Die Rallye-WM steht vor entscheidenden Wochen und Monaten für die Zukunft

Rallye 2012

— 19.02.2012

Mahonen: Krise eine Chance für die Zukunft

WRC-Kommisions-Präsident Jarmo Mahonen sieht die aktuellen Probleme der Rallye-WM als Möglichkeit, eine bessere Zukunft zu schaffen

Die Rallye-Weltmeisterschaft steckt spätestens seit der Pleite des Vermarkters in der Krise. Doch auch davor war nicht alles rosig. Als Jean Todt im Jahr 2010 zum Präsidenten des Automobilweltverbandes FIA gewählt wurde, hatte er es sich zum Ziel gesetzt, dem Rallye-Sport wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Bislang war davon nicht viel zu sehen. Auf der einen Seite darf es wieder innerhalb einer Rallye gemischten Untergrund geben, wie der Asphalt/Schotter-Mix in Spanien, und auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, die Rallyes inklusive einer Abendprüfung länger zu gestalten.

Die Rallye Monte Carlo ging in diesem Jahr über fünf Tage, aber es gab auch viel Kritik an diesem Format. In erster Linie stehen die Kosten im Mittelpunkt. Abgesehen von Ford und Citroen haben alle anderen Teams Schwierigkeiten, die Finanzierung für eine komplette Saison auf die Beine zu stellen. Lange oder teure Überseerallyes sind nur schwer mit dem Kosten/Nutzenaufwand vereinbar.

Ohne neuen Promoter ist es auch schwierig, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Ohne Aufmerksamkeit gestaltet sich speziell für die zahlreichen Privatiers die Sponsorensuche als hartes Unterfangen. "Ich sehe die derzeitige Situation als Möglichkeit, ich sehe es als Chance, etwas Neues zu kreieren", gibt sich WRC-Kommissions-Präsident Jarmo Mahonen gegenüber 'Autosport' zuversichtlich. "Ich sehe die WRC als schlafenden Giganten."

"Wenn ich mir die Sicht von möglichen TV-Partnern ansehe - und mit 20 bis 25 von ihnen gesprochen habe - dann gibt es großes Verlangen, dass das passiert. Für die FIA ist es die zweitwichtigste Weltmeisterschaft. Darüber mache ich mir keine Sorgen. Der Wert ist immer noch vorhanden, aber wenn wir nichts tun, dann wird der Wert geringer. Deshalb arbeiten wir an Lösungen."

Bekanntlich ist es nicht einfach, verschiedene Parteien an einen Tisch zu bringen und Lösungen zu finden, mit denen alle einverstanden sind. Die Blütezeit der Rallye-WM fand in den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in der Gruppe-B-Zeit statt. Auch nach dem Verbot der "Monster"-Fahrzeuge glänzte die Rallye-WM mit klingenden Namen und unterschiedlichen Rallyes. Die Läufe hatten ihren eigenen Charakter, wie beispielsweise die Safari-Rallye, und waren deshalb berühmt-berüchtigt.

Seit einigen Jahren ähneln sich die Rallyes. Es wird an drei Tagen gefahren, die Schleife vom Vormittag wird am Nachmittag noch einmal absolviert. Große Alleinstellungsmerkmale sind selten geworden. Deshalb gab die FIA den Organisatoren mehr Freiheiten. Neben dem gemischten Untergrund wurde auch die maximale Distanz auf 500 Kilometer erhöht. Dazu ließ man sich für Schotter-Rallyes den Qualifikationsmodus einfallen.

"Monte"-Comeback war positiv

Bei der Rallye Monte Carlo wurde außerdem zum ersten Mal auf die "Rallye 2"-Regel verzichtet. Schied jemand aus, war er draußen und durfte nicht zurück in den Wettbewerb. "Sie wollten mit ihrer Veranstaltung die Geschichte reflektieren, weil Monte Carlo eine Kult-Event ist", spricht Mahonen den Automobilclub von Monaco an. "Wenn man Gelegenheitsfans fragt, wird immer der Name 'Monte' fallen. Für uns ist es toll, dass sie zurück ist."

