Mercedes Unimog U84
— 08.03.2013Der Weg zu neuer Kraft
Quattro? Jensen? Jeep? Hier kommt der einzige, wahre Allradler. Einer, der alles kann, was physikalisch möglich ist. Und spirituell möglich: Ein Unimog kann einem das Weltbild zurechtrücken.
| Weitere Klassiker mit Allradantrieb | ||
|---|---|---|
| Audi Quattro | Jeep Willys MB | Jensen FF |
| Mercedes 300 E 4Matic | Range Rover 3.9 | Subaru 1800 4WD |
Spielt gern im Schnee: Unimog U 411
Das erste Mal hat Uwe gestaunt bei der Rübenernte, als der Unimog wieder zwei volle Hänger vom Acker gezogen hat, "und du weißt ja, wie’s geregnet hat im Oktober und wie sie alle steckengeblieben sind, sogar die Allradtrecker". Nur er ist durchgekommen, mit zwei Hängern voll Rüben. Aber dann kam diese Nacht auf der Autobahnbaustelle, erzählt Uwe. Nach Ochsenfurt ist er neulich abends gefahren, um was einzukaufen. Weil der Unimog 80 Sachen läuft, lässt er den alten 200 D stehen, er braucht eigentlich kein Auto mehr. Jedenfalls war’s dunkel, als er zurückfuhr, und dann war Stau auf der B 13 hinter Oberickelsheim, wo sie grad die neue Autobahn nach Ulm bauen. An der Auffahrt zur Baustelle hatte sich ein Lkw festgefahren, der angehängte Tieflader mit Straßenwalze darauf blockierte die Straße. Uwe dachte, na Mahlzeit, des wird spät heut. Da kam einer angerannt und trommelte ihm an die Fahrertür: Ob er nicht mitziehen könnt? Also fuhr er vor, wo der Laster bis zu den Achsen im Schlamm steckt. Uwe setzte den Mog davor, jemand schob die Schleppstange ins Zugmaul, Uwe schaltete die Vorderachse zu, sperrte die Achsen, legte den zweitkleinsten Gang ein (nicht gleich alles Pulver verschießen!) und ließ die Kupplung kommen. Und der Unimog ruckte an und zeckerte den Hang hoch auf die geschotterte Trasse, mit Zwölftonnenlaster und Tieflader und Walze. Als Uwe die Fuhre oben hatte, sind sie ihm fast um den Hals gefallen vor Glück.
Leserwahl: Die wichtigsten Allradler aller Zeiten
Historie
Ein Traktor wie kein anderer Traktor sollte das Universal-Motorgerät werden, das sich der Ingenieur Albert Friedrich mit seinem kleinen Team ausdachte. 1946 fuhr der erste Prototyp, 1948 begann die Fertigung, und ziemlich bald schon zeigte das kleine Gerät, dass es mehr draufhatte als jeder Trecker. Die ersten Exemplare entstanden bei Boehringer in Göppingen, 1951 zog der Unimog um ins Daimler-Benz-Werk Gaggenau. Die Basis-Baureihen mit wenig PS und der kantigen Ur-Karosserie (401/411) blieben bis 1974 in Produktion. Ab 1955 freute sich die Bundeswehr über den Unimog S (404), und 1962 kam der erste schwere Unimog mit großem Dieselmotor, rundlicher Kabine und den drei Sicken neben dem Scheinwerfer, zunächst als Baureihe 406. Spätestens jetzt entwickelte er eine Vielfalt, die so ziemlich jeden denkbaren Einsatzzweck abdeckte. Der MB trac übersetzte 1973 das Unimog-Konzept zurück ins streng Agrarische, verkaufte sich aber nicht wie erhofft. Übrigens ist der Unimog gewissermaßen erwachsen auf die Welt gekommen: Schon die Boehringer-Wagen sind technisch hochkomplex.Technische Daten
Plus/Minus
Wo man hinwill, da geht er hin, und dort macht er, was man von ihm will. So betrachtet, hätte er eigentlich in der Rubrik "Alltagstauglichkeit" mindestens fünf Sterne verdient. Weil aber nur die härtesten Burschen damit ins Büro fahren, weil er laut ist und man nicht einsteigt, sondern sich kletternd einfädelt, und weil die meisten frühen Unimog auf der Autobahn nichts verloren haben, bekommt er nur zwei Sterne. Im Vergleich zum 124er-Mercedes ist ein Unimog halt brutal unkomfortabel. Ein Stern erhält er in der Disziplin Reparaturfreundlichkeit. Das bedeutet: Wenn man auf ihn aufpasst, geht nichts kaputt – aber wenn was zu machen ist, sollten nur Kfz-Meister mit 20 Jahren Berufserfahrung ans Werk gehen. Generell gilt: Wo die Pfade rau werden, gibt es nichts Großartigeres als einen Unimog.Ersatzteile
Marktlage
Die Boehringer-Exemplare sind extrem begehrt, also teuer. Ansonsten hat man freie Auswahl, auch bei Aufbau und Anbaugeräten. Entscheidend für den Preis ist vor allem der Zustand. Ausgenudelte Arbeitspferde sind schon für zwei bis drei Tausender zu haben, gute Exemplare rangieren weit im fünfstelligen Bereich.Empfehlung
Noch immer: der Bundeswehr-Unimog S, Baureihe 404. Er sieht prima aus, kommt zumeist mit Cabrioverdeck und bewohnbarem Koffer, läuft 100 km/h und ist reichlich verfügbar. Der originale Benzinmotor ist besser als sein Ruf, und der Verbrauch hängt wesentlich von der Fahrweise ab. Man kann ihn auf Diesel umrüsten, was den Verbrauch allerdings kaum senkt. Gut gepflegte Exemplare haben ihren Preis, aber lieber etwas mehr hinlegen, als an einem bemoosten Eckensteher zu verzweifeln.Anzeige









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