das scheint die Redaktion ja trotz der ganzen Hinweise hier gar nicht zu interessieren...
Ich bin auf den Testbericht des Afla Romeo 4c gespannt... Sollte auch der so schlecht ausfallen, war das mein letzter gelesener Testbericht der Auto Bild.
Zumindest hätte erwähnt werden müssen, dass der Brera 2006 nicht zu Unrecht zum "most beautiful car of the world" gewählt wurde. ;-)
Ein typischer Alfa-Verriss. Falsches Gewicht, falscher Verbrauch, falsche Co2-Angabe. Bin den Wagen selbst gefahren. Völliger Unsinn, dass der Motor bei 5.700 U/min abriegelt. Geht bis 6.500. Beschleunigungsdaten können nicht stimmen. Verglichen mit der vermutlich richtigen Viertelmeile ist er bis 100 ca eine Sekunde schneller.
@Alfafan, ich bin deiner meinung! :) ich würde mir auch den Alfa Brera holen! Wo ist die korrekte technische Recherche eines Journalisten in diesem Artikel?
Wichtige Alfa Daten stimmen nicht und wurden von einem Zeitungsmensch einfach ungeprüft dem Leser vorgeschmissen.
Alte Brera (früher 185 PS Beschleunigung: 8,7) , im neuen TB Modell : 7,7s von0-100
Zuladung, neu : 385 kg
Leeregewicht: (1605 kg altes Modell) neu: 1505 kg
außerdem: EUR 5
und nur 189 g CO2/ km
Aber vielleicht mußte der Scirocco gewinnen; Rabatte sagen viel-.
kleine Anmerkung: der neue Opel Astra 1.7 Tdci wiegt gemessen 1570Kg!!
Zur AB: ich kaufe jeden Fr die Ausgabe, obwohl die Objektivität oftmals zu wünschen übrig lässt... siehe Mercedes-Test mit Abstandsradar, wo der AB Reporter, bei Spiegel-TV, vor laufender Kamera sagte es funktioniert perfekt..... ( aber es nicht tat, nämlich garnicht!). Zum Test: Ich habe den 159 SW 1.8 TBI, und nach Bmw 330d, bereue ich nicht den Wagen gekauft zu haben. Ein Mazda RX8 wär mir für den Alltag (!) zu "Extrem", ein Scirocco zu hässlich und Banal....