Fahrbericht BMW X6

BMW X6 BMW X6

Fahrbericht BMW X6

— 25.01.2008

Der Neue sucht sein Revier

Mit dem X6 treibt BMW die Crossover-Idee auf die Spitze. Doch wo findet das neue SUV-Coupé im Alltag seinen Platz? AUTO BILD hat es exklusiv ausprobiert.

Dienstagabend, 20 Uhr, Testwagengarage. Der BMW X6 ist eben per Anhänger aus München gekommen. Jetzt stehen fünf Kollegen um das SUV-Coupé und diskutieren erregt. "Was soll das?", fragt einer. "Der ist doch viel zu groß", meint ein anderer. Ich schweige betreten. Neulich erst habe ich mich über unsinnige Crossover-Varianten ausgelassen und dabei ausdrücklich den X6 genannt, diese sonderbare Mischung aus Geländewagen für Innenstädter und Sportwagen für Bequemsitzer. Jetzt stehe ich vor dem Auto – und finde es schön. So ein Mist! Alles, was ein SUV so gewaltig macht, das hat das "Sports Activity Coupé" nicht. Dieses Klotzige, Kastige. Nein, die Coupé-Form vermittelt Leichtigkeit. Und das, obwohl die Oberkante der Heckklappe bei mir erst auf Brusthöhe endet. In Zahlen: Mit 4,88 Meter Länge und 1,98 Meter Breite ist der X6 etwas größer als sein Bruder X5, mit 1,69 Meter Höhe aber sieben Zentimeter flacher. In welche Nische der X6 gehört, wer ihn kaufen soll, das konnte uns bisher allerdings niemand richtig erklären. Der Neue sucht sein Revier erst noch. Und AUTO BILD hilft ihm dabei.

Passanten halten einen Respektabstand zum großen Bayern

Die Reeperbahn, Hamburgs Partymeile, im Dämmerlicht. Ein Asiate im schwarzen Phaeton steigt aus und fotografiert den X6 aus sicherer Entfernung. Drei Polizeiwagen fahren vorbei, die Beamten schauen herüber, halten aber nicht an – obwohl wir eher unkonventionell parken. Wir merken: Der Wagen erregt bei seiner ersten Ausfahrt im Großstadt-Alltag zwar großes Interesse, anders als beispielsweise beim Fiat 500 kommen die Menschen aber nicht nah heran, bleiben stattdessen lieber auf Distanz. Vielleicht wegen der Preise: Sie beginnen für den 235 PS starken X6 30d bei 55.800 Euro. Die Elbchaussee, eine der besten Hamburger Adressen. Vor sieben Jahren hat Holger Gruel (42) die "Elb Lounge" gegründet, einen Luxus-Traum aus Marmorsäulen, Fackeln, Park mit See und weiß getünchten Brücken. Maybach und Rolls-Royce wurden hier schon gesichtet. "Traditionelle SUV sind mir oft zu kastenförmig, aber der X6 passt gut hierher", urteilt Hausherr Gruel. "Was mich aber pieken würde, wäre das ökologische Gewissen. Der Trend geht ja eher zu fünf als zu 15 Litern." Wobei selbst das 73.800 Euro teure und 407 PS starke Topmodell X6 50i mit 12,5 Litern auskommen soll. Verspricht BMW. Macht allerdings immer noch 299 Gramm CO2 pro Kilometer.

Schmutz an Reifen und Karosserie steht dem X6 nicht gut

Schwieriges Terrain: Der Schönling X6 nimmt auch matschigen Baustellenboden unter die Räder.

Etwas weiter in Richtung Innenstadt liegt Hamburgs schönste Baustelle – und eine der schwersten. Im Hintergrund die Elbe, im Vordergrund ein gewaltiger Abhang. Vorsichtig rangieren wir den X6 in Richtung Abgrund. "Mit einem normalen Pkw hättet ihr das nicht geschafft", glaubt Maschinist Uwe Jendrny (48) und analysiert: "Hoch genug ist der Wagen fürs Gelände." 21,5 Zentimeter Bodenfreiheit. Aber die Erdklumpen an den Reifen, der Schmutz an der Seite – das wirkt beim X6 so echt, als käme ein Vorstandsboss im Blaumann ins Büro. Lemsahl-Mellingstedt im Norden von Hamburg. Nur ein paar Kilometer außerhalb der Stadt und doch eine andere Welt. Ländlich, ruhig, idyllisch. Vor der Schule warten die Eltern. 5er-Touring, Golf Variant, A-Klasse, ein Q7 kommt auch vorbei. Der Star aber ist unser X6 . Marie (10) und Greta (8) klettern wie Bergsteiger in den Fond: Ein Bein auf die Einstiegsleiste, Körper hineinhieven, das andere Bein nachziehen. Ihr fünfjähriger Bruder Melchior aber muss draußen bleiben, der Mittelplatz hinten ist von Getränkehaltern und einem Aschenbecher belegt. Nein, die Familie, die Schule, das ist wohl nicht ganz das richtige Revier für den X6.

Das Alstertal-Einkaufszentrum am späten Nachmittag. Es ist eng, es ist voll, es ist hektisch. Der X6 rollt in eine freie Parklücke, viel Platz ist da nicht übrig. Wir begutachten den Kofferraum: Oben geht vielleicht ein großer Koffer für den Jahresurlaub rein, unter die Abdeckung passt noch mal eine Aktentasche. Laut BMW fasst der Lade- raum 570 Liter, bei umgeklappter Rückbank 1450 Liter. Die hohe Heckklappe aber gibt mir zu denken: Eine Getränkekiste möchte ich da nicht hineinheben. Am Abend rollt der X6 wieder auf den Anhänger, morgen geht es zurück nach Bayern. Die Markteinführung ist für Ende Mai geplant. Leisten kann ich ihn mir vermutlich nie. Denn sein Revier, das liegt nicht gerade vor meiner Haustür...

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Alex Cohrs

Warum man ein Auto erst groß baut, um es dann als Coupé wieder kleiner zu machen, will mir zwar immer noch nicht in den Sinn. Doch die neue Linie bringt endlich etwas Eleganz ins SUV-Segment. Kurzum: Der X6 hat zwar nicht meinen Verstand gewonnen, wohl aber mein Herz. Der Neue wird seinen Platz schon finden – vermutlich in den Villenvierteln der Republik.

Autor: Alex Cohrs

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