Petter Solberg will 2010 wieder ganz vorn an der Spitze mitmischen können

Rallye 2009

— 28.07.2009

Exklusiv: Solberg und sein "eigenes Ding"

Petter Solberg wollte beweisen, dass er auch im alten Auto schnell ist, und das Image war ihm wichtiger als ein Ford-Vertrag, doch 2010 will er Titelchancen

Seit er sein eigener Chef ist, wirkt Petter Solberg so locker und gelöst wie bei Subaru schon lange nicht mehr. Auch bei den Baja 300 Powerdays hatte der Norweger seinen Spaß, sorgte für heiße Drifts im Tagebau und schrieb stundenlang Autogramme. Nebenbei nahm er sich die Zeit, mit 'Motorsport-Total.com' über sein Leben als Fahrer mit eigenem Team und über seine Zukunft zu sprechen.

Auf die Frage, ob es je einen Moment gab, in dem er bereut hat, sein eigenes Team gegründet zu haben, antwortet Solberg mit einem entschiedenen: "Nein, nicht eine Sekunde lang!" Innerhalb von drei Wochen hat er das Team aufgebaut, "Sponsoren gesucht, einen Truck, Personal und das Auto organisiert. Dazu kamen noch die Testfahrten. Und es hat wirklich Spaß gemacht!"

Eine besondere Genugtuung scheint "Mister Hollywood" zu verschaffen, dass er mit seinem alten Citroën Xsara bessere Ergebnisse einfährt als in den vergangenen Jahren im Subaru-Werksteam: "Wir sind nur zwölf Leute, bei Subaru waren es 300 Leute", sagt er grinsend. "Und wir haben ein altes Auto - was kann ich also mehr verlangen? Wir haben in diesem Jahr sehr gute Ergebnisse geholt - und das mit diesem alten Auto. Ich bin wieder da, wo ich vorher schon hätte sein sollen."

Als Chef im eigenen Team hat Solberg lange Arbeitstage: Er muss das Team leiten, sich um die Sponsoren bemühen, schauen, dass es sportlich vorangeht und nebenbei auch noch Rallyes bestreiten, sich fit halten und um seine Familie kümmern. "Das Gute ist, dass die gesamte Familie mit eingebunden ist. Egal, was ich mache - sie sind immer dabei", schildert er den Alltag im "Familienunternehmen" World Rally Team. "Meine Frau arbeitet auch sehr viel im Team mit. Wir haben eine eigene Teamkollektion, die wir bei Rallyes verkaufen. Man muss Sponsorentermine wahrnehmen. Wir arbeiten jeden Tag vom frühen Morgen bis spät in die Nacht."

Allerdings war die Gründung seines Teams nach dem Ausstieg von Subaru nur eine Notlösung, betont er: "Ich habe einfach meine Karriere gerettet", so Solberg. Dabei gab es ein Angebot von M-Sport-Chef Malcom Wilson, zu Ford zu kommen. Solberg lehnte ab: "Denn ich will mein eigenes Image behalten. Mein Image wegen Ford aufzugeben, wegen einer kurzfristigen Lösung ohne Plan und vielleicht sogar auch noch Geld dafür bezahlen zu müssen - das ist ganz schlecht."

Und noch etwas anderes war "Mister Hollywood" wichtig: "Ich wollte in einem alten Auto fahren. Dass ich in einem neuen Auto schnell bin, hat ohnehin jeder gewusst. Aber ich wollte in einem alten Auto beweisen, dass ich sehr, sehr schnell sein kann." Und so zieht er weiter sein "eigenes Ding" durch: "Ich fahre ein Auto, das nicht mehr produziert wird, und mache Subaru auch noch glücklich. Denn ich gehöre in diesem Jahr immer noch zu Subaru, auf eine gewisse Art und Weise. Wir haben noch einen Vertrag. Deshalb versuche ich, auch zu ihnen nett zu sein und zu den Fans natürlich sowieso."

Sein eigenes Team zu haben, ist für Solberg "ein Traum, es ist eine gute Sache, es macht mich glücklich." Natürlich wäre er gern in einem Werksteam, "um meinen Job für einen Hersteller zu erledigen" betont er. "Aber wenn man keine Wahl hat, muss man das Beste aus der Situation machen. Das haben wir getan. Jetzt mache ich weltweit PR für meine Sponsoren, für ihre Firmen und ihre Mitarbeiter. Jetzt mache ich dasselbe für sie wie zuvor für einen Hersteller."

Derzeit hat Solberg also seinen Spaß, doch er betont: "Im nächsten Jahr werde ich etwas anderes machen. Wenn ich 2010 fahren sollte, kann ich es nicht noch einmal so machen. Ich muss nächstes Jahr in der Lage sein, um die Weltmeisterschaft zu kämpfen."

Werksvertrag oder weiter eigenes Team?

Am liebsten würde Solberg 2010 natürlich wieder in einem Werksteam fahren, doch bei Ford und Citroën sind die Cockpits eigentlich vergeben und andere Alternativen sind nicht in Sicht. Also denkt der Norweger darüber nach, vielleicht auch nächstes Jahr im eigenen Team zu fahren.

Das rechnet sich für ihn jedoch nur, wenn er ein Auto hat, mit dem er um den Titel fahren kann: "Einen anderen Plan habe ich auch noch nicht. Ich glaube, den hat noch keiner. 2011 ändern sich die Dinge dann." Dann könnte das neue Reglement neue Hersteller in die WRC locken - und Solberg könnte die Chance auf ein Werkscockpit bekommen. Und bis dahin? "Mache ich mein eigenes Ding. Und wenn sich etwas ergibt, ergibt sich etwas."

Blicken wir damit in die nähere Zukunft: Solberg hatte gehofft, bei der Rallye Finnland an diesem Wochenende mit einem Citroën C4 antreten zu können. Doch daraus wurde nichts, er muss wieder in seinem alten Xsara fahren. "Ich kann dir jetzt schon sagen, wo ich dort landen werde: Platz vier oder fünf. Das weiß ich", prognostiziert er. "Wenn du mich vor Zypern gefragt hättest, hätte ich dir gesagt, dass ich vorn an der Spitze mitkämpfen werde. In Griechenland habe ich um den Sieg gekämpft." Aber in Polen habe sich gezeigt, dass er mit dem alten Auto auf schnellen Schotterpisten auf verlorenem Posten steht.

Updates an seinem Xsara hat er für Finnland auch nicht geplant. Doch Solberg fügt verschwörerisch grinsend hinzu: "Aber ich habe vielleicht einen kleinen Plan für die Rallye Großbritannien." Wird er dort ein neues Auto haben? "Ich habe da ein paar Pläne...", antwortet Solberg ausweichend. Zu den Plänen gehört auch, die Rallye Australien eventuell auszulassen: "Ich muss mich mehr auf die Rallye Großbritannien konzentrieren, Australien ist so weit weg und es ist eine sehr schnelle Rallye. Ich weiß, dass es dort schwierig für mich wird."

Abschließende Frage: Welchen Wunsch will sich Solberg in diesem Jahr noch erfüllen? "Den Wunsch habe ich mir schon erfüllt: Das Team zusammenzustellen, auf das Podium zu fahren, in Griechenland um den Sieg zu kämpfen. Aber es wäre schön, wenn ich einmal wieder eine Rallye gewinnen könnte. Dann wäre ich sehr glücklich."

Fotoquelle: Baja 300 Powerdays

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