Diese beiden sind Erzrivalen, wie Pepsi und Coca-Cola, deshalb lassen wir sie auch nicht zum ersten Mal gegeneinander antreten. Mal schauen, ob die jüngste Modellpflege der Mercedes B-Klasse den Sieg bringt; den letzten Vergleich im Sommer 2022 gewann der BMW 2er Active Tourer.
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Eigentlich sollten wir besser sagen: Erzrivalen wie Rolex und Omega, denn die Testwagenpreise liegen bei 53.070 Euro (BMW) und 57.657 Euro (Mercedes). Zwar zwingt niemand etwa einen B-Klasse-Käufer, gleich zum schnellen B 250 zu greifen, aber selbst der Basisbenziner B 180 (Grundpreis 37.580 Euro) kommt mit etwas Ausstattung leicht auf 45.000 Euro.
BMW 223i xDrive Active Tourer Mercedes B 250 4Matic
Große Investition: In den getesteten Varianten liegen BMW 2er Active Tourer und Mercedes B-Klasse deutlich über 50.000 Euro.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Die Paketbindung begehrter Extras wirkt beinahe japanisch. Wer ein Head-up-Display haben will, muss zur AMG Line Premium Plus greifen. Wahrhaft "premium plus" ist dann der Aufpreis: 9371 Euro. Neu am B 250 ist die Mildhybridisierung via 48-Volt-Startergenerator. Und Apple CarPlay sowie Android Auto brauchen jetzt kein Kabel mehr.

Leichter Einstieg in die B-Klasse

Man kann es bedauern, dass die Van-Welle so abgeebbt ist, denn bei der Ausnutzung der Grundfläche von etwa 4,40 mal 1,80 Meter sind diese Kompaktvans einem SUV überlegen, schon wegen der kleineren Radhäuser. Und halbwegs hoch sitzt man hier auch.
Mercedes B 250 4Matic
Einfach zu entern: Dank des tiefen Schwellers kommt man sehr gut in die B-Klasse rein. Die Sitze sind bequem mit wenig Seitenhalt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Der Einstieg fällt bei beiden gleichermaßen angenehm aus. Wie tief diese B-Klasse liegt! Das birgt Nachteile, aber dazu später. Wer nicht (mehr) vollständig beweglich ist, dürfte den tief liegenden Schweller zu schätzen wissen. Sind die etwas seitenhaltarmen, aber bequemen Mercedes-Sitze dem Preis des Wagens noch angemessen, erschrecken wir doch angesichts der Ausstattungslücken trotz des Testwagenpreises von mehr als 57.000 Euro: keine Sitzheizung, kein Head-up-Display, keine längs verstellbare Rückbank.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo 
Vierzylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Kette 
Hubraum 
1998 cm³ 
1991 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
160 (218)/5000 
165 + 10 (224 + 14)/5500 
Nm bei 1/min
360/1500 
350/k. A. 
Vmax
238 km/h 
250 km/h 
Getriebe 
Siebengang-Doppelkupplung 
Achtgang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Allradantrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
225/50 R 18 W 
225/45 R 18 W 
Reifentyp 
Pirelli P Zero 
Michelin Pilot Sport 4 
Radgröße 
7,5 x 18" 
7,5 x 18" 
Abgas CO2 
155 g/km 
172 g/km 
Verbrauch* 
6,5 l 
7,3 l 
Tankinhalt 
54 l 
51 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Super 
Partikelfilter 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
67 dB(A) 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1500/750 kg 
1800/750 kg 
Stützlast 
75 kg 
80 kg 
Kofferraumvolumen 
415–1405 l 
455–1540 l 
Länge/Breite/Höhe 
4386/1824–2102**/1576 mm 
4419/1796–2020**/1562 mm 
Radstand 
2670 mm 
2729 mm 
Grundpreis
46.200 Euro
50.646 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
53.070 Euro
57.657 Euro

Und: Das Touchpad ist weg! Bedienung nur noch direkt via Bildschirm oder über die nun größeren Sensorfelder in den Lenkradspeichen. Fehlbedienungsträchtig sind die Slider noch immer: Man blättert schnell zu weit zurück oder gerät ungewollt in eine andere Ebene. Nervig.

