E-Auto-Pannenhilfe: Ratgeber, wenn der Akku leer ist
Was tun, wenn das E-Auto liegen bleibt?

Ein auf null sinkender Akkustand im Elektroauto bedeutet Alarm. Was tun, wenn der Akku leer ist? Darf man ein E-Auto im Pannenfall abschleppen? Tipps für E-Auto-Fahrer – und was das eigentliche Problembauteil ist!
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
- Wie wahrscheinlich ist das Liegenbleiben im E-Auto?
- Was mache ich, wenn der Akku null Prozent anzeigt?
- Liegen geblieben, droht ein Bußgeld?
- Was sollte man tun, wenn der Akku zur Neige geht?
- Kann man ein E-Auto abschleppen?
- Was ist die größte Pannenquelle im E-Auto?
- Wie oft bleiben E-Autos liegen?
- Kann ich mit dem E-Auto ein anderes Auto abschleppen?
- Wer hilft mir bei einer Panne mit einem Elektroauto?
- Kann ich mit dem E-Auto einem Verbrenner Starthilfe geben?
- Fazit
Es ist das Albtraumszenario für Fahrer von Elektroautos: Man hat den nächsten Ladestopp zu optimistisch geplant und bleibt mit leerem Akku liegen. Die Anzeige im Armaturenbrett: null Prozent Ladezustand.
Das ist eine Vorstellung, die E-Auto-Neulinge sicher beschäftigt, vielleicht sogar einige Autofahrer vom Umstieg abhält. Der Unterschied zur klassischen Tank-Panne ist groß, denn ein leergefahrenes Elektroauto ist gleich in doppelter Hinsicht ein Problem: Der Akku lässt nicht mal eben schnell nachladen, und zudem braucht man eine potente Stromquelle, die in der Regel nur stationär anzuzapfen ist. Was ist also im Fall der Fälle zu tun?
Eigentlich ist das Liegenbleiben im E-Auto kaum möglich, weil man gleich mehrere Warnsignale im Auto aktiv missachten muss: Einmal zählt die Reichweiten-Prognose im Display aktiv herunter – die prozentuale Angabe zum Akkustand und die mögliche Restreichweite zu ignorieren, fällt nicht leicht. Der Bordcomputer berechnet im E-Auto jeden gefahrenen und noch möglichen Kilometer mit. Mit optischen Warnsignalen bettelt das Auto bei sinkendem Akkustand um Strom. Bei den allermeisten Elektroautos springt eine besonders markante optische Warnung ins Display, dass der Akku zur Neige geht.

Neun Prozent Akkustand erlauben beim Mini Cooper SE noch 14 km, diese Warnung sollte niemand ignorieren.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Allerdings kann es passieren, dass man sich beim Einschätzen der Distanz zum nächsten Ladestopp einfach verschätzt. Eine Möglichkeit ist aber auch ein Defekt an der angefahrenen Ladesäule. So kommt es immer wieder vor, dass Ladesäulen sabotiert werden. Oder es besteht ein Problem mit der Lade-App, weil beispielsweise kein Netzempfang besteht, und man hat keine passende Ladekarte zur Hand.
Wichtig: Auch bei einem laut Anzeige leeren Akku kann man meist noch etwas fahren. "Meist ist null Prozent Akkustand noch nicht ganz leer, über sehr kurze Distanzen kann man das Auto noch bewegen – leistungsvermindert. Am besten ist aber, man lädt, bevor es dazu kommt", empfiehlt Testredakteur Tim Dahlgaard.
Ob man für ein liegengebliebenes Elektroauto ein Bußgeld zahlen muss, hängt vom Ort des Liegenbleibens ab und ob man das Fahrzeug richtig abgesichert hat. Wer falsch hält, muss mit 30 Euro rechnen. Dann gilt: Absichern mit Warnblinker und Warndreieck, beim Aussteigen auf freier Strecke muss eine Warnweste getragen werden. Wer wegen eines leeren Akkus an der Autobahn oder einer Kraftfahrstraße liegenbleibt, muss mit 70 Euro Buße rechnen – und einem Punkt in Flensburg. Gefährdet man den Verkehr, sind 85 Euro fällig, ebenfalls ein Punkt. Kommt es zu einem Unfall: 105 Euro, mindestens ein Punkt.
Auf keinen Fall sollte man die Warnsignale des Autos ignorieren. Das Beste ist, bei schwindendem Akkustand das Tempo zu reduzieren – natürlich ohne die Sicherheit zu gefährden. Bei geringem Tempo sinkt der Stromverbrauch dramatisch aufgrund des abnehmenden Windwiderstands. Wichtig: Langsames Fahren mit weniger als 60 km/h ist auf der Autobahn verboten. Die meisten E-Fahrzeuge haben einen Notfallpuffer an Reichweite, mit dem man mit reduzierter Geschwindigkeit die nächste Ladesäule erreichen kann.

