Der Pajero ist zurück, doch sein Name ist ziemlich peinlich
Warum der Mitsubishi Pajero nicht überall Pajero heißen darf

Der Mitsubishi Pajero feiert sein Comeback. Doch ausgerechnet der Name des Geländewagen-Klassikers gehört zu den kuriosesten der Autogeschichte.
Bild: Mitsubishi Motors
Ein großer Geländewagen mit Leiterrahmen, Allradantrieb und 480 Nm Drehmoment – und dann heißt das Ding ausgerechnet "Wichser".
Okay, nicht bei uns. Aber wer den gerade neu vorgestellten Mitsubishi Pajero in einem spanischsprachigen Land so nennen würde, dürfte zumindest für einige Lacher sorgen. Denn "pajero" ist im Spanischen ein vulgärer Ausdruck für einen Mann, der sich selbst befriedigt. Deshalb heißt der Geländewagen dort traditionell Montero. Mitsubishi selbst weist beim neuen Modell ausdrücklich darauf hin, dass der Pajero in einigen Märkten unter diesem Namen verkauft wird.
Dabei war das ursprünglich natürlich ganz anders gemeint. Der Name Pajero geht auf Leopardus pajeros, die Pampaskatze, zurück. Ein südamerikanisches Wildtier als Namensgeber für einen Geländewagen. Eigentlich eine ziemlich passende Idee. Nur hätte vor dem internationalen Verkaufsstart vielleicht noch jemand ein spanisches Wörterbuch aufschlagen sollen.
Mitsubishi Pajero feiert sein Comeback
Jetzt ist der berühmte Name jedenfalls wieder da. Mitsubishi hat am 2. September die komplett neue Generation vorgestellt. Der erste Pajero kam 1982, über vier Generationen entstanden mehr als 3,29 Millionen Exemplare. 2021 war zunächst Schluss.

In vielen spanischsprachigen Märkten heißt der Pajero traditionell Montero. Der Grund ist sein zweideutiger Name.
Bild: Mitsubishi Motors
Der Neue setzt wieder auf ernsthafte Geländewagentechnik mit Leiterrahmen, Super Select 4WD-II, sieben Fahrprogrammen und einem 2,4-Liter-Turbodiesel mit 480 Nm. 4,92 Meter ist er lang und bietet Platz für sieben Personen.
Doch so neu das Auto ist: Das Problem mit seinem Namen ist ziemlich alt. Und Mitsubishi befindet sich damit in bester Gesellschaft.
Lamborghini Reventón: der 340-km/h-Platten
Lamborghini benennt seine Autos gerne nach Kampfstieren. So auch den Reventón. Namensgeber war ein Kampfstier, der 1943 den mexikanischen Torero Félix Guzmán tötete. Klingt angemessen martialisch für einen Lamborghini.

Der Lamborghini Reventón heißt übersetzt auch "Reifenplatzer". Nicht unbedingt der Wunschname für einen Supersportwagen.
Bild: Lamborghini
Dumm nur: Das spanische Wort "reventón" bedeutet unter anderem Reifenpanne beziehungsweise Reifenplatzer.
Ein Supersportwagen für Millionen mit einem Namen, den man frei mit "Platten" übersetzen kann. AUTO BILD stellte deshalb schon einmal die naheliegende Frage, was sein Besitzer wohl auf die Frage nach seinem Auto antwortet: "Ich hab 'nen Platten."
Opel Kadett Swinger: Name mit Nebenwirkung
Auch Opel hatte ein Händchen für unfreiwillig zweideutige Namen. In den 1970er-Jahren gab es tatsächlich einen Kadett Swinger. Nun kann "Swinger" selbstverständlich jemanden bezeichnen, der Swingmusik macht. Nur hatte sich damals längst eine zweite Bedeutung etabliert.

Opel verkaufte in den 70ern tatsächlich einen Kadett Swinger. Heute wäre der Name wohl undenkbar.
Bild: Opel
AUTO BILD brachte es damals bereits schön auf den Punkt: Ein Kadett Swinger klang ungefähr so, wie heute ein "Opel Astra Tinder-User" klingen würde.
Alfa Romeo Promiscua: der promiskuitive Kombi
Nur steckt darin eben auch unser Wort Promiskuität – häufig wechselnde Sexualpartner. Was die Kundschaft wohl auf der großen Ladefläche machen sollte, blieb ihrer Fantasie überlassen.
Hyundai Kona: ausgerechnet Premiere in Portugal
Noch schöner wird es beim Hyundai Kona. Benannt wurde das SUV nach einer Region auf Hawaii. In Portugal hatte Hyundai damit allerdings ein Problem. "Cona" ist dort ein vulgärer Ausdruck für das weibliche Geschlechtsteil.

Aus Kona wurde Kauai: Hyundai zog in Portugal die Reißleine.
Bild: Hyundai
Und wo präsentierte Hyundai den Kona 2017 der europäischen Öffentlichkeit? Ausgerechnet in Portugal.
Nach der Überlieferung sollen bei der Veranstaltung zunächst überall Kona-Schriftzüge gehangen haben, bis jemand auf die Bedeutung hinwies. In Portugal bekam das Auto schließlich einen anderen Namen: Kauai.
VW Tiguan: halb Tiger, halb Leguan
Andere Namen sind nicht anstößig, sondern einfach herrlich künstlich. Paradebeispiel: VW Tiguan.

Kunstwort mit Erfolgsgarantie: Der VW Tiguan wurde trotz seines kuriosen Namens zum Bestseller.
Bild: VW
Als VW 2007 den Namen verkündete, musste man erst einmal lernen, ihn überhaupt auszusprechen. Dahinter stecken tatsächlich Tiger und Leguan. Ein SUV, benannt nach einem imaginären Mischwesen. Vorne Raubkatze, hinten Echse. Klingt absurd, störte die Käufer offensichtlich überhaupt nicht. Der Tiguan wurde zu einem der erfolgreichsten VW-Modelle.
Ein Name soll international funktionieren
Und genau das zeigt, wie schwierig Autonamen sind. Ein Name soll international funktionieren, leicht auszusprechen sein, Emotionen wecken und möglichst nirgendwo wie ein Schimpfwort, Körperteil oder Sexualpraktik klingen.
Beim Pajero hat das nicht ganz geklappt. Dem Erfolg schadete es trotzdem kaum. Mehr als 3,29 Millionen Pajero wurden in vier Generationen produziert, in über 170 Ländern und Regionen fand der Geländewagen seine Fans.
Und jetzt ist er zurück. In Deutschland vielleicht irgendwann als Pajero. In Spanien vermutlich lieber wieder als Montero. Denn manches Comeback muss man wirklich nicht wörtlich übersetzen.
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