Touchscreen ist zu weit entfernt

Beim Touchen auf dem Bildschirm merkt man, dass das Cockpit der B-Klasse ursprünglich für die Bedienung von der Mittelkonsole aus konzipiert war. Jetzt muss der Fahrer den Arm voll ausstrecken, der Touchscreen ist zu weit entfernt.
Mercedes B 250 4Matic
Nicht optimal: Durch den Wegfall des Touchpads auf der Mittelkonsole, muss der Fahrer den Arm zum Bildschirm weit ausstrecken.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Dieses Problem gibt es im BMW auch. Hier vermissen wir den Drehdrücksteller mit fünf ausgelagerten Tasten wie im 3er, der die Fülle der Funktionen sinnreich vorsortiert.

Kaum Unterschiede im Raumgefühl

Im Fond überzeugt der Mercedes mit einer besser ausgeformten Rückenlehne und insgesamt höherem Qualitätseindruck. Subjektiv schenken sich die Kontrahenten vom Raumgefühl her nicht viel; gemessen ist der Mercedes größer. Und mehr Gepäck fasst er mit 1540 zu 1405 Litern maximal ebenfalls.
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Die Sprachbedienung kann im Gegensatz zu der im BMW keine Fensterschließbefehle – entbehrlich. Was per Sprachbefehl tatsächlich am schnellsten geht (Navi-Ziele, Temperatureinstellung), ist auch mit MBUX bedienbar.

Trotz Segelfunktion höherer Verbrauch

Mit dem neuen riemengetriebenen Startergenerator fährt die B-Klasse spürbar sanfter an. In Sachen Ansprechen und Dosierbarkeit überzeugen beide Vans. Der Doppelkuppler des Mercedes bietet einen Gang mehr (acht statt sieben), Schaltruckler beim Herunterschalten erlauben sich beide gelegentlich. 
BMW 223i xDrive Active Tourer Mercedes B 250 4Matic
Vorteil BMW: Im Testdurchschnitt genehmigte sich der 223i Active Tourer 7,1 l/100 km; der B 250 brauchte 0,3 Liter mehr.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Mercedes kann segeln, rollt auch aus höheren Tempi um 100 km/h mit Freilauf und ausgeschaltetem Motor fast ohne Fahrwiderstände aus. Im Zusammengehen mit dem geringeren Gewicht hätte man einen Verbrauchsvorteil für den Daimler erwarten können. Der sich aber nicht einstellt; der BMW unterbietet seinen Testverbrauch (7,4 Liter/100 km) leicht um 0,3 Liter.
Im oberen Drehzahlbereich bietet der Mercedes mehr Lust und Leistung, produziert aber ab 150 km/h mehr Windgeräusche. Bei der Fahrsicherheit zeigt sich die B-Klasse so sicherheitsbetont wie erwartet; das ESP wirft früh den Anker. Im Active Tourer ist es stufenweise abschaltbar, sodass er auch mal das Heck heraushängt in der Kurve. Die Bremsen sind bei beiden vergleichbar wirksam – erstklassig!

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,5 s 
2,4 s 
0–100 km/h 
6,9 s 
6,4 s 
0–130 km/h 
11,0 s 
10,3 s 
0–160 km/h 
17,4 s 
16,3 s 
0–200 km/h 
34,4 s 
29,5 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,8 s 
3,4 s 
80–120 km/h 
4,7 s 
4,4 s 
Leergewicht/Zuladung 
1697/473 kg 
1629/476 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
56/44 % 
60/40 % 
Wendekreis links/rechts 
11,6/11,5 m 
11,1/11,0 m 
Sitzhöhe 
600 mm 
585 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,9 m 
33,6 m 
aus 100 km/h warm 
33,8 m 
34,4 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A) 
59 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
65 dB(A) 
bei 130 km/h 
68 dB(A) 
69 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
5,8 l S/100 km 
5,8 l S/100 km 
Testverbrauch
Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe)
7,1 l S/100 km
(+9 %)
7,4 l S/100 km
(+1 %)
Sportverbrauch 
8,9 l S/100 km 
9,7 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
168 g/km 
176 g/km 

