Crashtest Opel Astra Cabrio

Opel Astra Cabrio: Crashtest

— 09.06.2015

So sicher ist ein alter Opel

Unser Astra Cabrio war mit 350 Euro ein Schnäppchen. Nun wollen wir wissen: Wie sicher ist ein 19 Jahre alter Gebrauchter im Crashtest?

Boiiiinnng! Christian Bürger zupft am Führungsseil. Die armdicke Stahltrosse zeigt reichlich Spannung im Draht. Passt! Die Zugtrolleys – kleine Klemmböcke, die später am Versuchsauto zerren werden – sitzen ebenfalls sauber in der Spur. Bürger ist zufrieden mit den Vorbereitungen. "Kannst den Schrotthändler für 17 Uhr herbestellen", ruft der Unfallanalytiker seinem Kollegen zu. "Und bring schon mal die Besen mit!" Wie jetzt? Schrotthändler? Besen? Soll hier am Ende nur ein klägliches Häufchen Blechmüll übrig bleiben? Eigentlich hatten wir angenommen, wir könnten das Opel Astra Cabriolet wieder mit zurück nach Hamburg nehmen.
Unser Opel Astra Cabrio im Gebrauchtwagen-Test

Trotz guten Zustands muss der Opel Astra dran glauben

Irgendwie ist es fast schade drum: Der Opel Astra für 350 Euro ist eigentlich noch gut in Schuss.

Stattdessen geht DEKRA-Ingenieur Bürger wohl ziemlich fest davon aus, dass sich das Ergebnis auf einer Schaufel zusammenfegen lässt. Auweia, demnach könnte es für unseren 1997er Astra heute eng werden. Bislang hat sich der Opel ja als äußerst tapfer und unerwartet widerstandsfähig erwiesen. In Ausgabe 18 testeten wir das "günstigste Cabriolet Deutschlands" und stellten dem angejahrten Bertone am Ende der Tortur ein sehr ordentliches Zustandszeug- nis aus. Bremsen, Motor, Fahrwerk, Faltdach – auch nach 19 Jahren Cabriosause und 256.000 Kilometer Straßenstress hielten wir den Astra noch für einsatztauglich. Besonders erstaunlich lich: Der Wagen hatte nur 350 Euro gekostet, war ein Internet-Schnäppchen. Aber was passiert, wenn so ein oller Opel irgendwo hineinkracht, einen Unfall hat? Ein Crashtest soll zeigen, ob der offene Opa auch im Kollisionsfall noch bestehen kann.

Ohne Schmierstoffe beginnt der Benziner zu nageln

Motorfolter: Bei der letzten Fahrt auf die Startposition muss der 1.8er ohne Schmiermittel auskommen.

Dazu sind wir nach Bielefeld-Sennestadt gereist. Hier betreibt die DEKRA unter anderem eine Versuchsanlage für die Unfallforschung. Mit etwas über 50 km/h soll der Opel hier um 40 Prozent seitlich versetzt auf ein anderes Auto semmeln. Das kommt ebenfalls mit über 50 Sachen angerauscht. Man könnte auch addieren und übersetzen: Das entspricht einer Aufprallgeschwindigkeit von 100 km/h. Alles andere als ein Parkrempler. Spätestens jetzt haben auch wir eine Ahnung, warum wir gleich Besen und Kehrblech brauchen werden. Eine mögliche Unfallreparatur (wie bis eben noch für eine weitere Folge über den "ollen Opel" angedacht) fällt wohl flach. Zumal auch der Motor inzwischen nagelt wie ein Diesel und stinkt wie ein überhitzter Backofen. Grund: Für den Versuch werden Kühlmittel und Öle abgelassen, der 1.8er muss seine letzten Umdrehungen unter schmier- und kühlmittelfreier Folter absolvieren.

Der Zusammenstoß staucht die beiden Autos brutal zusammen

Der Moment des Aufpralls: Astra Cabrio und Passat Variant rasen mit jeweils 56 km/h ineinander.

