Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die aktualisierten Regionalklassen für die gut 400 Zulassungsbezirke in Deutschland bekannt gegeben. Sie gelten bei neuen Vertragsabschlüssen sofort, bei laufenden Kfz-Versicherungen ab Januar 2026.

Regionalklassen: Veränderungen 2026

2026 bringt für Millionen Autofahrer neue Einstufungen bei der Kfz-Haftpflicht. Laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) sind 24,5 Prozent aller Versicherungsnehmer von den Änderungen bei den sogenannten Regionalklassen betroffen.
Knapp 5,3 Millionen Autofahrer in 51 Zulassungsbezirken dürfen sich freuen: Sie werden günstiger eingestuft. Aber: fünf Millionen Fahrer in 48 Bezirken müssen künftig tiefer in die Tasche greifen. Für die Mehrheit – 32,1 Millionen Autofahrer in 314 Bezirken – bleibt alles wie gehabt.
Entscheidend für die Regionalklassen ist die Schadensbilanz der Region. In Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern fällt die besonders günstig aus – Autofahrer dort profitieren. Spitzenreiter ist der brandenburgische Kreis Elbe-Elster: Hier liegen die Schäden rund 30 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.
Ganz anders die Lage in Hessen und Nordrhein-Westfalen: Dort wird fast jeder vierte Versicherte hochgestuft. In Großstädten sind die Klassen traditionell hoch – Offenbach hat die schlechteste Bilanz bundesweit, dicht gefolgt von Berlin. In beiden Städten liegen die Schäden fast 40 Prozent über dem Durchschnitt.
Die Änderungen betreffen nicht nur die Haftpflicht, sondern auch die Kaskoversicherung. 2,6 Millionen Voll- und Teilkasko-Versicherte rutschen in eine günstigere, 2,1 Millionen in eine höhere Klasse. Für die meisten – 33,4 Millionen (88 Prozent) – bleibt alles beim Alten.
Grundsätzlich gilt: Je besser die Regionalklasse, desto niedriger der Beitrag. Wichtig: Entscheidend ist der Wohnort des Halters, nicht der Ort des Schadens. Die Statistik des GDV ist allerdings unverbindlich. Versicherer können sie sofort bei neuen Verträgen anwenden oder für bestehende Policen ab dem nächsten Versicherungsjahr berücksichtigen.
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Auch in den Kaskoversicherungen ändern sich durch die aktuelle GDV-Regionalstatistik für viele Autofahrer die Regionalklassen: Für rund 5,8 Millionen Voll- oder Teilkaskoversicherte gelten künftig höhere, für rund 4,5 Millionen niedrigere Einstufungen. Verbessern können sich dabei vor allem Teilkaskoversicherte in Baden-Württemberg und Sachsen. In Bayern und Hessen rutschen hingegen viele Zulassungsbezirke in höhere Voll- und Teilkaskoklassen – was in den meisten Fällen auf regionale Hagelschauer zurückzuführen ist, die im vergangenen Jahr hohe Schäden an zahlreichen Autos verursacht hatten.

Was bedeuten die Regionalklassen?

Die Regionalklassen werden einmal im Jahr vom GDV berechnet und spiegeln die Schadenbilanz der 413 deutschen Zulassungsbezirke wider. Entscheidend ist dabei nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat.
In der Kfz-Haftpflichtversicherung sind die Versicherungsleistungen für geschädigte Dritte nach Verkehrsunfällen maßgeblich. In der Kaskoversicherung fließen die Versicherungsleistungen nach selbstverschuldeten Unfällen und für alle anderen Kasko-Schadenfälle in die Berechnung ein, unter anderem für Autodiebstähle, Glasschäden, Fahrzeugbrände, Wildunfälle oder Schäden durch Naturereignisse. Die so berechneten Schadenbilanzen der Zulassungsbezirke werden versicherungsmathematisch in einen Indexwert umgerechnet, der die jeweilige Regionalklasse bestimmt.