Trotzdem gab es Kritik am Fünftages-Format. "Ich habe mit den Herstellern gesprochen und es gab Kleinigkeiten. Es gibt einige Dinge zu tun. Die Rallye war drei Jahre nicht dabei und es war einem IRC-Lauf noch sehr ähnlich. Trotzdem kritisiere ich die Veranstaltung nicht. Wir brauchen diesen lokalen Flair."

Abenteuer, aber nur wenn die Fans es wollen

Auch in Argentinien ist ein langer Lauf geplant. M-Sport bedient die meisten Kunden mit Autos. Chef Malcolm Wilson hat bestätigt, dass die meisten seiner Kunden nicht nach Argentinien reisen wollen. Der Grund liegt einzig und alleine in den Kosten. Abgesehen von der Reise macht es jeder weitere Rallye-Tag teurer. "Ich teile die Vision von Jean Todt, aber wir müssen aufpassen, ob der Zeitpunkt richtig ist", sagt Mahonen. "Wir brauchen das Abenteuer zurück. Wenn das die WM aber nicht aufwertet, warum sollten wir es dann tun?"

"Wir müssen praktisch und pragmatisch darüber sein. Wenn wir Abenteuer kreieren wollen, aber die Fans das nicht mögen, dann wären wir dumm das zu tun. Wir sollten auch nicht vergessen, dass wir mitten im Hurrikan der Wirtschaftskrise stecken. Wenn wir etwas schaffen, dass die Kosten erhöht, dann wäre es im Moment nicht richtig. Wir müssen daran denken, dass die Organisatoren das Business kennen."

Mehr Freiheiten für Organisatoren

"Wenn wir die Organisatoren ihr Business machen lassen, dann wird es ein besseres Business", glaubt Mahonen, dass die FIA mehr Freiheiten einräumen muss. "Wie könnte die FIA besser wissen als die Organisatoren der Schweden-Rallye, was dort verlangt wird? Deshalb haben wir die Regeln von 300 auf 500 Kilometer erweitert. Uns ist aber bewusst, dass wir die Probleme der Organisatoren nicht durch die Erhöhung der Distanz lösen können."

"Wir dürfen aber auch nicht die DNA vergessen. Wenn wir das tun, dann kann es schrecklich falsch laufen. In der Vergangenheit waren Rallyes anstrengender, etwas extremer, aber nicht so extrem wie Rallye-Raid. Derzeit ist es wie ein Tag im Büro. Man arbeitet am Vormittag, hat eine lange Mittagspause, arbeitet etwas mehr am Nachmittag und geht dann ins Hotel und schaut fern", kritisiert Mahonen.

Die Krise wird sich auch nicht von heute auf morgen lösen lassen. Mit Ausnahme der Formel 1 wurden alle Motorsport-Kategorien von der Wirtschaftskrise erfasst. Trotzdem steht speziell die Rallye-WM vor entscheidenden Wochen und Monaten. Mahonen ist froh darüber, dass Todt hinter der WRC steht. Vor seiner Formel-1-Karriere war der Franzose als Co-Pilot und als Manager von Peugeot in der Rallye-Szene aktiv. "Alle sehen es als Möglichkeit für die Zukunft an."

"Aus Sicht der FIA besteht die Chance, dass wir etwas Neues und Zukunftsfähiges schaffen. Es gab nie ein wichtigeres Monat für diese Meisterschaft, noch nie in der Geschichte", streicht Mahonen hervor. "Es bedeutet viel Arbeit, aber auf der anderen Seite ist es ein guter Neustart. Es ist gut zu wissen, dass es Leute gibt, die in diesem Zirkus arbeiten wollen. Wenn wir es 2012 nicht schaffen, dann 2013. Wir müssen es auch in diesem Jahr richtig machen. Es besteht für dieses Jahr keine Gefahr."

Fotoquelle: xpb images

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