Crashtest integrierte Kindersitze

Crashtest: Integrierte Kindersitze Crashtest: Integrierte Kindersitze

Integrierte Kindersitze im Crashtest

— 31.01.2006

Wirklich so sicher?

AUTO BILD und der ADAC haben in integrierte Kindersitze in den Crashtest geschickt. Ergebnis: Fest eingebaute Kindersitze müssen nicht unbedingt sicherer sein. Ein "normaler" Zubehörsitz schützt mindestens ebenso gut.

Drei, zwei, eins – zum Glück war es nicht meins. Sondern eine Test-Puppe. Ein Kinder-Dummy. Unangeschnallt ist die Puppe durchs Auto geflogen. Aufprallgeschwindigkeit bei diesem Test: knapp 40 km/h. Die Überlebenschance für ein Kind im Ernstfall: gleich null. Keine Frage: Kindersitze sind lästig, sperrig und schwer. Anschnallen ist umständlich. Aber, um es deutlich zu sagen: Beides ist unverzichtbar. Nicht nur, weil die Polizei für unkorrekt sitzende Kinder 40 Euro Bußgeld kassiert und einen Flensburg-Punkt anschreibt. Viel wichtiger: Kindersitze schützen Leben. Und weil sie so wichtig sind, forscht die Industrie permanent, fahndet nach der besseren Lösung. Angeblich derzeit das Nonplusultra: integrierte Kindersitze. Sicherer, bequemer, leichter bedienbar, sagen die Hersteller. Wirklich? Immerhin kosten diese Sitzsysteme viel Geld. Und sie sind unverrückbar an ein Auto gekettet.

Integrierte Sitze sind nicht unbedingt besser

Der integrierte Kindersitz im Passat (255 Euro) schnitt mit einem "gut" noch am besten ab.

Die Praxis, das zeigt der Test von AUTO BILD und dem ADAC, sieht nicht so schwarzweiß aus, wie die Autohersteller behaupten. Es gilt nicht: guter integrierter Sitz, böser Normal-Sitz. Weder bei der Crashsicherheit noch im Alltag oder Sitzkomfort. Im Gegenteil: Zwei der drei getesteten Integrierten schnitten sogar schlechter ab. Die Lösungen von Ford und Mercedes-Benz kamen in der Gesamtnote nur auf ein Ausreichend und ein Befriedigend. Lediglich der Passat-Sitz schafft ein Gut, wie auch die beiden konventionellen Kindersitze von Concord und Römer.

Beim Seitencrash fehlen Extra-Polster

Bei einem der Crashtests mit der "Safety-Box" von EuroKids (rund 30 Euro) rutschte der Gurt über den Beckenknochen des Dummys.

Erstaunlich ist dies vor allem, weil die drei integrierten Sitze nach dem gleichen Prinzip funktionieren: Es wird ein Sitzerhöher aus der Sitzfläche geklappt, die Kinder mit dem Autogurt gesichert. Damit teilen alle drei schon mal prinzipiell folgende Vorteile: Sie lassen sich leicht bedienen, sie kippeln im Auto nicht hin und her. Im Frontal-Crash mit 64 km/h ist deshalb die sogenannte Vorverlagerung kleiner. Der Kinderkopf schlägt nicht so leicht gegen die Vordersitzlehne. Doch selbst in diesem Punkt können konventionelle Sitze mithalten. Voraussetzung: Sie wurden richtig mit dem Autogurt festgezurrt.

Integrierte Sitze sind "blöd"

Beim Seitencrash mit 50 km/h fallen die Systeme von Ford und Mercedes nicht gerade positiv auf. Grund: Seitlich bieten sie kaum Schutz. Hier fehlen weiche Extra-Polster. Die gibt es im Passat. Deshalb schneidet der Sitz bei dieser Prüfung sogar noch besser ab als die konventionellen Sitze. Im täglichen Umgang überzeugen die Integrierten im Handling. Herausklappen, Kind anschnallen – fertig. Simpler geht es kaum. Außerdem nehmen sie weniger Platz weg als die klassischen Kindersitze, es bleibt mehr Raum für die Beinchen. Unsere Kinder finden die Integrierten dagegen eher blöd. Sie sind klein, dünn gepolstert, und die Waden drücken auf harte Plastikteile. Da nützt dann auch eine Gummiverkleidung wie im Mercedes wenig. Außerdem gibt es keine Liegeposition fürs Nickerchen zwischendurch.

AUTO BILD-Urteil "befriedigend": Kinder fahren in der Mercedes-Benz C-Klasse recht sicher mit.

Der deutschen Sauberkeit kommen die Integrierten ebenfalls wenig entgegen. Mal eben den Bezug abziehen und waschen? Geht nicht. Fazit: Für Autofahrer, die nur ab und zu Kinder chauffieren sind die Integrierten okay. Eltern schnallen ihren Nachwuchs besser im klassischen Sitz an. Die sind flexibel für den Einsatz in einem zweiten Auto, die Kinder fahren bequem und sicher. Den kompletten Vergleichstest mit allen Daten und Ergebnissen bekommen Sie für 1,00 Euro in unserem Heftarchiv. Einfach hier klicken, und Sie sind im Download-Bereich.

Safety-Box: nur als Notsitz akzeptabel

Für den täglichen Gebrauch ist die Safety-Box völlig ungeeignet und bestenfalls als Notsitz akzeptabel.

Gemeinsam mit den integrierten Sitzen haben wir auch die Safety-Box von EuroKids (rund 30 Euro) getestet. Sie ist Sitzerhöher und Transportbox für Kleinigkeiten in einem. Gute Idee – doch beim Frontalaufprall für die Gruppen II/III enttäuscht der Notsitz. Alle Meßwerte lagen über denen der Referenz-Sitze aus dem Zubehörhandel. Bei einem Versuch rutschte der Gurt sogar über den Beckenknochen des Dummys. Deshalb wurde die Box um eine halbe Note abgewertet. Die Safety-Box bietet keinen eigenen Schutz beim Seitenaufprall. Wegen fehlender Seitenwangen können schlafende Kinder zudem leichter aus dem Sitz rutschen. Auch die Gurteinstellung funktioniert nicht optimal: Der Beckengurt kann durch zwei Haken laufen, und der Schultergurt ist mit einem Hilfsband in der Höhe einstellbar. Trotzdem verläuft der Fahrzeuggurt nicht ideal.

Fazit: Für den täglichen Gebrauch ist die Safety-Box völlig ungeeignet und bestenfalls als Notsitz akzeptabel.

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