Kfz-Versicherung/Regionalklassen: Video

So wirkt sich das Schadensrisiko aus

Der Index bezieht sich auf den Bundesdurchschnitt mit dem Wert 100. Liegt der Wert darunter, ist die Schadenbilanz der Region besser als der Schnitt, ist der Wert höher, ist die Schadenbilanz schlechter. Für die Kfz-Haftpflichtversicherung gibt es 12 Regionalklassen. Der Bundesdurchschnitt 100 entspricht in der Kfz-Haftpflichtversicherung der Regionalklasse 6.

Wie viele Regionalklassen gibt es?

Regionalklassen gibt es sowohl in der Haftpflicht als auch in der Teilkasko- und Vollkaskoversicherung. In der Haftpflicht reichen die Regionalklassen von 1 bis 12, in der Teilkasko von 1 bis 16 und in der Vollkasko von 1 bis 9.

Wo sind die Regionalklassen hoch, wo niedrig?

Besonders hoch sind die Regionalklassen üblicherweise in den Großstädten. Dort ist das Verkehrsaufkommen am höchsten, es kommt daher zu mehr Unfällen als in weniger dicht besiedelten Gebieten. Auch Kaskoschäden durch Diebstahl, Vandalismus oder Schäden beim Einparken sind in Städten häufiger als auf dem Land. Berlin hat zum Beispiel die ungünstigen Regionalklassen 12 (Haftpflicht), 9 (Vollkasko) und 11 (Teilkasko). Besonders niedrig sind die Regionalklassen dagegen zum Beispiel in Münster (Haftpflicht 4, Vollkasko 1, Teilkasko 1).
Autodiebstahl
Viele Diebstähle treiben in den Großstädten die Kaskoschäden und damit die Regionalklassen in die Höhe.
Bild: DPA
Auch die verschiedenen Witterungsbedingungen (Schneefall, Sturm, Hagel) spielen eine Rolle bei den großen regionalen Unterschieden in den Schadenbilanzen der Zulassungsbezirke. So haben vor allem mehrere Bezirke in Bayern üblicherweise höhere Regionalklassen als der Bundesdurchschnitt.

Regionalklassen 2025 der Großstädte über 300.000 Einwohner

Regionalklassen 2025 der Großstädte über 300.000 Einwohner
Berlin
12 (•)
9 (↑)
11 (↑)
Nürnberg
11 (•)
4 (•)
2 (•)
München
11 (•)
7 (•)
7 (↑)
Hamburg
11 (•)
7 (•)
6 (•)
Essen
11 (•)
6 (•)
6 (•)
Wuppertal
11 (•)
5 (•)
4 (•)
Frankfurt/Main
11 (↑)
6 (•)
4 (↑)
Duisburg
10 (•)
5 (↑)
6 (↓)
Düsseldorf
10 (•)
5 (↓)
5 (•)
Dortmund
10 (•)
4 (•)
4 (•)
Köln
10 (•)
7 (•)
9 (•)
Mannheim
9 (•)
5 (•)
4 (•)
Bielefeld
9 (•)
2 (•)
1 (•)
Bochum
9 (•)
4 (•)
4 (•)
Dresden
9 (•)
4 (•)
5 (•)
Karlsruhe
8 (•)
5 (•)
6 (↓)
Stuttgart
8 (•)
5 (•)
3 (↓)
Hannover
9 (↑)
5 (•)
3 (•)
Leipzig
8 (•)
6 (•)
8 (•)
Bremen
7 (•)
5 (•)
6 (•)
Bonn
7 (•)
5 (•)
7 (•)
Münster/Westfalen
4 (•)
1 (•)
1 (•)

Wie wirkt sich eine neue Regionalklasse auf die Versicherungskosten aus?

