CO2-Effizienz

Ökolabel für Pkw kommt

— 08.07.2011

Das große Täuschungsmanöver

Der Bundesrat hat über den Energieausweis für Fahrzeuge abgestimmt. Das Ökolabel wird ein Persilschein für große Autos – weil vor allem das Gewicht als Bezugsgröße dient.

Der Energieausweis für Autos – zuletzt vorangetrieben von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) – ist beschlossene Sache. Am 8. Juli 2011 stimmte der Bundesrat über die Kennzeichnungspflicht für Neuwagen ab. Ähnlich wie bei Waschmaschinen sollen demnächst bereits im Autohaus Buchstaben und Farbbalken signalisieren, wie umweltfreundlich ein Wagen ist. Der Bundesrat stimmte dem Regierungsvorschlag "nach Maßgabe" einiger Änderungen zu: Die Länderkammer sprach sich mehrheitlich dafür aus, nach spätestens drei Jahren auch andere Grundlagen als das Gewicht zur Berechnung der CO2-Effizienz zu prüfen. Dies könnten etwa die Fahrzeugfläche oder die Zahl der Sitzplätze sein. Die Skala solle nicht nur für Elektro-, sondern auch für Brennstoffzellenfahrzeuge gelten. Weitere, noch höhere Effizienzklassen sollten erst eingeführt werden, wenn mindestens fünf Prozent der Neuzulassungen eines Jahres die Kriterien erreichen – und nicht nur ein Prozent.

Rollende Blechburgen im Vorteil

Philipp Rösler (FDP): "Eine wichtige Hilfe bei der Kaufentscheidung."

Das Ökolabel in seiner gerade abgesegneten Form könnte auch aus anderen Gründen nur ein kurzes Intermezzo sein: Rot-Grün würde es nach einem Bundestagswahlsieg 2013 stark verändern. Wichtiges Indiz: Bereits im Vorfeld der Bundesratsabstimmung haben grüne und rote Landesminister den Rösler-Entwurf erheblich abgeändert, weil er zu "verzerrten Darstellungen" und "Verwirrungen bei den Verbrauchern" führe (BR-Drucksache 281-1-11). Die Landespolitiker wollten, dass die Verordnung nach drei Jahren auf den Prüfstand kommt, das Leergewicht keine Rolle mehr spielt. Denn dies fällt derzeit so stark ins Gewicht, dass fahrende Blechburgen auf dem Papier teilweise besser abschneiden als Leichtgewichte. So bekäme der 750 Kilogramm leichte Smart mhd trotz 97 Gramm CO2 pro Kilometer die miese Note D – genauso wie der Winzling Daihatsu Cuore 1.0 (104 Gramm) oder der Fiat Panda Active 1.2 8V Eco (113 Gramm). Der Audi Q7 3.0 TDI (204 PS) dagegen wiegt mit 2345 Kilo mehr als drei Smart, stößt mit 189 Gramm doppelt so viel CO2 aus – und erhielte mit Note B einen Persilschein. Ein Leopard-Kampfpanzer würde trotz 62 Tonnen Masse so abschneiden (E) wie ein 1217 Kilo schwerer Golf 1.4 Trendline (80 PS). Mehr Beispiele gibt es oben in der Bildergalerie.

Mittelklasse-Diesel: So schön sparen Geizhälse

Stephan Kühn (Grüne) vor der Abstimmung im Bundesrat: "Eine Verbraucher-Täuschung, die wir stoppen wollen."

Wirtschaftsminister Rösler verteidigt dennoch die von Vorgänger Rainer Brüderle (FDP) geerbte Etikettenverordnung als "wichtigen Beitrag zur Verbraucherinformation und eine wichtige Hilfe bei der Kaufentscheidung". Doch die über europäische Vorgaben weit hinausreichende Kennzeichnung gilt vielen als Etikettenschwindel. Toni Hofreiter, grüner Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag, hält sie für "einen Witz". Fraktionskollege Stephan Kühn: "Eine Verbrauchertäuschung." Ganz anders Matthias Wissmann, Chef des Verbands der Automobilindustrie (VDA): "Beim Auto ist es ähnlich wie beim Boxen: Dort gibt es auch aus gutem Grund Gewichtsklassen."

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Online-Voting

'Brauchen Autos ein Öko-Label?'

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.