Studie: Unfallrisiken im Alter

Senioren am Steuer: Studie

— 02.05.2013

Ab 75 wird es gefährlich

Bisher hieß es, Fahranfänger würden die meisten Unfälle bauen. Eine neue
Studie beweist: Hochrisikogruppe sind Senioren – aber erst ab 75 Jahren.

Hier hat's geknallt! Das Unfallrisiko ist einer aktuellen Studie der Universität Zürich zufolge je nach Altersgruppe sehr verschieden.

Aus Versehen den Rückwärtsgang eingelegt, mit Vollgas quer über Bürgersteig und Straße, erst an einer Laterne stoppt der Golf. Dank einem wachsamen Schutzengel verletzte eine 75-Jährige aus Kaiserslautern bei ihrem Ausparkversuch niemanden. Den Führerschein will die Frau nach 37 Jahren am Steuer nun freiwillig abgeben. Aber bei Weitem nicht jeder Autofahrer ist so selbstkritisch, wenn er älter wird. Dabei sind Meldungen über verwechselte Pedale, missachtete Vorfahrt und missglückte Überholmanöver längst alltäglich.

Verkehrsunfälle: Senioren im Blick

Senior am Steuer: Ab dem 75. Lebensjahr ist das Unfallrisiko rund 80 Prozent höher als beim Durchschnittfahrer.

Eine aktuelle Studie aus der Schweiz zeigt eindrücklich, wie das Unfallrisiko im Alter rasant ansteigt. Ab 75 ist die Wahrscheinlichkeit, einen Unfall zu verursachen, rund 80 Prozent höher als beim Durchschnittsfahrer. Über 80-Jährige haben sogar ein dreifach erhöhtes Unfallrisiko. Die viel gescholtenen 18- bis 24-Jährigen folgen erst an dritter Stelle. "Die ungleiche Kontrolle bei Fahranfängern und Senioren ist statistisch betrachtet Unsinn", sagt Gianclaudio Casutt, Neuropsychologe an der Universität Zürich und Verfasser der Studie. Für seine Untersuchung hat Casutt die Schweizer Unfalldaten mit der Fahrleistung verrechnet. Ältere Studien besagten bislang mehrheitlich, dass Fahranfänger die gefährlichsten Autofahrer seien. Hinsichtlich der absoluten Unfallzahlen stimmt das sogar – allerdings holen auch hier die Senioren auf.

Umfrage: Führerschein-Test für ältere Autofahrer

Wurden die Unfälle mit Personenschaden in Deutschland zwischen 1991 und 2011 insgesamt weniger, so verdoppelte sich zugleich die Zahl der Crashs, bei denen Ältere die Hauptverursacher waren. Die Statistik wirft dabei alle Autofahrer über 65 in einen Topf. Falsch, findet Casutt. "Nicht ab 65 oder 70, sondern erst mit 75 steigt das Unfallrisiko stark an", so der Neuropsychologe. Normale geistige Alterungsprozesse seien, zusammen mit wenig Fahrpraxis, für die schwindende Leistungsfähigkeit am Steuer verantwortlich. Die Niederlande, Großbritannien, Schweden, die Schweiz und Spanien bitten ihre Autofahrer schon mit 70 zum Gesundheitscheck.

Autos fürs Alter: Neun Modelle im Komfort-Check

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) will von einer regelmäßigen Pflicht-Prüfung für deutsche Senioren aber nichts wissen. "Dadurch würden sie im Hinblick auf ihr Alter stigmatisiert", so DVR-Sprecherin Carla Bormann. Entscheidend sei nicht das Alter, so Bormann, sondern der Gesundheitszustand. Und der könne sich innerhalb einer Woche ändern, weshalb selbst jährliche Tests nichts nützten. Der DVR fordert von Hausärzten, die Fahrtüchtigkeit ihrer  Patienten im Blick zu behalten. Bislang funktioniert das allerdings nicht. In einer Umfrage gaben zwar 67 Prozent der Senioren an, ihren Führerschein abgeben zu wollen, sollte der Doktor dazu raten. Doch das heikle Thema wird totgeschwiegen: Nur vier Prozent erklärten, vom Arzt auf die Fahrtüchtigkeit angesprochen worden zu sein.

Ford-Wettbewerb: Ergonomie für Senioren

Autor: Benjamin Gehrs

Stichworte:

Fahranfänger Unfall

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