Test: Sechs Allradler im Schnee

Test: Sechs Allradler im Schnee

— 14.01.2010

Winter-Einsatz für 4x4-Sportler

Reichlich Neuschnee und abgesperrte Pisten: ein Traum für Fans des instabilen Fahrzustands. Und ein Fest für Audi TT RS, Porsche 911 Turbo, Lamborghini Gallardo Spyder, Mitsubishi Lancer Evo, Nissan GT-R und Subaru Impreza WRX STI.

Ob sich Ulrichen noch an uns erinnert? An den Murciélago Roadster, den Wiesmann Roadster, den Lotus 2-11 und den Bentley Azure, mit denen wir im Vergleichstest vor zwei Jahren hier viel Spaß hatten? Bestimmt. Jetzt sind wir wieder hier, der Spaß steht aber weit hinten. Wenngleich es sich nicht völlig vermeiden lässt, dass das Fahren auf abgesperrten Schneepisten zu einem besonderen, weil seltenen Ereignis wird. Aber diesmal wollen wir Daten und Zahlen sammeln; Messwerte, Rundenzeiten - natürlich auf Schnee. Unser Testfeld: Zwei der derzeit profiliertesten Allradler sollen ihr Können auf Schnee zeigen, der Nissan GT-R und der Porsche 911 Turbo, Letzterer gerade zum "Sportscar des Jahres 2009" gekürt.

Überblick: News und Tests zu allen Automarken

Die Supersportler im Anflug: Gallardo, 911 Turbo und GT-R auf rutschigem Geläuf.

Dazu nehmen wir einen Lamborghini Gallardo, der zwar eher auf die Rundstrecke gehört, aber auch über Allradantrieb und eine gehörige Potenz verfügt. Da jedoch selbst der Günstigste der drei, der Nissan GT-R, mit 83.500 Euro noch ein happiger Brocken ist, legen wir noch einen zweiten Dreiervergleich aus einem niedrigeren Preissegment drauf. Auch hier sind es zwei hochgelobte Allradler, die auf einen mutmaßlichen Außenseiter treffen: Mitsubishi Lancer Evo MR und Subaru Impreza WRX STi Sport fordern den rassigen Fünfender Audi TT RS. Mit 49.490 Euro stellt der WRX STi Sport den günstigsten Vergleichskandidaten dar. Der teuerste ist der mit vergleichsweise simpler Allradtechnik ausgestattete Audi TT RS für 55.800 Euro. Der Versuchsaufbau ergibt sich aus den örtlichen Gegebenheiten. Ein stillgelegtes, zugeschneites und extra präpariertes Flugfeld eignet sich zum einen für Performance- und Bremsmessungen. Außerdem stecken wir einen fiesen, weil anspruchsvollen und eher langsamen Handlingparcours auf dem Flugfeld, der 770 Meter lang ist und als zentrales Element einen 18-Meter-Slalom aufweist.

Die Beschleunigungs- und Bremstests auf Schnee starten im Morgengrauen

Lancer Evo, Impreza WRX STi und TT RS – auch Testgruppe zwei verspricht viel Spaß.

Die dritte Möglichkeit der Datenerfassung bietet die Natur: Der Nufenen-Pass, im Winter stets gesperrt, führt von Ulrichen etwa 1,5 Kilometer und rund 400 Höhenmeter aufwärts und dient Reifenhersteller Continental als Teststrecke. Neben zwei engeren Kehren reiht sich hier Kurve an Kurve. Zum Warmlaufen für Mensch und Maschine starten wir vor dem Morgengrauen mit den Beschleunigungs- und Bremstests auf Schnee. Eine ehrliche Angelegenheit, denn hier kann punkten, wer mit der besten Traktion und den am besten harmonierenden Reifen aufwartet. Wie der Audi und der Porsche verfügt auch der Lamborghini über einen sogenannten Hang-on-Allradantrieb. Das heißt: Es gibt eine Hauptantriebsachse (Lambo und Porsche: hinten; Audi TT RS: vorn), von der bei Bedarf beziehungsweise zu viel Schlupf Antriebskraft auf die jeweils andere Achse übertragen wird. Das geschieht beim Gallardo über eine Viskokupplung ohne elektronische Regelung, bei Porsche und Audi wird die Kraft über eine elektronisch geregelte Lamellenkupplung zwischen den beiden Achsen verteilt. Mit stark auskeilendem Heck und heiserem Sound kämpft sich der Italiener über die schneeglatte Piste – und durchbricht nach 8,9 Sekunden die 100er-Marke. Für die Bremsung braucht er 98,5 Meter.

