Neue Auto-Regeln in China
China plant Beschleunigungs-Limit für den Sprint von 0 auf 100 km/h

China will den Sprint auf Tempo 100 km/h zügeln: Eine neue Regel soll den Anfahr-Kick bei Autos bremsen – unabhängig vom Antriebsstrang.
Bild: Thomas Geiger
In China denkt man aktuell, laut einem Bericht des Magazins Carscoops, darüber nach, die Erlaubnis für sportliche Starts bei Pkw künftig einzuschränken. Der Entwurf einer neuen Fahrzeugverordnung sieht vor, dass nach jedem Einschalten des Fahrzeugs zunächst ein Standardmodus aktiviert wird, bei dem der Sprint auf 100 km/h mindestens fünf Sekunden dauert. Erst danach kann der schnelle Modus manuell gewählt werden.
Der Hintergrund: Vor allem bei vollelektrischen Fahrzeugen haben extreme Beschleunigungen mittlerweile den Alltag erreicht. Rekordstarts von unter drei Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h sind keine Seltenheit mehr, ohne dass es dafür eines Sportwagens bedarf. Modelle wie der Xiaomi SU7 Ultra oder der BYD Yangwang U9 erreichen in 2,5 Sekunden Tempo 100. Bei Genehmigung würde die Regelung für alle Pkw, unabhängig vom Antriebsstrang, gelten.
Warum dieser Schritt?
Die Idee dahinter ist eine breite Initiative zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und des allgemeinen Straßenverhaltens in China. Die vorgeschlagene Norm im Gesetzesentwurf fordert einen Standard-Startmodus, der eben nicht sofort Vollgas ermöglicht – ähnlich wie der Fahrmodus "Eco".
Damit will man offenbar riskantes Beschleunigungsverhalten reduzieren, etwa im innerstädtischen Bereich oder beim rasanten Hochdrehen von E-Autos mit großer Leistung. Auch wenn ein Wechsel in den schnellen Modus weiterhin manuell möglich wäre, müsste dieser nach jedem Start erneut vorgenommen werden. Damit soll die Hürde für impulsives Starten etwas höher gelegt werden.

Der Yangwang U9 des BYD-Konzerns ist ein chinesischer Elektro-Supersportler mit über 1000 PS.
Bild: AUTO BILD / Nele Klein
Auswirkungen für E-Mobilität und den Fahrspaß
Besonders betroffen wären die schnellen E-Autos mit Launch Control und elektrischer Performance. Wenn Hersteller den Kunden vermitteln, elektrisch heiße "Instant-Power", dann würde durch eine solche Reglementierung dieses Images untergraben. In Europa und Deutschland gibt es bereits eine ähnliche Regelung, die allerdings nur vorschreibt, dass Autos eine Geschwindigkeitsbegrenzungswarnung an Bord haben müssen. Dieses System dient jedoch lediglich der Warnung und nicht einer konkreten Drosselung.
China setzt mit diesem Schritt einen Akzent, den auch internationale Hersteller im Blick behalten müssen – mit mehr Fokus auf sanfte Starts, optimierte Kontrolle und weniger Show-Beschleunigung.
Wie überzeugt man trotzdem vom E-Auto?
Gerade weil schnelle Beschleunigung ein emotionaler Kaufimpuls ist, stellt sich die Frage: Wie motiviert man skeptische Käufer weiterhin, wenn diese besondere Eigenschaft bei vollelektrischen Fahrzeugen eingeschränkt wird? Für Hersteller würde das bedeuten, dass sie das Hauptaugenmerk noch stärker auf andere Vorteile legen müssten – zum Beispiel mehr Reichweite und Effizienz, Alltagstauglichkeit, Komfort, Infotainment und Nachhaltigkeit.
Und auch den "Startkick" neu interpretieren: Statt ihn auf den ersten Moment nach dem Start zu legen, könnte der Performance-Moment im Verlauf der Fahrt gesetzt werden – wie bei einem klassischen Verbrenner, der ebenfalls zunächst auf Betriebstemperatur gebracht werden sollte.
Zudem würde die Kommunikation entscheidend sein: Es gilt zu erklären, dass solche Maßnahmen nicht den Fahrspaß kappen, sondern Sicherheit und Kontrolle stärken. So könnte aus einem scheinbaren Rückschritt eine Chance werden. Die E-Autos zeigen nicht mehr nur, wie schnell sie "werden könnten", sondern wie gut sie im Alltag sind. Alles ist eine Sache der Perspektive.
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