Wie stark der Wohnort die Versicherungskosten beeinflusst, zeigen aktuelle Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox. Danach zahlt ein 45-jähriger Hauptstädter 59 Prozent mehr für die Vollkasko-Versicherung seines VW Passat als ein Einwohner des ostfriesischen Emdens mit dem gleichen Fahrzeug. Der Preisunterschied liegt so bei 389 Euro. Für eine Teilkasko-Versicherung müssen Berliner 54 Prozent – 220 Euro – mehr aufbringen, für die Haftpflicht 52 Prozent, beziehungsweise 144 Euro. Um den Regionaleffekt auf die Versicherungskosten darzustellen, hat Verivox zwei bis auf den Wohnort identische Fahrerprofile miteinander verglichen.
Die Regionalklassen des GDV berücksichtigen Schäden nach Unfällen, die Diebstahlhäufigkeit, Sturm- und Hagelschäden, aber auch Wildunfälle sowie die durchschnittliche Schadenhöhe in einer Region. Insbesondere in Berlin sind diese Zahlen sehr hoch, in Emden hingegen eher niedrig. Laut polizeilicher Kriminalstatistik lag beispielsweise die Zahl der Autodiebstähle 2023 in der Hauptstadt bei 207 Fällen pro 100.000 Einwohner, in Emden bei nur 18 Fällen.
Der Verband aktualisiert die Einstufungen einmal jährlich und stellt sie Kfz-Versicherern zur Verfügung. "Die Regionalklassen des GDV sind für Versicherungen nicht verpflichtend", erklärt Wolfgang Schütz, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. "Manche Versicherer nutzen eigene Einstufungen. Aber auch hier sind Schadenquoten und -kosten ausschlaggebend."
In Großstädten führt der dichtere Verkehr zu mehr Unfällen – in ländlicheren Gebieten liegen die Schadenquoten dagegen niedriger. So teilt man sich etwa in Berlin-Nikolassee zwar mitunter einen Gartenzaun mit den Nachbarn aus Kleinmachnow, nicht jedoch die Regionalklassen. 32 Prozent – 243 Euro – zahlen die Hauptstädter mehr für die Vollkaskoversicherung. Die Teilkasko ist 30 Prozent (140 Euro), die Haftpflicht 34 Prozent (104 Euro) teurer.
Für den einzelnen Autofahrer sind die Kostenunterschiede durch die Umstufungen der Regionalklassen von einem aufs andere Jahr meist nicht so hoch. Dennoch stehen vielen Versicherten fürs kommende Jahr teurere Beiträge für ihre Kfz-Versicherung ins Haus. Nach Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich im Vorjahr müssen Autofahrer mit weiteren Rekordpreisen bei der Kfz-Versicherung rechnen.
"Die Preissteigerungen im letzten Jahr haben noch nicht ausgereicht, um das defizitäre Geschäft der Kfz-Versicherer auszugleichen", sagt Wolfgang Schütz. "Deshalb werden auch in diesem Jahr die Beiträge für viele Autofahrer steigen. Dennoch wird es für Versicherungswechsler wieder günstige Angebote geben. Auch in der aktuellen Situation legen die Versicherungen noch attraktive Angebote auf, um ihren Kundenstamm zu erweitern."
Für die Versicherer sind die Kosten pro Schadensfall in den letzten Jahren stark gestiegen. Dies liegt zum einen an den gestiegenen Preisen für Ersatzteile, aber auch für Arbeitsstunden in den Werkstätten. Zum anderen sind die Prämien bei vielen Versicherern relativ niedrig und margenschwach kalkuliert.

Sonderkündigungsrecht bei Änderung der Regionalklasse

Wichtig zu wissen für den Versicherten ist aber, dass für ihn ein Sonderkündigungsrecht besteht, wenn sich der Beitrag aufgrund einer Veränderung der Regionalklasse erhöht. Das gilt jedoch nur, wenn sich tatsächlich die Regionalklasse des bisherigen Zulassungsbezirks geändert hat. Ergibt sich die Änderung der Regionalklasse durch einen Umzug von einem Zulassungsbezirk in einen anderen, besteht kein Sonderkündigungsrecht.