Nicht genug, der ganz große Schmerz kommt erst noch. Ingenieur Bürger gibt das Go zum Au! Von Stahlseilen über Umlenkrollen gezogen, rasen Versuchsgegner VW Passat und unser Billig-Opel aufeinander zu. Kameras klicken, die Seile schaben durch die Führungen, bis auf Tempo 56 kommen die Unfall- Kontrahenten. Dann: ein kurzes, hartes Tschakk – vorbei. Kein Flammenmeer wie bei "Alarm für Cobra 11", keine Detonation, kein umherschleuderndes Hinterrad. Ein kleines Wölkchen weißer Dampf steigt über dem Opel auf – Treibgase und Konservierungspuder aus dem Airbag wabern hoch. "Sind dem ersten Augenschein nach beide im vollen Umfang aktiviert", interpretiert Uwe Hellkamp, ebenfalls Unfallanalytiker und Experte für Rückhaltesysteme, den Zustand der 19 Jahre alten Luftsäcke. Das ist nicht selbstverständlich, oft bleibt die Wirkung der Lebensretter mit dem Alter auf der Strecke. Tatsächlich zeigt die Auswertung, dass sich sowohl Fahrer- als euch der deutlich größere Beifahrerairbag zu ihrer vollen Größe entfaltet haben. Entsprechend sind die Köpfe der Dummys in der vorgesehenen Position auf das Gewebe gestoßen, entsprechend "weich" abgefedert worden.

Der zischelnde Trümmerhaufen hätte die Passagiere geschützt

Überraschend: In diesem 19 Jahre alten Cabrio hätten die Insassen den Frotalcrash leicht verletzt überlebt.

Ebenfalls positiv: Obwohl der schwere Einschlag das rechte Vorderrad sehr weit in Richtung Fahrgastzelle gedrückt hat, ist der Beifahrerfußraum nahezu unversehrt geblieben. Beim Gegner war das übrigens nicht der Fall, hier ist die A-Säule im unteren Bereich scharfkantig aufgerissen, das Bodenblech wie ein China-Fächer in Falten geworfen. Dass der Opel im Bodenbereich so viel stabiler ausgeführt ist, liegt in der Versteifung des Cabrio-Chassis. Und sonst? Wir stehen vor dem zischelnd abkühlenden Trümmerhaufen und staunen. Eine Fondkopfstütze hat sich inklusive Halterung und Schaumstoff-Fetzen gelöst, die Rückbanklehne liegt ausgehakt auf halb acht, doch der Rest des Opel-Inneren hat den harten Schlag beeindruckend widerspenstig eingesteckt. Die pyrotechnischen Gurtstraffer zogen ordnungsgemäß an, beide Schweller konnte ihre faltenfreie Form halten, die Türen lassen sich entsprechend noch ohne Kraftaufwand öffnen. Überhaupt: Die gesamte Fahrgastzelle ist strukturell in Ordnung – Fahrer und Passagier hätten wohl (und das sogar mit geringen Verletzungen) überlebt.

Dabei sehen die Außen-Reste des Astra überhaupt nicht danach aus. Die Frontscheibe ist geborsten, dem Alurad hat es die Felge von den Speichen geschält, Motorhaube sowie der im Grunde äußerst stabile Schlossträger (das ist das Blech, an dem Haubenarretierung und Kühler befestigt sind) schmiegen sich nach dem Stauchen wie eine Blaupause rund um den Motorblock. Außerdem steht der Scheibenrahmen schief, Motor und Getriebe sind um zwei Felder diagonal vor- gerückt. Das Aus für den schwarzen Bertone. Reparatur? Sinnlos wie ein Spendenaufruf für Griechenland. Schon hängt der Astra in der Kralle des Abschleppers. Trümmer und Scherben fegen wir zusammen. Und Christian Bürger kommt mit der Schippe: "17 Uhr. Passt!"
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Das positive Ergebnis hat uns überrascht, der Billig-Opel hat den Crash (was Insassenschutz angeht) gut überstanden. Allerdings kann das bei einem identischen Uralt-Auto auch anders ausgehen, eine Garantie gibt es leider nicht.

Stichworte:

Cabrio

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.