Feuerschäden an Pkw

Warum brennen bloß so viele Autos? Warum brennen bloß so viele Autos?

Feuerschäden

— 21.10.2005

Warum brennen bloß so viele Autos?

Die Rückruf-Meldungen wegen Feuergefahr häufen sich. In Deutschland brennen mindestens 35.000 Autos pro Jahr. Und meistens ist daran die Technik schuld.

Meist gibt es Wischiwaschi-Gutachten

Der Übeltäter ist haarig, flink und kommt mitten in der Nacht. Er entert ohne Umwege den Motorraum, um sogleich hemmungslos an seiner Leibspeise – Gummischlauch und Elektrokabel – zu knabbern. Kein Wunder, wenn es dann am nächstenTag qualmt ...

Die Gutachterberichte in den Schadensabteilungen der Kfz-Versicherer sind voller haarsträubender Erklärungsversuche. Nach Fahrzeugbränden lautet die fachmännische Analyse nur allzuoft: Marderbiß, Brandstiftung oder schlicht "Ursache unbekannt".

Vieles bleibt dabei im dunkeln. Denn in der Regel kommen die Sachverständigen zwar von den großen Prüforganisationen (TÜV, DEKRA, GTÜ) und sind qualifizierte Kfz-Techniker, haben aber mit Brandursachenanalyse kaum etwas am Hut. Versicherer und Fahrzeughalter akzeptieren meist die Wischiwaschi-Gutachten, geht es ihnen doch in erster Linie um Schadenhöhe und Restwertermittlung.

Manipulationen fliegen fast immer auf

Auf das Thema Kfz-Brände hat sich in Deutschland nur eine Handvoll Experten spezialisiert. Und die kosten. Doch statt oberflächlicher Begutachtung versprechen sie eine fundierte chemisch-physikalische Analyse sowie kriminalistische Methoden. "Wir kommen auf eine Aufklärungsquote von über 90 Prozent", sagt Roland Kunz (42) vom Sachverständigenbüro Ley im hessischen Seck (www.brandursachenanalyse.de). "Nach unserer Erfahrung liegt die Quote fahrlässiger oder vorsätzlicher Inbrandsetzungen bei unter 15 Prozent. Manipulationen fliegen fast immer auf." Mit anderen Worten: In den meisten Fällen ist die Technik schuld.

Die Ley-Leute machten im Laufe der letzten Jahre mit so manchem heißen Typ Bekanntschaft, bei dem aufgrund der Häufung der Fälle ein konstruktiver Mangel zumindest nicht unwahrscheinlich ist:

• Bei Mercedes-Benz CDI-Motoren verusachte eine Beschädigung des Kolbenbodens einen Öl-Überdruck im Kurbelgehäuse. Über die nicht druckresistenten Dichtungen, vor allem die Führung des Ölpeilstabes, gelangte der Schmierstoff ins Freie und entflammte am Turbolader oder Abgaskrümmer.

• Bei den Common-Rail-Dieselmotoren von Alfa Romeo und Renault gab es Probleme mit dem elektrischen Zuheizer. Eine Beschädigung der Heizwiderstände oder der elektrischen Zuleitung konnte aufgrund der hohen Absicherung des Leitungssatzes mit bis zu 180 Ampere ein Feuer im Armaturenbrett auslösen.

• Bei älteren BMW 3er und 5er (E46, E39) setzten Defekte am Steuergerät des Kühlerlüfters wiederholt Autos in Brand.

Brand aus drei verschiedenen Gründen

Wie schwierig die Ursachenforschung sein kann, zeigt das Beispiel Peugeot 307. Dieser Typ brannte in der Vergangenheit offenbar aus drei verschiedenen Gründen: • wegen Korrosion an einem Servopumpe-Stecker • wegen Feuchtigkeit am ABS-Steuergerät bei Modellen ohne ESP (Rückruf läuft) • weil der Anlasser während der Fahrt mitläuft (zum Beispiel wegen eines im Zündschloß blockierten Schlüssels). Dabei rückt das Starterritzel aus und verklemmt sich im Eingriff mit der Schwungscheibe. Folge: Die Schwungscheibe treibt den Startermotor an, das Generatorprinzip kehrt sich um. Aus dem Anlasser wird also eine Lichtmaschine, von der Strom (zirka 100 Ampere) in Richtung Batterie fließt. Das Kabel wird dabei rund 500 Grad heiß und setzt die Umgebung in Brand.

Bei modernen Autos liegt der Teufel oft im Detail. So kam es zu Zwischenfällen mit H7-Lampen, die Scheinwerfergehäuse aus Kunststoff entzündeten. Einziger Grund: Das Leuchtmittel war nicht korrekt in der Fassung verschraubt.

Experten gehen von bundesweit mindestens 35.000 Kfz-Bränden im Jahr aus – vom leichten Schmorschaden bis zum vollständig abgefackelten Fahrzeug. Einen Feuerlöscher hat Fachmann Kunz bei seinen Dienstfahrten quer durch die Republik allerdings nicht an Bord. "Ich habe nie einen gebraucht", sagt er. "Noch jedenfalls nicht."

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