BYD-Verkäufer Lennard Jungs
"Ich verkaufe BYD statt Benz"

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Warum ein junger Verkaufsberater einer der ersten Verkäufer der China-Autos in Deutschland ist.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Weit sichtbar schwebt der Stern über dem Autohaus in einem Industriegebiet auf der südlichen Elbseite Hamburgs. Dass hier Mercedes-Modelle angeboten werden, ist seit Jahrzehnten bekannt.
Doch vor dem gläsernen Showroom des Mercedes-Benz-Vertriebspartners mit dem passenden Namen "Sternpartner" steht ein Auto im Gras, das so gar nicht nach Mercedes aussieht – und das die meisten Kunden überhaupt noch nie gesehen haben: ein Atto 3 des chinesischen Herstellers BYD.

Zwischen der G-Klasse und der chinesischen Limousine Han: Jungs bevorzugt die E-Mobilität.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Lennard Jungs sitzt an einem Schreibtisch im Verkaufsraum. Guckt er nach rechts, sieht er eine weiße G-Klasse, blickt er sich um, steht da ein BYD Han und daneben ein BYD Tang. Jungs, 21 Jahre jung, ist einer der ersten BYD-Verkaufsberater in Deutschland. Bei Sternpartner in Hamburg-Harburg ist er der Einzige, der die bei uns neue chinesische Marke betreut.
Er sagt: "Die Kunden, die zu mir kommen, sind erstaunlich aufgeklärt. Die meisten haben sich über die Marke informiert." Oder sie besäßen schon BYD-Aktien und wollten nun auch die neuesten ihrer Produkte testen. Denn BYD ist kein Start-up, sondern ein seit Langem weltweit tätiges Unternehmen, das Busse, Lkw sowie Akkus für Elektroautos produziert.
Atto 3, Han und Tan schon verfügbar, Seal und Dolphin folgen
Und elektrische Pkw, die seit Jahresbeginn auch bei uns auf dem Markt sind. Zunächst Atto 3, Han und Tan, gegen Ende des Jahres dann die neuen Modelle Seal und Dolphin. Beide wurden von AUTO BILD kürzlich erstmals gefahren – und danach sehr gelobt. (Der chinesische BYD Dolphin ist ein Gegner für den VW ID.3.)
"Auch das Feedback meiner Kunden nach den Probefahrten ist durchweg positiv", erzählt Lennard Jungs. Die Kunden lobten vor allem das Fahrgefühl, den tiefen Schwerpunkt und wie gut ausbalanciert der Atto 3 sei, der ab 44.625 Euro (vor Förderung) kostet – oder 399 Euro pro Monat im Leasing. "Die Kunden gucken sich auch die Spaltmaße an und haben daran nichts auszusetzen." Dazu kommt die vergleichsweise kurze Lieferzeit für den Atto 3 – derzeit maximal zwölf Wochen.

Jungs hinter dem Lenkrad des BYD Han. Die Kunden seien vom Infotainment beeindruckt.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
BYD hat für Verkauf und Service in Deutschland sieben verschiedene Partner engagiert. Neben Sternpartner noch weitere Mercedes-Vertriebsgesellschaften und jeweils eine Firma, die sonst BMW und VW unter die Leute bringt. Der chinesische Konzern will auch deutsche Premiumkunden zum Umsteigen bewegen. Lennard Jungs soll dabei helfen.
Der gebürtige Hamburger ist ein moderner Car Guy: schon als Kind Auto-Fan, immer auf YouTube unterwegs. Der Wunsch, Autoverkäufer zu werden, kommt wie selbstverständlich. Die Marke ist eigentlich egal, aber Premium soll es schon sein. Also Mercedes-Benz. Noch während seiner Ausbildung erfährt er, dass seine Firma die unbekannte Marke BYD dazunehmen will.
BYD-Schulung beseitigt Vorurteile
Jungs ist sofort dabei, wird auf eine BYD-Schulung in Kaiserslautern geschickt. "Als ich die Autos sah, waren auch meine Vorurteile weg", sagt er. Überhaupt: Seit Jungs zum ersten Mal Mercedes EQE fuhr, findet er die Verbrenner gar nicht mehr so attraktiv.
Was Jungs hilft: Deutsche Kunden finden China-Modelle immer interessanter. Laut einer Umfrage des Vergleichsportals Carwow ziehen bereits heute drei von zehn Kunden den Kauf eines Neuwagens aus China in Erwägung. Und das, obwohl viele die neuen Marken wie Nio, MG, Ora oder eben BYD noch gar nicht kennen.
BYD will deutschen Premium-Marken die Kunden wegnehmen. Und Lennard Jungs hat erfahren, dass das auch schon gut klappt. "Neulich", erzählt er nicht ohne Stolz, "kam ein Kunde mit der Absicht zu uns, einen Mercedes zu kaufen. Und dann fuhr er doch mit einem Atto 3 vom Hof."
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