E-Autos als Handschalter?
Hyundai meldet Schaltgetriebe mit Kupplung für E-Autos zum Patent an

Mit der weiteren Verbreitung von Elektroautos könnte der klassische Handschalter aussterben. Nun überrascht Hyundai mit einer Erfindung, die das Handschaltgetriebe auferstehen lässt. Was hat es damit auf sich?
Bild: Hyundai Motor
Der koreanische Autokonzern Hyundai scheint an einem neuen Getriebe für Elektroautos zu arbeiten, das Eigenschaften von Handschaltung und Automatik kombiniert. Das klingt zunächst nach technischer Kuriosität – doch ein Hersteller wie Hyundai, der bei der Transformation zur Elektromobilität bislang sehr erfolgreich agierte, dürfte kaum bloß einen Gag entwickeln.
Interessant dabei: Elektroautos benötigen eigentlich kein Handschaltgetriebe. Nicht einmal mehrere Gänge sind erforderlich. Nur aus Performance- oder Effizienzgründen setzen Modelle wie Porsche Taycan oder Mercedes CLA auf ein Zweigang-Getriebe. Eine klassische Übersetzung vom Antrieb auf die Räder ist meist überflüssig, weil Elektromotoren deutlich höhere Drehzahlen erreichen als Verbrenner. Das bedeutet: Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos dürften Handschaltungen daher eigentlich aussterben.
Verbrenner-Fahrverhalten nachgeahmt
Oder doch nicht? Hyundai hat seine Erfindung bereits zum Patent angemeldet. Sie kombiniert Automatik und Handschaltung miteinander.
Ganz neu ist die Idee nicht: Die Topversion des vollelektrischen Hyundai Ioniq 5 N bietet neben weiteren Sportwagen-Features (etwa eine brachiale Leistung von bis zu 650 PS) eine täuschend echte Schalt-Simulation – inklusive Zugkraftunterbrechung und zartem Ruck beim "virtuellen" Gangwechsel.
Das Konzept, das bewusst Fahrgefühl und Charakter eines Verbrenners nachahmt, kam bei vielen Fans gut an.

So skizziert Hyundai in seinem Patentantrag das Handschaltgetriebe inklusive Leerlauf-Stellung.
Bild: Hyundai
Die aktuelle Entwicklung geht laut Patentanmeldung jedoch noch einen Schritt weiter: Das System soll wahlweise eine Handschaltung oder eine automatische Übersetzung anbieten. Es basiert auf Drive-by-Wire-Technologie, hat also nur eine elektrische (Draht-)Verbindung zwischen Schalthebel und Antrieb.
Sechsganggetriebe mit Leerlaufposition
In einer Schemazeichnung, die dem Patentantrag US-12624755-B1 beiliegt, ist die Schaltkulisse eines Sechsganggetriebes mit einem Rückwärtsgang skizziert. Eine mittlere Position ist mit dem Buchstaben "N" für neutral bezeichnet, es gibt also sogar einen Leerlauf.
Auch das ist eigentlich absurd, da Elektroautos keinen Leerlauf benötigen, sondern einfach stillstehen. Dank ihres hohen Drehmoments können sie das Fahrzeug bereits aus dem Stand problemlos bewegen.
Das Patent wurde beim US Patent and Trademark Office (USPTO) eingereicht und geht – dem Magazin Carbuzz zufolge, das zuerst darüber berichtete – sehr ins Detail. Es gibt sogar eine Kupplung, die klassisch per Fußpedal betätigt wird und das System automatisch in den manuellen Schaltmodus befördert. Es erinnert an die klassische Halbautomatik, die auch im Zeitalter des DSG weiterhin Verwendung finden.
Fazit
Es klingt zunächst nach einem Rückschritt. Doch eine solche Hybrid-Schaltautomatik könnte tatsächlich mehr Menschen für Elektroautos begeistern, indem sie vertraute Eigenschaften von Verbrennern ins Elektrozeitalter überträgt. Ob Hyundai das System künftig als Option in sportlichen E-Autos anbietet oder die Entwicklung vor allem zum Schutz vor Nachahmern patentieren ließ, bleibt offen.
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