Als Nächster ist der Subaru dran, der, wie auch der Evo und der Nissan GT-R, über einen permanenten Allradantrieb verfügt, der die Kraft zwischen beiden Achsen über ein zentrales Differenzial verteilt. "Der krallt sich schon ganz anders in den Schnee", erklärt SPORTSCARS-Testfahrer Guido Naumann, kritisiert aber die hakelige Schaltung. Nach 8,8 Sekunden erreicht der WRX STI Tempo 100 und braucht 96,1 Meter bis zum Stillstand. Der Evo hat hier einen Vorteil, denn das Doppelkupplungsgetriebe verfügt über einen speziellen Automatikmodus für solche Bedingungen: 8,6 Sekunden sagt die Uhr, der Bremsweg liegt bei 100,8 Metern. Dann fegt der Audi TT über die Piste und füllt die eiskalte Ebene mit seinem markigen Fünfzylindersound. Wieder eine Verbesserung: Nach 8,1 Sekunden durchbricht der TT RS die 100er-Schallmauer, steht nach sensationellen 93,8 Metern.

Das Siegerkriterium in diesem Vergleichstest heißt Effizienz

Sechs Allradler vor herrlichem Bergpanorama. Wer hat am Ende die Nase vorn?

Die Spannung steigt, jetzt ist der GT-R dran. "Klasse, wie man den Allradantrieb regeln hört und spürt – es geht einfach zackig voran", sagt Guido. Das Ergebnis bedeutet Bestwert: Im Automatikmodus nimmt sich der Nissan nur 7,5 Sekunden bis auf 100 km/h und kommt nach 96,3 Metern zum Stehen. Doch im Porsche 911 Turbo findet der Japaner seinen Meister: In 7,2 Sekunden sprintet der Turbo auf geschlossener Schneedecke auf Tempo 100 und steht wieder nach 92,9 Metern. Inzwischen ist es hell, doch die Sonne wird noch ein paar Stunden brauchen, bis sie dem Schnee zusetzt. Wir wechseln auf den Handlingparcours und trennen die sechs in zwei Dreiergruppen. Doch wonach suchen wir beim Fahren auf Schnee? Das Siegerkriterium heißt Effizienz. Die lässt sich messen über die Rundenzeiten und sagt auch etwas aus über die Fahrbahrkeit – gerade auf Schnee. Beste Voraussetzungen also für die beiden Allrad- und Driftspezialisten Evo und STi, um dem eher für Rundstrecken ausgelegten, aber stärkeren und leichteren TT RS gehörig um die Ohren zu fahren.

Wie erwartet umrundet der Evo den Kurs, wie es sich gehört: ausgewogenes Wechselspiel zwischen Über- und Untersteuern im Slalom, wunderbar im Drift um Kehren zu steuern. Doch das Dopppelkupplungsgetriebe patzt beim Hochdrehen, die Seitenführung der Reifen könnte besser sein. Die erste Zeit: 1:10,00 Minuten legt der Evo vor. Ähnlich wohl fühlt sich der STi beim Slalom, zeigt aber reifenbedingt eine größere Untersteuertendenz und muss so mit Hilfe der Handbremse um die Kehre gezwungen werden. Seine Zeit: 1:09,62 Minuten. Ein völlig anderes Gefühl vermittelt der TT RS: Bedingt durch starkes Untersteuern verliert der Audi in den beiden Kehren etwas Zeit, kann aber durch vorzügliche Traktion und sehr neutrale Auslegung beim Slalom punkten und sorgt so für die erste Überraschung: Nach 1:06,55 Minuten steht die Uhr – Bestzeit bis dahin.

