Verkehrte Welt: Als BMW den neuen Mini "erfand", war das mit Abstand das lustigste Auto im Verkehr. Flink, witzig, originell und garantiert spaßig. Das ist im Grunde noch immer so, besonders mit dem starken Elektro-Herz des Aceman SE.

Zwei kleine Elektro-Kracher im Test

Allerdings: Nun hat auch Renault so etwas im Programm, lässt den R5 als Alpine A290 GTS von der Leine. Wir spoilern: Der ungestüme Welpe mit Herz-Schmelz-Garantie (so wie es ja der Mini anfangs war) kommt nun aus Frankreich.

Kleine E-Autos für viel Fahrspaß

Anhand des ersten Vergleichstests der beiden E-Rennsemmeln erklären wir diese These. 218 PS stehen hier wie da zur Verfügung – das sollte sich doch im Vorwärtsdrang einigermaßen gleich ausgehen, oder? Nix da! Zwischen den beiden Kleinen liegen fast 300 Kilogramm Gewicht – das maßregelt sogar eine 330 Newtonmeter starke E-Maschine, wie sie im Aceman steckt.
Alpine A290 GTS Mini Aceman SE
Gleichstarke Konkurrenten: Mini Aceman SE und Alpine A290 GTS haben jeweils 219 PS. Der Franzose wiegt aber 297 Kilo weniger.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der Mini geht den ersten Meter verhaltener an, reißt dann nicht so vehement an der Karosserie, wie es die Alpine tut. So kommt es zu langsameren Sprints und subjektiv gehemmterer Durchzugskraft beim Überholen. In Zahlen gefasst sind das zwar nur Zehntelsekunden, auf der Straße jedoch eine kleine Schmach. Dabei hat die A290 sogar 30 Newtonmeter Drehmoment weniger an die Vorderräder zu verteilen. Autsch!

A290 GTS zeigt sich sportlicher

Noch interessanter ist jedoch das WIE. Während der Aceman geradezu kultiviert und lässig auf die Gassirunde geht, sich dabei fein korrigieren lässt und sehr gleichförmig in Richtung Höchstgeschwindigkeit summt, dreht die Alpine beinahe Pirouetten um den eigenen Schwanz. Sie kündigt akustisch ihre Sprintlust (unerwartet lustig gemacht) an, es zieht, zerrt und rupft an Vorderachse und Lenkung.
Alpine A290 GTS
Kleine Fahrspaßgranate: Die Alpine A290 GTS geht spritziger zu Werke, als ihr Konkurrent. Insgesamt hat sie mehr Charakter.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Von entkoppeltem, bequemem Geradeauslauf kann bei der A290 kaum die Rede sein. Selbst im Schiebebetrieb sucht sich der Franzose (auf schlechten Straßen) lieber eigene Spuren, als den Lenkvorgaben des Fahrers stumpf zu folgen. Dagegen steht: Die Lenkung gehorcht aufs Wort. Sie stellt herrlich prall zurück, reagiert direkt, arbeitet unter der exakt passenden Portion Servounterstützung – wie in einem reinrassigen Sportwagen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Synchronelektromotor
Einbaulage
vorn
vorn
Spitzenleistung
160 kW (218 PS)
160 kW (218 PS)
Dauerleistung
78 kW (106 PS)
65 kW (88 PS)
maximales Drehmoment
300 Nm
330 Nm
Vmax
170 km/h
170 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/40 R 19 Y
225/40 R 19 V
Reifentyp
Michelin Pilot Sport S 5
Goodyear Assurance ComfortTred
Radgröße
k. A.
7,5 x 19"
Reichweite*
361 km
385 km
Verbrauch*
16,6 kWh/100 km
14,7 kWh/100 km
Batterieart
Lithium-Ionen
Lithium-Ionen
Batteriekapazität (brutto/netto)
55/52 kWh
54,2/49,2 kWh
Ladeleistung AC/DC
11/100 kW
11/95 kW
Ladezeit (DC-Ladung)
30 Minuten (15-80 %)
31 Minuten (10-80 %)
Ladeanschluss
vorn links
hinten rechts
Vorbeifahrgeräusch
63 dB(A)
67 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
500/500 kg
750/750 kg
Stützlast
63 kg
76 kg
Kofferraumvolumen
326–1106 l
300–1005 l
Länge/Breite/Höhe
3990/1820–2015**/1520 mm
4079/1754–1991**/1514 mm
Radstand
2530 mm
2606 mm
Grundpreis
45.000 Euro
34.450 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
45.000 Euro
45.430 Euro
Und: Schlimm ist das alles eh nicht, eher typisch "Leben in der Bude". Das Auto zeigt Wesen, der Fahrer schließt die Faust fester um den Lenkradkranz und spürt Strecke und Lenkung. Wir meinen sogar: In diese Krach-Liga passt das bestens, hier hat die Alpine einfach mehr Kitzel zu bieten als der Mini. Gleichzeitig reagiert die A290 auf Lastwechsel in Kurven deutlicher, hilft mit einer knackig-kurzen Eindrehsequenz beim Kurvenräubern.

