Mini Countryman und BMW X1 haben es nicht leicht – weist der Münchner Stammbaum mit BMW 1er und Mini Cooper S doch gleich zwei Agilitäts-Musterknaben auf. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung an die beiden Ableger: Wie viele der fahrdynamisch vorteilhaften Gene stecken noch in den beiden Kompakt-SUV? Sein spielerisches Wesen hat der Mini als Countryman abgelegt. Alles läuft eine Spur träger ab als im Dreitürer. Das 184-PS-Turbotriebwerk spielt munter, aber nicht quicklebendig auf.

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BMW X1
Die Lenkung reagiert direkt, aber nicht feinstnervig. Dazu neigt sich das kleine SUV in Kurven beträchtlich – und entlarvt so den fehlenden Seitenhalt der Sportsitze. Vor allem im Schulterbereich fehlt es an Körperunterstützung. Der X1 wittert seine Chance, sammelt mit seinem strafferen Fahrwerk, das Unebenheiten dennoch spurstabilitätserhaltend entschärft, erste Pluspunkte. Seine strammer wirkende Lenkung und die merklich geringere Seitenneigung in Kurven lassen zusammen mit den fester umklammernden Sportsitzen subjektiv sogar mehr Fahrspaß aufkommen. Doch der bis 7000 Touren jubelnde, sämige Reihensechser wirkt im Drehzahlkeller zäh, nahe dem roten Bereich angestrengt. Das kann auch die zwangsgekoppelt serienmäßige Automatik nur teilweise kaschieren. Einen manuellen Modus gibt es zwar, das Getriebe schaltet bei Kickdown jedoch stets runter und am Begrenzer hoch.

Eine Frage der Größe: Ist größer wirklich immer besser?

Mini Countryman
Der Turbo-Vierzylinder des Mini schiebt hingegen schon bei 1500 Umdrehungen gut an – was ihm auch auf dem steigungsreichen Sachsenring zum Vorteil gereicht. Zwar ist das mitlenkende Heck dank Allrad und längerem Radstand Vergangenheit. Dennoch wuchtet er seine geringere Masse friedfertig untersteuernd 1,5 Sekunden flotter um die Piste. Zusatzpfunde und der durchzugsschwächere Motor bringen den ähnlich leicht beherrschbaren BMW ins Hintertreffen. Zudem wollen Kurven sorgsam angebremst werden. Wer optimistisch spät verzögert und dabei einlenkt, landet mit gnadenlosem Untersteuern im Kies – dank Allrad und 195 Millimeter Bodenfreiheit aber immerhin kein unüberwindbares Hindernis.

Von

Frank Wiesmann