Europaweit eine Million Halswirbelsäulenschäden zählt der ADAC pro Jahr im Straßenverkehr. Schuld sind häufig mangelhafte Kopfstützen – deshalb hat der Automobilclub ein neues Testverfahren für Kopfstützen entwickelt und jetzt erstmalig angewandt. Das Verfahren fließt künftig in die Bewertung des Insassenschutzes von EuroNCAP-Crashtests ein. Im aktuellen ADAC-Kopfstützentest schnitten demnach nur fünf von 25 Modellen "gut" ab: Audi A4, Opel Insignia, $(LB508355:VW Golf VI)$, Alfa Mito und Volvo XC60. Acht Modelle erhielten ein "schlechtes" Ergebnis, zwölf sind immerhin ein "befriedigend".
Der Test zeigte außerdem, dass besonders Kleinwagen häufig Schwächen beim Schutz der Halswirbelsäule haben. Dies sei besorgniserregend, da kleine Pkw meist innerorts unterwegs sind und daher öfter in Auffahrunfälle verwickelt sind. Dass auch Neuentwicklungen nicht immer zu Verbesserungen bei der Rückhaltefunktion von Sitz und Kopfstütze führen, zeigen die Lösungen beim BMW X3 oder bei der Mercedes M-Klasse. Hier soll aufwendige Technik der Überdehnung der Halswirbelsäule entgegenwirken. Im aktuellen Test landen diese Sitze aber nur im Mittelfeld. Laut ADAC ist die Geometrie der Kopfstützen Grundlage positiver Ergebnisse. Erst durch Abstimmung des gesamten Sitzsystems werden Verletzungsrisiken bei Heckkollisionen reduziert.

Neues Testverfahren mit dynamischen und statischen Prüfungen

Wirbelsäulen-Dummy
Das neue, einheitliche Testverfahren beinhaltet dynamische Tests und statische Prüfungen. Bei den dynamischen Verfahren handelt es sich um Belastungsproben in verschiedenen Intensitäten, unter anderem werden hier die Strukturfestigkeit von Sitz und Kopfstütze und die Dummy-Performance getestet. Die statischen Prüfungen beziehen sich auf die Geometrie der Kopfstütze. Mit dem Verfahren konnte erstmalig eine große Anzahl von Sitzen, die in verschiedenen europäischen Testhäusern geprüft wurden, verglichen werden.
Tipps für Verbraucher: • Die Sitzlehnen sollten möglichst steil eingestellt werden. • Die Kopfstütze sollte so weit herausgezogen werden, dass die Oberkante auf Höhe des Kopfscheitels oder leicht darüber liegt. • Der Abstand vom Hinterkopf zur Kopfstütze sollte möglichst gering sein. • Beim Heckaufprall ist es von Vorteil, wenn Oberkörper und Kopf nahe an der Lehne beziehungsweise Kopfstütze liegen. Somit wird einer Überstreckung und Verschiebung im Nackenbereich entgegengewirkt.