Raimund Baumschlager ist neunfacher österreichischer Rallye-Staatsmeister

Rallye 2012

— 26.02.2012

Baumschlager: Der Anti-Chef

Raimund Baumschlager hat sein Team Red Bull Skoda als Ausbildungscamp positioniert - Ein Porträt des bodenständigen Arbeiters für die Stars von morgen

Die Ansprache ist ganz ruhig, ist bedächtig. Ein Gespräch mit leisen Worten. Man ist analytisch. Ist besonnen, ist unaufgeregt. Sparsam in der Gestik. Ernst, aber nicht finster in der Mimik. Es ist die Zeit, das Tagesresümee zu ziehen: Raimund Baumschlager und sein Nachwuchsfahrer Hermann Gassner jun. lassen den Tag bei der Azoren-Rallye, Auftaktveranstaltung der interkontinentalen Rallye Challenge, kurz IRC, Revue passieren. Und das ist nicht ausschließlich angenehm.

Man wollte sich mit den Etablierten vom Schlage eines Andreas Mikkelsen oder Juho Hänninen messen. Doch Gegner Nummer eins ist Sepp Wiegand. Gleiches Material wie die Erstgenannten - ein Skoda Fabia S2000 -, gleiche Bedingungen, unterschiedlicher Erfahrungshorizont. Wiegand ist Novize, was den Umgang mit dem tschechischen Rallyeauto angeht. Gassner junior dagegen schon in der zweiten Saison. Das hatte man sich anders vorgestellt.

Gerade deshalb ist diese Gesprächsszene zwischen Baumschlager und Gassner kurz nach der Etappe im Servicepark mehrfach bezeichnend. Baumschlager ist Chef. Aber keiner der so auftreten mag. Bodenständig statt abgehoben, umgänglich statt herrisch, leise statt polternd. Mannschaftsgeist geht ihm vor strenge Hierarchie. Seit 1989 ist sein Team BRR Partner von Red Bull - ist eng, sogar freundschaftlich mit dem Hersteller des beflügelnden Lifestyle-Elixiers verbunden.

Enge Verbindung zu Mateschitz

Gemeinsam vertritt man 2012 die Farben Österreichs in der weiten Rallye-Welt der IRC. Acht Läufe mit einer Bonusrunde in der Rallye-WM umfasst das Programm für Gassner., den man als Nachwuchsförderer langfristig für die höchste Rallye-Liga der FIA aufbauen möchte. Doch weder die Öffentlichkeit noch Geldgeber Red Bull haben endlose Geduld. Ergebnisse zählen. Talente müssen heutzutage schon mit Anfang 20 titelreif sein. Es braucht: Einen Teamchef mit starker Schulter und breitem Kreuz, einen mit fördernder und fordernder Rhetorik.

Baumschlager ist die Idealbesetzung. Der mehrmalige österreichische Staatsmeister wuchs auf einem Bauernhof auf, lernte Schlosser und entdeckte den Rallye-Sport dank einer Wertungsprüfung, die in der Nähe seines Elternhauses vorbeiführte, für sich. 1982 stand er erstmals als Aktiver selbst am Start einer Rallye, war viele Jahre Werksfahrer für Volkswagen.

Privat lebt Baumschlager ein bodenständiges Leben. Seit 32 Jahren ist er mit seiner Frau verbunden, die er vor 19 Jahren heiratete. Seiner erwachsenen Tochter ebenfalls bodenständige Werte zu vermitteln, war ihm stets ein Anliegen. Gesunde, nicht pathologische Ambition, das Stecken von realistischen Zielen ist das, was Baumschlager daheim vorlebt.

Partygängen zieht er das Wandern auf eine Alm mit geselligem Abschluss vor, Touren rund um die Welt jenen mit dem Mountainbike vor der eigenen Haustür. Freunde würden ihn umgänglich und geradeheraus beschreiben. Gegner als ehrgeizig und hart in der Sache.

Baumschlager versteht die Fahrer

Im Dialog mit seinen Fahrern fällt es Baumschlager leicht, fair zu bleiben. Bei Erprobungsfahrten und einzelnen Rallyes setzt er sich selbst ans Steuer, um Rückmeldungen besser verstehen und selbst welches geben zu können. Mit etwas Stolz verweist er darauf, die zurückliegende Jänner-Rallye eineinhalb Tage lang vor einem gewissen Hänninen angeführt zu haben.

Jenem Hänninen, der beim IRC-Lauf auf den Azoren außer Reichweite für seinen Fahrer Gassner war. Dennoch fällt sein Urteil milde aus. "Ich weiß als Fahrer selbst, wie schnell ein Fehler passieren kann und bewerte deshalb nicht allein die Prüfungszeiten", so Baumschlager. Es ist Gassners erste Rallye auf den Azoren, die mit ungewöhnlichen Schotterbedingungen neue Herausforderungen stellt. Ganz bewusst sei der Start hier deshalb gewählt. Später in der Saison, so Baumschlager, seien auch noch Rallyes an der Reihe, in denen sein Zögling glänzen könne.

Die Ansprache in der Analyse ist deshalb jene ruhige und besonnene. Man werfe ihm von Seiten der Geldgeber schon einmal vor, zu nachgiebig mit den Fahrern zu sein, sagt er. Doch die Ergebnisse stimmen. Dass die nationale Sache - das Bündnis zwischen Red Bull und BRR - immer wieder verlängert wird, spricht für sich. Und doch: "Die gebratenen Tauben fliegen uns deshalb nicht in den Mund."

Man sei realistisch genug, zu erkennen, dass Dietrich Mateschitz Konzern nicht ausgerechnet BRR brauche, um in SWRC und IRC gute Werbung zu machen. "Wir sind dankbar, dass wir seit Jahren die Chance bekommen, jungen Fahrern die Rallye-Welt zu zeigen und sie nach vorn zu bringen. Wir stehen damit aber unter Beobachtung. Das macht unserem Team aber auch den Fahrern Druck. So muss das auch sein - geschenkt wird uns nichts, sondern wollen uns alles erarbeiten können."

Hermann Gassner jr. erarbeitete sich bei der Azoren-Rallye Endrang fünf, abgeschlagen hinter Mikkelsen und Hänninen sowie hinter Wiegand. BRR wird konzentriert, unaufgeregt und ruhig am Erfolg arbeiten.

Fotoquelle: MST/Gerdes

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