Hinter den Kulissen der Rallye-WM tobt ein Machtkampf

Rallye 2012

— 03.06.2012

Vertragspoker zwischen FIA und Veranstaltern

Die FIA möchte schnellstmöglich die Verträge für die Läufe zur Rallye-WM 2013 unter Dach und Fach habe, doch unter den Veranstaltern rumort es

Obwohl die Suche nach einem Promoter für die Rallye-Weltmeisterschaft weiterhin andauert, treibt der Motorsport-Weltverband FIA die Vorbereitungen für die Saison 2013 voran. Dabei drückt die FIA vor allem bei der Gestaltung des WM-Kalenders mächtig aufs Tempo. Noch vor dem "World-Motor-Sport-Council" am 15 Juni sollen die entsprechenden Verträge mit den Veranstaltern der WM-Läufe abgeschlossen werden. Den Organisatoren liegen entsprechende Vereinbarungen vor, die jedoch wegen der ungeklärten Vermarktungssituation nur für das Jahr 2013 gelen sollen.

Wie 'Autosport' berichtet, sollen die Veranstalter die Verträge bis zum 8. Juni unterschrieben bei der FIA einreichen, andernfalls drohte der Verband den Rallyes mit dem Rauswurf aus dem WM-Kalender. Diese Drohkulisse sorgt bei den Rallye-Organisatoren für großen Unmut. "Wir sind wütend darüber, das ist nicht fair", wird eine namentlich nicht genannte Quelle von 'Autosport' zitiert. Dabei soll es sich nach Aussage des Magazins jedoch um einen Vertreter eines aktuell im Kalender befindlichen WM-Laufs handeln.

Einer der Hauptstreitpunkte sind die Finanzen. Die Veranstalter sollen im kommenden Jahr für die Zeitnahme, das Tracking auf der Strecke und die TV-Produktion pro Lauf 100.000 Euro an die FIA zahlen. Nach der Insolvenz des Vermarkters "North One Sport" (NOS), der diesen Service bisher finanzierte, wird die Zeitnahme und das Tracking durch die Firme "Sport-1-Technology" derzeit von der FIA gezahlt. An diesen Kosten sollen sich zukünftig die Veranstalter beteiligen, was dort jedoch auf Widerstand stößt.

Veranstalter klagen über Mehrkosten

"Wir dürfen nicht vergessen, dass es nicht nur um das Geld geht, welches wir zahlen müssen", sagt einer der Organisatoren. "Im vergangenen Jahr haben wir von NOS die Zeitnahme und das Tracking umsonst bekommen, haben ihnen im Gegenzug die TV-Rechte überlassen und erhielten von NOS 25.000 Euro. Im Endeffekt müssen wir als 125.000 Euro auftreiben, zusätzlich zu den Gebühren von 140.000 Euro, die wir für die Aufnahme in den WM-Kalender an die FIA zahlen müssen. Unter dem Strich ist das mehr als eine Viertelmillion Euro. Das ist das völlige Gegenteil der Situation aus dem Vorjahr."

Daher steht für den Veranstalter fest. "Wir werden diesen Vertrag nicht unterschrieben." Auch die Tatsache, dass die FIA bei den Verhandlungen derart aufs Tempo drückt, sorgt für zusätzlichen Unmut. "Wir möchten darüber sprechen, aber die FIA gibt uns keine Gelegenheit für Gespräche. Wir wollten im Juni (beim WMSC, Anm. d. Red.) darüber verhandeln, aber die FIA will, dass wir uns schnell entscheiden. Aber wenn sie erwartet haben, dass jeder unterschreibt und glücklich ist, dann haben sie sich getäuscht."

Der Verband jedoch verteidigt seine Haltung und verweist auf die schwierige Lage der WRC, die sich nach dem Rückzug des Titelsponsors Nokia in dieser Woche weiter verschärft hat. "Da wir momentan keinen Promoter haben, braucht die Meisterschaft Investitionen der Hersteller, der Veranstalter und der FIA", wird WRC-Kommissionspräsident Jarmo Mahonen ebenfalls von 'Autosport' zitiert. "Wir müssen die Kosten für die Zeitnahme, das Tracking, welches auch ein Sicherheitsfaktor ist, und die TV-Produktion decken."

Konkrete Zusagen über die zukünftigen Partner macht die FIA jedoch offensichtlich nicht, denn bei den Veranstaltern bleiben noch einige Fragen offen. "Kann die FIA garantieren, dass wir die beste TV-Station bekommen?", fragt einer der Organisatoren. "Können sie garantieren, dass Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt unseren Sport sehen werden? Und welche Zeitnahme und welches Tracking werden wir im kommenden Jahr haben?"

FIA möchte einheitliche Lösungen

"Wenn sie garantieren können, dass sich an den Systemen, die wir derzeit nutzen, nichts ändert, dann wäre das gut", so die Quelle weiter. "Es ist zwar immer noch eine Menge Geld, aber wir wissen dann, dass wir ein System haben, welches getestet ist und perfekt funktioniert. Beim TV wissen wir gar nichts. Vielleicht sollten wir das selbst in die Hand nehmen und das Geld sparen, das könnte eine Lösung sein."

Die Vorstellung, dass Zeitnahme und TV-Produktion bei jeder Rallye vom Veranstalter selbst organisiert werden, treibt wiederum der FIA Sorgenfalten auf die Stirn. "Es wäre sehr viel komplexer, wenn die Organisatoren diese Elemente als individuelle Komponenten liefern würden", sagt Mahonen. "Standard-Systeme zu haben ist aus mehreren Gründen wichtig, vor allem mit Blick auf die Einheitlichkeit der Marke WRC, ihrem Image, dem Wachstum der Meisterschaft in der Zukunft und auch aus Sicherheitsgründen."

"Das betrifft auch neue Medien-Plattformen, die für uns einen hohen Stellenwert haben und die mit Inhalten unsere Internetseite beliefert werden", so Mahonen weiter. "Ohne Einheitlichkeit können wir diese Inhalte nicht liefern, das ist nicht möglich, wenn wir bei jeder Veranstaltung mit unterschiedlichen Systemen arbeiten."

Fotoquelle: xpbimages.com

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