Volvo XC90 (2015): Fahrbericht

Volvo XC90 Volvo XC90 Volvo XC90

Volvo XC90 (2015): Fahrbericht

— 12.02.2015

Das schwedische Schlösschen

Der Volvo XC90 soll ein Neuanfang für die schwedische Marke sein. Ob neben dem skandinavischen Design auch der Rest Premium ist? Fahrbericht!

So sieht also der Neuanfang bei Volvo aus: knapp fünf Meter lang, gut zwei Meter breit und am Kühlergrill strahlt im Markenlogo ein vergrößerter diagonaler Pfeil, der schräg nach oben die Richtung anzeigt, die die Schweden anstreben. Aufwärts soll es gehen, mit einem ausgewachsenen SUV, das alles enthält, was künftige Modelle bis hinunter zum S60 auszeichnet. Willkommen im neuen XC90 T6.
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Video: Volvo XC90 (2014)

Sitzprobe im neuen Schweden-SUV

Sanfte, starke Linien kaschieren den mächtigen Blechberg, mit klaren Linien findet der Volvo die optische Mitte zwischen der Ruhe eines Audi Q7 und der Sportlichkeit eines BMW X5. Da hat der deutsche Designer Thomas Ingenlath, zuvor bei VW, ganze Arbeit geleistet. Auch innen herrscht eine heimelige Sachlichkeit zwischen schmalen, aber bequemen Sitzen und dem dominierenden Touchpad auf der Mittelkonsole. Das reagiert schnell und intuitiv, die Finger können wischen und zoomen wie beim iPad. So ist das Klima schnell eingestellt. Für die Audio-Anlage gibt es unter dem großen Display sieben Knöpfe. Insgesamt ist das Bedienen deutlich einfacher als etwa im Tesla Model S mit seinem Monitor-Overkill. Das Licht im überladenen Lenkstockhebel anzuschalten, wollen wir mal der asiatischen Mode zuschreiben – Volvo gehört inzwischen zu Geely. Die Chinesen haben ihrer europäischen Nobelmarke, die nach dem Ausstieg von Ford mangels Partnern lange ums Überleben kämpfte, eine riesige Finanzspritze erlaubt. Rund elf Milliarden Dollar flossen in das künftige Programm, neue Werke und das neue Auto, von dessen technischer Plattform alle künftigen Modelle abgeleitet werden.

Beim Beschleunigen bricht der Volvo mit der wohltuenden Ruhe

Klare und muskulöse Linien kennzeichnen die Form des neuen XC90.

Einziger Bekannter im XC90 ist der 2,0-Liter-Benziner. Dieser Vierzylinder-Einheitsmotor wird im T6 erst von einem Kompressor (bis 3500 Touren) unter Ladedruck gesetzt, bis später ein zusätzlicher Turbo dazu springt. Seine 320 PS können leicht mit den Sechszylindern der Konkurrenz mithalten, die angegebenen 6,5 Sekunden bis Tempo 100 klingen ebenso glaubwürdig wie die 230 km/h Topspeed. Doch ab 200 tut sich der Antrieb schwer mit dem hohen Brocken, und beim Beschleunigen klingt der Vierzylinder rauer, was besonders ans Ohr dringt, weil im Volvo ansonsten wohltuende Ruhe herrscht. Die quer eingebaute Achtgang-Automatik fiel bei den ersten Testfahrten ebenso wenig auf wie der Allradantrieb, der im Normalfall die meiste Kraft auf die Vorderräder schickt und nur beim Gasgeben oder bei durchdrehenden Rädern bis zu 50 Prozent an die Hinterachse. Die Strategie, über den kleineren Hubraum Sprit zu sparen, ging dennoch nicht ganz auf: Volvo meldet 8,0 Liter Normverbrauch, weshalb bei uns sicher der gleich große Diesel mit 225 PS beliebter sein wird.

Volvo XC90 im Gebrauchtwagentest

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Auch wenn sich bis zu sieben Passagiere unterbringen lassen: Die letzte Reihe ist extrem eng.

Die neue elektrische Lenkung arbeitet, wie oft bei Volvo auf den US-Markt abgestimmt, etwas zu leichtgängig, während die optionale Luftfederung ganze Arbeit leistet. In vier Programmen filtert sie trotz der flachen 21-Zoll-Räder die Straße ordentlich weg, beim Anhalten kann sie das Heck um bis zu fünf Zentimeter absenken, um das Einsteigen zu erleichtern. Der Kofferraum fasst entweder bis zu 1886 Liter bei ganz umgelegten Sitzen oder hat genug Platz für die dritte Sitzreihe. Auf den beiden Einzelsitzen werden sich jedoch nur Kinder wohlfühlen. Im Siebensitzer rücken die drei Einzelplätze der zweiten Reihe separat vor und zurück, gegen Aufpreis lassen die sich auch elektrisch flachlegen.

Nicht ganz neu: Volvo setzt auf Sicherheit

Wenige Knöpfe und ein großes Display: Das Cockpit ist klar gezeichnet, verzichtet auf Schnickschnack.

An Extras herrscht im neuen Flaggschiff natürlich kein Mangel, traditionell langen die Luxuskäufer ordentlich zu. Volvo startet mit vier Ausstattungs-Levels, von der elektrisch öffnenden Heckklappe über die teure Hi-Fi-Anlage bis zu 22-Zoll-Rädern hält die Preisliste reichlich Lockstoff bereit. Selbstverständlich haben die selbst ernannten Sicherheits-Päpste wieder zwei Neuheiten an Bord: Der Kreuzungs-Assistent warnt auch vor entgegenkommenden Linksabbiegern, während "Run Off Road Protection" besonders schützt, wenn der XC90 ungeplant ins Gelände ausreitet: Dann soll unter anderem eine nachgiebige Sitzfläche helfen, Wirbelsäulenverletzungen zu vermeiden.

Volvo XC90: Crashtest im Gelände

Volvo XC90: Crashtest im Gelände Volvo XC90: Crashtest im Gelände
Günstig wird der Volvo natürlich nicht, seine Preise reihen sich selbstbewusst bei den Premiummarken ein. Der T6 kostet mindestens 57.700 Euro in der Basisversion Kinetic, der Diesel ist ab 53.400 Euro zu haben. Darüber rangiert ein 400 PS starker Hybrid (76.705 Euro), der den gleichen Vierzylinder-Benziner um einen 80 PS starken E-Motor ergänzt.

Fazit: Mit seinem hochwertigen, liebevoll gemachten SUV meldet Volvo sich eindrucksvoll zurück bei den Nobelmarken. Der XC90 besitzt Stil und Technik, um in der Welt der Mercedes und Range Rover zu bestehen – als das feine schwedische Schlösschen. Auch wenn Chinesen daran kräftig mitgebaut haben.

Volvo XC90 (2015): Fahrbericht

Volvo XC90 Volvo XC90 Volvo XC90

Autoren: Joachim Staat, Georg Kacher

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