Aceman SE fährt erwachsener

Für den Mini sprechen in diesen Situationen das sicherere Fahrgefühl und ein erwachseneres Gemüt mit weniger Aufbaubewegung. Allerdings gleitet der deutlich kopflastigere Mini trotz 225/ 40er-Bereifung von Goodyear (Assurance ComfortTred) früher ins Untersteuern ab als die klebriger mit der Straße verzahnte A290. Die Alpine steht im Test nämlich auf trittfesten Michelin Pilot Sport S 5, bietet eine breitere Spur.
Mini Aceman SE
Gesetzter: Für den Mini Aceman SE sprechen die geringeren Aufbaubewegungen und sein sicheres Fahrgefühl.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Für beide Autos gilt, dass die Entwickler sauber parierende Schleuderschutzsysteme programmiert haben. In Verbindung mit jeweils tiefen Schwerpunktlagen sorgt das auch bei eiliger Fahrweise für saubere Verbindung mit der Straßenoberfläche.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,9 s
3,1 s
0–80 km/h
4,8 s
5,2 s
0–100 km/h
6,5 s
7,2 s
0–130 km/h
10,2 s
11,3 s
0–160 km/h
16,9 s
17,3 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,1 s
3,5 s
80–120 km/h
4,0 s
4,6 s
Leergewicht/Zuladung
1499/451 kg
1796/539 kg
Gewichtsverteilung v./h.
1,32558139534884 %
1,17391304347826 %
Wendekreis links/rechts
10,4/10,3 m
11,1/11,1 m
Sitzhöhe
625 mm
595 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,6 m
35,6 m
aus 100 km/h warm
35,1 m
36,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
60 dB(A)
60 dB(A)
bei 100 km/h
67 dB(A)
65 dB(A)
bei 130 km/h
71 dB(A)
69 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
20,3 kWh/100 km
17,0 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
29,7 kWh/100 km
(+79 %)
24,5 kWh/100 km
(+67 %)
Sportverbrauch
33,8 kWh/100 km
27,3 kWh/100 km
CO2 (Testverbrauch)
0 g/km
0 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
208 km
238 km
Auch das Bremsvermögen passt zu Leistung und Klasse der beiden Hot Hatches: Keiner der beiden Kandidaten überschreitet deutlich die 36-Meter-Marke, wir haben zudem selbst unter großem Hitzestress keine schwächelnden Fading-Avancen ausmachen können.

Unterschiedliche Charaktere im Innenraum

Zum verspielten Wesen der Alpine passt ihre innere Einstellung – sprich das Interieur und die Ausstattung. Die Sitze sind deutlicher auf Seitenhalt getrimmt, man sitzt tief und aktiver ins Geschehen eingebunden als beim Mini. Bequemer geht es allerdings im Aceman zu – hier sind satter gestopfte Polster und mehr Geräuschdämmung verbaut.
Alpine A290 GTS
Sportlicher: In der A290 GTS finden wir ein abgeflachtes Lenkrad und Akzente im typischen Alpine-Blau.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Klasse: Das abgeflachte Lenkrad mit Modus-Drehschalter und feinem Regler (im Formel-1-Stil) für die Rekuperationsstufen hat Alpine sensationell gut gemacht, dazu unterstützt das Cockpit grafisch animiert schnelle Fahrt und scheint auch insgesamt liebevoller aufbereitet als der nüchtern eingerichtete Platz des Mini-Piloten.
Mini Aceman SE
Deutlich nüchterner: Charakteristisches Element des Mini ist der vielfach konfigurierbare runde Zentralbildschirm.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der kann den großen runden Bildschirm mit verschiedenen Inhalten und Layouts belegen, während das mäßig wertige Head-up-Display ein Quäntchen lustloser arrangiert erscheint.

Reichweite bei beiden eher bescheiden

Geht es um elektrische Qualitäten im alltäglichen Sinne, nehmen sich die beiden nicht viel. Die Akkugrößen um 50 kWh und Verbräuche zwischen 25 und 30 kWh ergeben ähnliche Aktionsradien. Leichter Vorteil Mini: Er kommt nach dem Testmix immerhin 30 Kilometer weiter als die Alpine. Achtung: Wer das mögliche und lustige Tempo der beiden E-Flitzer häufiger abschöpft, wird keine 200 Kilometer weit kommen.
Alpine A290 GTS Mini Aceman SE
Kommt weiter im Test: In einer Akkuladung stecken beim Mini Aceman SE schlanke 238 Kilometer Reichweite. Die Alpine A290 GTS kommt sogar nur 208 Kilometer weit.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Ladezeiten liegen ebenfalls dicht beieinander. Eine Alpine saugt ihren Strom beim Schnellladen von 15 bis 80 Prozent in 30 Minuten, der Mini erledigt das in 31 Minuten – startet die 80-Prozent-Ladung aber auch schon bei zehn Prozent.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
557
535
Platz
1
2
Testnote
2,1
2,3
Fazit
Funktionaler, bequemer, dabei kaum langsamer: Der Aceman ist hier der Allrounder – und der Sieger.
Das agilere Auto, zieht besser an – doch teurer und nicht so sparsam. Als Spaßmobil erste Wahl – schön wild.
Am Ende steckt im Mini das günstigere Modell. Sowohl bei Kauf als auch im Unterhalt läuft es für den Bayern besser, er ist wertstabiler, gleichzeitig garantiert BMW längere Mängelfreiheit (drei Jahre) und steckt mehr Fahrassistenz in den Aceman. Wir zählen zusammen: Von Mini kommt der insgesamt bessere Kracher. Alpine liefert den spaßigeren. Verspielte Fans setzen also auf 290 GTS.

Bildergalerie

Alpine A290 GTS Mini Aceman SE
Mini Aceman SE
Alpine A290 GTS
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Zwei spaßige Stromer im Test

Fazit

von AUTO BILD
In den Anlagen ähnlich, in den Eckdaten fast identisch, im Charakter sooo unterschiedlich. Der fast schon etablierte Aceman SE macht es unspektakulär, dabei flink und fahrstabil, gewinnt so den Vergleich. Die Alpine setzt allem die lustige Mütze auf, macht diese Art der E-Technik erlebbarer. Wir finden: Ihr wildes Wesen passt besser in diese Klasse.