Die meisten Autos warnen unübersehbar vor einem leeren Akku, hier ein Tesla.
Bild: AUTO BILD
Es gibt kaum ein Elektroauto, das man auf eigener Achse abschleppen darf. Hintergrund: Beim Schleppen rollt die Antriebsachse mit, so wird über Rekuperation Energie im Elektromotor erzeugt. Fließt allerdings der Strom im E-Motor ohne aktiviertes Bordsystem, können hohe Induktionsspannungen die Steuerungselektronik schädigen. Auch das Laden eines Akkus ohne Kühlung kann zu Schäden führen. Daher muss ein E-Auto, wenn es nicht mit dem eigenen Antrieb fahren kann, im Pannenfall in der Regel huckepack verladen werden.
Die Pannenursache Nummer eins beim Elektroauto ist nicht der Fahrakku, sondern die 12-Volt-Batterie. Fehler in der Elektrik wirken sich hier am stärksten aus, es ist auch bei Verbrennern das häufigste defekte Bauteil, das von Pannendiensten wie dem ADAC ersetzt werden muss. In der Pannenstatistik 2025 gingen antriebsübergreifend fast 45 Prozent aller Pannen auf das Konto der 12-Volt-Batterie. Leere Fahrakkus waren in der jüngsten Pannenstatistik in den wenigsten Fällen die Ursache für eine Panne. Probleme mit dem Hochvolt-Akku folgen erst mit großem Abstand.
"Tatsächlich ist die Anzahl an Elektroautos, die mit leerem Fahrakku liegen bleiben, in unserer Erfahrung verschwindend gering", so ADAC-Sprecher Jürgen Grieving gegenüber AUTO BILD. Zur Pannenhilfe für E-Autos mit leerer Batterie hält der Automobilclub in Hamburg und München sogenannte Elektrobooster vor – die aber kaum zum Einsatz kommen.
Elektroautos fallen in der Pannenstatistik nicht durch eine hohe Ausfallhäufigkeit auf, im Gegenteil. Sie sind bisher überdurchschnittlich zuverlässig: Bauartspezifische Baugruppen wie Akku, Elektromotor oder Ladetechnik machten nur einen kleinen Anteil der Pannen aus. Allerdings wurden in der ADAC-Pannenstatistik 2025 nur die Baujahre 2020 bis 2022 verglichen, weil bei früheren Baujahren bisher nicht ausreichend zugelassene Elektroautomodelle vorhanden sind. E-Autos gelten generell als zuverlässig, weil viele defektanfällige Baugruppen wie Zündung, Anlasser, Lichtmaschine oder Spritanlage nicht vorhanden sind.
Grundsätzlich geht das, aber über längere Strecken entleert das den Traktionsakku schnell. Denn das Abschleppen kostet viel Kraft und damit Kapazität. Manche Hersteller schließen das Schleppen grundsätzlich aus. So hat Volkswagen beim VW ID.3 hinten keine Abschleppöse vorgesehen.
Vor allem bei kleinen Elektroautos lässt sich nicht mal eine Anhängerkupplung nachrüsten, die Anhängelast ist zu gering. Mittlerweile können aber auch mittlere SUV bis zu 750 Kilo ziehen. Allerdings habe neue Fahrzeuge meist recht große Akkus, sodass ein Abschleppen auf kurzer Strecke kein Problem sein sollte.
In vielen Fällen helfen die Hersteller im Rahmen ihrer Mobilitätsgarantie. Die Notdienstkräfte sind zumeist speziell für Elektroautos geschult, viele Hersteller bieten einen Leihwagen als vorübergehenden Ersatz an. Auch die Pannenhelfer der Automobilklubs stehen einem zur Seite. Die "gelben Engel" vom ADAC sind im Umgang mit Elektroautos geschult und wissen in jedem Fall Rat.

Der ADAC ist auch zur Pannenhilfe beim E-Auto eingerichtet, beim Anruf sollte man darauf hinweisen. Allerdings ist es meist nicht der Traktionsakku, der Ärger macht.
Bild: ADAC
Das Geben von Starthilfe ist mit einem Elektroauto generell kein Problem, wenn die 12-Volt-Batterie in gutem Zustand ist. Also kann man auch mit einem Elektroauto einem Verbrenner Starthilfe geben. Allerdings gibt der ADAC zu bedenken: "Starthilfe sollte grundsätzlich nur zu einem Pannenfahrzeug erfolgen, das über eine kleinere bzw. gleich große Batterie verfügt. Hauptsächlich, damit eine Überlastung der Spenderbatterie und der elektrischen Bordnetze vermieden wird." Das gilt auch beim Überbrücken von Verbrenner zu Verbrenner.
Maßgeblich sind die auf der Batterie angegebene Kapazität in Amperestunden (Ah): Hat das liegen gebliebene Fahrzeug eine größere Batterie als das Stromspender-Elektroauto, sollten Sie nicht überbrücken. Ansonsten riskieren Sie, dass der 12-Volt-Akku des E-Autos leergesaugt wird. Dann wären Sie der nächste Pannen-Kandidat!
Fazit
Der wichtigste Tipp für E-Auto-Fahrer ist: Sobald die Reichweitenanzeige unter zehn Prozent fällt, sollte die Fahrt direkt zur nächsten Ladestation führen. Am besten ist es, wenn innerhalb der Reichweite noch eine zweite Lademöglichkeit liegt. Ansonsten gilt auch hier: Eine Panne mit dem Elektroauto ist vermeidbar und kein Drama, kostet allerdings unnötige Zeit. Die Pannendienste helfen auch beim E-Auto.
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