Trotz niedrigflankigerer Reifen federt der Mercedes komfortabler, nutzt den vollen Federweg. Was eine Kehrseite hat: Die soft gefederte Vorderhand kann auf unebener Fahrbahn auf Anschlag gehen, der tiefe, lange Frontüberhang hatte sogar zweimal Bodenberührung.

Mehr Sportlichkeit im BMW

Trotz aller Sportlichkeit sitzt der BMW-Fahrer eher obenauf, während der B-Klasse-Fahrer mehr im Auto sitzt – Geschmackssache. Großgewachsene haben es nicht immer leicht mit dem Active Tourer: Das Lenkrad lässt sich nicht sehr weit herausziehen. Und die Armlehnen in den Seitentüren fallen vorn arg kurz aus.
BMW 223i xDrive Active Tourer
Auch ein Van ist ein BMW: Der 2er Active Tourer lenkt zackig, mit dem M-Sportpaket und Adaptivdämpfern federt er straff.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Ansonsten ist auch dieser Van ein BMW: Motor gut gedämmt mit seidigem Lauf, nur obenherum kernig klingend (der Mercedes wirkt insgesamt kehliger), beim Beschleunigen tendenziell höher drehend als der Benz, mit direkt aus der Mitte ansprechender, etwas zackigerer Lenkung. Beim Mercedes spricht sie linearer an.

Zu viel Hartplastik für den Preis

Unser Test-BMW kam mit M-Sportpaket und Adaptivdämpfern, die sich nur im Sport-Programm manuell verstellen lassen. Er federt markentypisch straff, aber harmonisch. Sehr BMW-Like sind auch die Sportsitze (im M Sportpaket Serie), die stützen, ohne einzuengen. Aus der Fondperspektive sehen wir zwar zu viel Hartplastik für den Preis, aber der BMW kam mit längs verschiebbarer Rückbank (400 Euro).
Beide Vans wirken sehr modern mit 360-Grad-Kameras, Echtzeit-Verkehrsnachrichten und Tipps zum Parken am Ziel, Augmented-Reality-Darstellung (erleichtert etwa den Blick auf Ampeln). Beim BMW funktioniert der Ausparkassistent fast erschreckend gut.

Die beiden Vans werden unterschätzt

Nicht ohne Risiko: Niemand traut diesen Vans zu, 240 km/h und mehr zu rennen. Andere Fahrer scheren sorglos aus nach links, die graue Maus hinter ihnen unterschätzend. Auch die Boost-Funktion des BMW – einfach linkes Schaltpaddel ziehen – lässt ihn mit einer Vehemenz losspurten, die andere regelmäßig überrascht.

Die AUTO BILD-Wertung

Platz 2 mit 5454 von 800 Punkten: Mercedes B 250 4Matic. Gebaut in Rastatt. In der Eigenschaftswertung liegt er leicht vorn, aber teure Anschaffung und Wartung werfen ihn zurück.
Platz 1 mit 549 von 800 Punkten: BMW 223i xDrive Active Tourer. Gebaut in Leipzig. Besonders sparsam. Markentypisch straff gefedert, aber harmonisch. In Sachen Konnektivität noch immer weit vorn.

Bildergalerie

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Mercedes B 250 4Matic
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Zwei Kompaktvans im Test

Fazit

von AUTO BILD
Schade, dass diese beiden Kompaktvans einer aussterbenden Autogattung angehören – praktischere und angenehmere Alltagsbegleiter sind kaum vorstellbar. Leider ist der preisliche Abstand zu den Kompakt-SUV aus gleichem Hause zu gering. Wohl deshalb haben sie es so schwer.