BMW 335i, Audi TT RS, Ford Focus RS, Porsche Cayman S
Der Ford Focus RS wird Spaß-König

Zehntel hin, Zehntel her – mal ehrlich, kommt's darauf an? Was wirklich zählt, ist doch der Fahrspaß! Genau den injizieren BMW 335i, Audi TT RS, Ford Focus RS und Porsche Cayman S hoch dosiert. Eine Liebeserklärung.
- Stefan Helmreich
Eigentlich geht es doch immer nur um das eine. Nein, nicht was Sie denken. Zwar schon auch um Spaß, aber – na ja – eben eher im Sinne von Fahrspaß. Ein Kaff spielt Start-, ein anderes Zielort, beide natürlich inoffiziell. Dazwischen windet sich ein Asphaltband. Oft fehlt nur der passende Untersatz: Klar kann man den Außendienst-Avensis zweckentfremden und mit jammernden Reifen herumbratschen, bis das ESP-Lämpchen durchbrennt. Auch ein Zweier-Golf tut's. Schön tief, ohne Servolenkung und ruhig mit einigen Macken vom Vorbesitzer, sodass man ohne Gewissensbisse durch die Bankette rocken kann. Aber mal ehrlich: Richtig scharf wäre doch so was wie ein Focus RS – der einzige Ford, vor dem Schwiegermütter Türen und Fenster verrammeln, sobald man über die Hofschwelle hoppelt.

Bild: Lena Barthelmeß
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Bild: Lena Barthelmeß
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Konzeptbedingt zupft der Audi zwar hauchzart über die Vorderräder; wenn der Drehmomentvulkan im Inneren jedoch ausbricht, dockt eine Haldexkupplung die Hinterachse an, um explosionsartig vorwärtszueruptieren. Kleiner Tipp: Suchen Sie sich einen Porsche-Fahrer, so einen Schnösel mit Gelfrisur, Krawattenschal und Carrera. Jede Wette, die 4,5 Sekunden auf hundert packt der nie. Anders als der Focus entfacht der TT RS Begeisterung, ohne seine Insassen gleich damit weichzuklopfen. Ob Seitenscheitel oder Rockermähne entscheidet jeder selbst. Anders der Cayman S: Getreu dem Sportwagenknigge tranchiert er Biegungen in Anbrems-, Einlenk- und Scheitelpunkt, um sich die einzelnen Brocken dann der Reihe nach einzuverleiben. Dazu passt es dann auch, dass sich der Sechszylinder emotional zunächst bedeckt hält, sein feuriges Temperament erst obenrum entblößt. Typisch Karrieretyp eben: Statt einfach auch mal ungezwungen durchs Kurvengetümmel zu turnen und sich das verkrampfte Rückgrat lockerzudriften, bleibt der Cayman strebsam, ideallinienfixiert und für ein kurzes Coupé schon fast zu steif.
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Bild: Lena Barthelmeß
Fazit
Ford: Nur die Liebe zählt? Na, dann gewinnt der Ford. Er ist das Auto für Menschen, die ihre Pommes in 0W-30 frittieren. Erotisch? Nein, eher ein bisschen pervers - genau wie es sich für einen echten Kurvenvamp gehört. Porsche: Das Ideallinienskalpell aus Zuffenhausen zerstückelt seine Konkurrenten auf der Rennstrecke. Gegen den Kettensägencharme des Focus stumpft es aber ab. Ausschließlich emotional, wohlgemerkt. Audi: Als RS wird der TT zum Emotionssprengsatz. Dank unerschütterlicher Traktion dominiert er die Längsdynamik. Die Untersteuertendenz kostet einen Fahrspaß-Stern, vier Zehntel auf der Piste und einen besseren Platz. BMW: Obwohl vollgestopft mit allem, was das Performance-Zubehör zu bieten hat, bleibt der BMW ein 335i. Geschliffen, perfekt, gemessen an den Rivalen aber etwas blutleer: Platz 4, auch wegen der mäßigen Rundenzeit.
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