Wie sich der Rest des Testfeldes geschlagen hat, lesen und sehen Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Audi TT RS Mitsubishi Evo MR Subaru WRX STI Sport
Motor R5, Turbo R4, Turbo B4, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer vorn längs
Ventile / Nockenwellen 4 pro Zylinder / 2 4 pro Zylinder / 2 4 pro Zylinder / 4
Hubraum 2480 cm³ 1998 cm³ 2457 cm³
Bohrung x Hub 82,5 x 92,8 mm 86,0 x 86,0 mm 99,5 x 79,0 mm
Verdichtung 10,0:1 9,0:1 8,2:1
kW (PS) bei 1/min 250 (340)/5400-6500 217 (295)/6500 221 (300)/6000
Literleistung 137 PS/Liter 148 PS/Liter 122 PS/Liter
Nm bei 1/min 450/1600-5300 366/3500 407/4000
Antriebsart Allrad Allrad Allrad
Getriebe 6-Gang manuell 6-Gang-Doppelkupplung 6-Gang manuell
Bremsen vorn 370 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel. 326 mm/innenbel.
Bremsen hinten 310 mm/innenbel. 330 mm/innenbel. 316 mm/innenbel.
Radgröße vorn/hinten 9 x 19 8,5 x 18 8,5 x 18
Reifen vorn/hinten 255/35 R 19 245/40 R 18 245/40 R 18
Reifentyp Michelin Pilot Sport 2 RO1 Dunlop SP Sport 600 Dunlop SP Sport 600
Länge/Breite/Höhe 4198/1842/1342 mm 4505/1810/1480 mm 4415/1795/1475 mm
Radstand 2468 mm 2650 mm 2625 mm
Leistungsgewicht 4,3 kg/PS 5,4 kg/PS 5,1 kg/PS
Zuladung 376 kg 439 kg 457 kg
Tankvolumen 60 l 55 l 60 l
Messwerte Audi TT RS Mitsubishi Evo MR Subaru WRX STI Sport
Beschleunigung
0– 50 km/h 1,5 s 2,7 s 1,6 s
0–100 km/h 4,5 s 6,1 s 5,7 s
0–130 km/h 7,4 s 9,4 s 9,0 s
0–160 km/h 10,8 s 13,9 s 13,2 s
0–200 km/h 16,4 s 24,0 s 22,4 s
Viertelmeile
0–402,34 m 12,85 s 14,43 s 14,01 s
Höchstgeschwindigkeit
Herstellerangabe 250 km/h (280 km/h mit Anhebung) 242 km/h 250 km/h
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 3,9 s 4,7 s 5,1 s
80–120 km/h im 5. Gang 4,8 s 6,4 s 6,7 s
80–120 km/h im 6. Gang 5,9 s 10,2 s 12,1 s
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 35,9 m (–10,8 m/s²) 34,2 m (–11,3 m/s²) 35,5 m (–10,9 m/s²)
100–0 km/h warm 35,1 m (–11,0 m/s²) 34,4 m (–11,2 m/s²) 36,6 m (–10,5 m/s²)
200–0 km/h warm 141,2 m (–10,9 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 11,6 l Super Plus 13,6 l Super Plus 13,1 l Super Plus
Reichweite 520 km 400 km 460 km
Leergewicht 1474 kg 1601 kg 1523 kg
Fahrzeugdaten Gallardo Spyder Nissan GT-R Porsche 911 Turbo
Motor V10 V6, Biturbo B6, Biturbo
Einbaulage Mitte längs vorn längs hinten längs
Ventile / Nockenwellen 4 pro Zylinder / 4 4 pro Zylinder / 4 4 pro Zylinder / 4
Hubraum 5204 cm³ 3799 cm³ 3800 cm³
Bohrung x Hub 84,5 x 92,8 mm 95,5 x 88,4 mm 102,0 x 77,5 mm
Verdichtung 12,5:1 9,0:1 9,8:1
kW (PS) bei 1/min 412 (560)/8000 357 (486)/6400 368 (500)/6000
Literleistung 108 PS/Liter 128 PS/Liter 132 PS/Liter
Nm bei 1/min 540/6500 588/3200-5200 650/1950-5000 (700 mit Overb.)
Antriebsart Allrad Allrad Allrad
Getriebe 6-Gang sequenziell 6-Gang-Doppelkupplung 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 380 mm/innenbel./gelocht 380 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 356 mm/innenbel./gelocht 380 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn/hinten 8,5 x 19 / 11 x 19 9,5 x 20 / 10,5 x 20 8,5 x 19 / 11 x 19
Reifen vorn / hinten 235/35 R 19 / 295/30 R 19 255/40 R 20 / 285/35 R 20 235/35 R 19 / 305/30 R 19
Reifentyp Pirelli P Zero Corsa Dunlop SP Sport 600 DSST Bridgestone Potenza RE 050 A
Länge/Breite/Höhe 4345/1900/1184 mm 4650/1895/1370 mm 4450/1852/1300 mm
Radstand 2560 mm 2780 mm 2350 mm
Leistungsgewicht 3,1 kg/PS 3,7 kg/PS 3,3 kg/PS
Zuladung k. A. 412 kg 330 kg
Tankvolumen 80 l 74 l 67 l
Messwerte Gallardo Spyder Nissan GT-R Porsche 911 Turbo
Beschleunigung
0– 50 km/h 1,7 s 1,9 s 1,5 s
0–100 km/h 4,1 s 4,1 s 3,3 s
0–130 km/h 6,1 s 6,0 s 5,1 s
0–160 km/h 8,3 s 8,5 s 7,1 s
0–200 km/h 12,6 s 12,9 s 11,1 s
Viertelmeile
0–402,34 m 12,00 s 12,11 s
Höchstgeschwindigkeit
Herstellerangabe 324 km/h 310 km/h 312 km/h
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 4,5 s 3,9 s 3,2 s
80–120 km/h im 5. Gang 5,7 s 4,8 s 3,8 s
80–120 km/h im 6. Gang 7,4 s 7,1 s 5,0 s
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 34,5 m (–11,2 m/s²) 32,7 m (–11,8 m/s²) 33,4 m (–11,6 m/s²)
100–0 km/h warm 33,7 m (–11,5 m/s²) 33,3 m (–11,6 m/s²) 33,2 m (–11,6 m/s²)
200–0 km/h warm 140,7 m (–11,0 m/s²) 133,0 m (–11,6 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 16,7 l Super Plus 15,2 l Super Plus 14,1 l Super Plus
Reichweite 480 km 490 km 470 km
Leergewicht 1715 kg 1788 kg 1630 kg

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