Erfolg macht sexy. Selbst die Dumpingmarke Dacia bekommt das inzwischen mit. Niemand muss sich heute mehr rechtfertigen, wenn er ein Auto der rumänischen Renault-Tochter fährt. Schon gar nicht die Fahrer eines Duster, mit dem die Aufsteiger des Jahres nun Kunden im SUV-Segment abstauben wollen. Das klappt aber nur, wenn sich der Billig-Bruder nicht selbst in den Dreck wirft. Wie bei Dacia leider noch üblich, muss auch der 4,32 Meter lange Duster als Basis-Benziner ohne Schleuderschutz auskommen. Und wir wissen: So manch einer, der hoch baut, kann ohne ESP verdammt tief fallen. Wird bei der Sicherheit gepatzt, ist selbst der Einstiegspreis von 11.900 Euro keinen Cent mehr wert.

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Dacia Duster
Doch zum Glück ist der Duster ein durch und durch bodenständiger Typ. Nicht nur beim Preis, sondern auch bei zackigen Richtungswechseln. Beim simulierten Ausweichtest rauscht der voll beladene Testwagen mit Tempo 65 in die erste der drei versetzten Pylonengassen. Ein entschlossener Ruck am Lenkrad nach links, ein Schwenk nach rechts, dann entspannen sich die Mienen der fünf Gäste an Bord. Obwohl der Duster hierbei wankt wie ein angeschlagener Boxer, fällt er nicht, hält sogar überraschend gutmütig die Spur. Entwarnung? Jein. Denn nur mit ESP fährt der Karpaten-Knauser auch bei Nässe, Glätte und zu hohem Kurventempo sicher. Doch den 300 Euro teuren Schleuderschutz gibt es nur in Kombination mit 110-PS-Diesel und Lederlenkrad. Merkwürdig auch, dass Seitenairbags fürs Grundmodell nicht mal optional angeboten werden. Und dass der 105-PS-Benziner des frontgetriebenen Testwagens nur Euro 4 schafft, mit Allradantrieb jedoch Euro 5 erfüllt.

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Dacia Duster
Solche Ungereimtheiten überspielt der Duster jedoch locker mit selbstbewusstem Auftritt. Mit breiter Spur, ausgestellten Radhäusern und der wuchtigen Front wirkt er eigenständig und erwachsen. Kein Zweifel, der will als SUV ernst genommen werden. Dass er unterm Blech alte Renault-Technik von Clio und Modus auftragen muss, stört dabei nicht. Der kernige 1600er erweist sich als quicklebendig, hat wenig Mühe mit den schlanken 1234 Kilo und schiebt bei jedem Tritt aufs Gaspedal munter an. Sogar bei Tempo 50 im fünften Gang. Die Kehrseite der kurzen Übersetzung: Auf der Autobahn steigen mit dem Drehzahlniveau auch Lärm und Verbrauch (Testschnitt 8,2 Liter) kräftig an, zudem vibriert das Raubein ganz ordentlich. Also Tempo raus. Und den Federungskomfort genießen. Denn der ist beachtlich. Erstaunlich, wie geschmeidig die Federelemente selbst Frostaufbrüche im XXL-Format schlucken. Und wie ruhig das SUV über tiefe Wellen gleitet. Das gelingt dem Duster besser als vielen Premium-SUVs.
Mit deren Leichtfüßigkeit kann der Dacia freilich nicht konkurrieren: Träges Handling, indirekte Lenkung, starke Seitenneigung, stumpfe Bremsen – der Duster ist kein Fall für Heißsporne. Obwohl er selbst bei flottem Tempo gutmütig und berechenbar bleibt. Beim Fahren ist vom Sparzwang also erfreulich wenig zu merken. Innen dafür umso mehr: Einfache Materialien und das aus Logan sowie Sandero bekannte Hartplastik-Cockpit lassen trotz ordentlicher Verarbeitung nur wenig Behaglichkeit aufkommen. Und der unverhüllte Schaumstoffkern der umgeklappten Rückbank zeugt ebenso vom Geiz wie die eingeschränkte Variabilität, die keine ebene Ladefläche erlaubt.

autobild.de-Automarkt: gebrauchte Dacia

Dafür reisen vier Personen bequem. Sechs Zentimeter mehr Sitzhöhe als im Logan und besser konturierte Sessel ermöglichen allen eine angenehme Position. Allerdings lässt sich das Lenkrad nur in der Höhe verstellen, und zu dritt wird es hinten richtig eng. Wer es richtig nett haben möchte, zahlt ohnehin extra. Weshalb wir die gehobene Lauréate-Ausstattung empfehlen. Klimaanlage, Seitenairbags, Zentralverriegelung oder lackierte Stoßfänger machen den Duster durchaus sexy. Und die moderaten 1500 Euro Aufpreis werden seinen Erfolg sicher nicht verhindern.
Weitere Details zum Dacia Duster gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.

Fazit

von

Uli Holzwarth
Der Dacia Duster überzeugt nicht nur mit seinem erwachsenen Auftritt, sondern auch mit Qualitäten: Bei allem Zwang zum Sparen bietet er erstaunlich viel Komfort und Platz, einen spritzigen Motor und ein gutmütiges Fahrverhalten. Was fehlt, sind eine bessere Geräuschdämmung, ein langer sechster Gang und ESP ab Werk – günstig bliebe der Duster auch dann noch. 

Von

Uli Holzwarth